PISA 2009

Bei PISA 2009 stand die Lesekompetenz im Mittelpunkt: Rund die Hälfte aller Aufgaben stammte aus diesem Bereich, je ein Viertel der Aufgaben aus Mathematik und aus Naturwissenschaft. Österreichische Schüler/innen erzielten in Lesen 470 Punkte und lagen damit 23 Punkte unter dem OECD-Schnitt. In Mathematik lagen Österreichs Jugendliche ganz genau im Schnitt der OECD-Länder (496), in Naturwissenschaft knapp – aber signifikant darunter (494).

Mit PISA 2009 begann der zweite neunjährige Zyklus mit einem Lesekompetenz-Schwerpunkt (wie PISA 2000), 2012 folgte als Schwerpunkt Mathematik und 2015 Naturwissenschaft. Weltweit absolvierten im Jahr 2009 rund 470.000 Schüler/innen in 65 Ländern (34 OECD- und 31 Partnerländer) den standardisierten PISA-Test und beantworteten einen Hintergrundfragebogen.

In Österreich wurden 6590 zufällig ausgewählte Schüler/innen des Jahrgangs 1993 in einer repräsentativen Stichprobe aus 282 Schulen aller Schultypen getestet. Die Stichprobe war etwas größer als bei bisherigen Erhebungen, da sich Tirol und Vorarlberg erstmals mit einer erweiterten Stichprobe beteiligten, so dass es möglich wurde, diese beiden Bundesländer international zu vergleichen.

Erstmals wurde im Rahmen des Lesekompetenz-Schwerpunkts bei PISA 2009 die Fähigkeit der 15-/16-jährigen Schüler/innen beim Lesen elektronischer Medien (Internet, E-Mails, Blogs, Chats etc.) erfasst. Mit Österreich beteiligten sich insgesamt 16 OECD-Länder an dieser PISA-Zusatzstudie (Electronic Reading Assessment, kurz ERA). Elektronische Medien, vor allem das Internet, nehmen einen immer größeren Stellenwert in der Kommunikation und Information – insbesondere auch von Jugendlichen – ein. ERA misst, inwieweit 15-/16-jährige Schüler/innen in der Lage sind, Informationen aus elektronischen Medien zu entnehmen sowie diese kritisch zu hinterfragen, und beleuchtet die Navigationsfähigkeiten der Schüler/innen. Inhaltlich und technisch stellt ERA eine Innovation dar. Die Aufgaben wurden den Jugendlichen in einer simulierten Web-Umgebung präsentiert, der Test dauerte ca. 40 Minuten.

Ergänzt werden die Daten aus den Leistungstests durch Kontextinformationen aus Schüler- und Schulfragebögen. Die Schüler/innen und Schulleiter/innen wurden dabei zu wichtigen Informationen rund um Schule und Lernen befragt, wie z. B. zu Merkmalen der Schüler/innen (Charakteristiken, familiärer Hintergrund) und der Schule (Struktur und Organisation der Schule, Ressourcen, Rechenschafts- und Aufnahmepraktiken), zum Unterricht sowie zur Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien.

Für PISA 2009 beauftragte das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) ein universitäres Konsortium unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Eder, Universität Salzburg, mit der Erstellung der nationalen Zusatzerhebungen auf Schul- und Schülerebene. Neu bei PISA 2009 sind dabei die folgenden Themenbereiche der Schülerbefragung: Unterricht im Fach Deutsch, Gewalt in der Schule, Geschlechterrollen und Freizeitgestaltung, Sozialkapital und kulturelle Aktivitäten.

Die wichtigsten Ergebnisse für Österreich im Überblick

Leseleistungen der österreichischen Schüler/innen

Österreichs Schüler/innen erreichen bei PISA 2009 auf der Lese-Gesamtskala einen Mittelwert von 470 Punkten und liegen damit 23 Punkte und statistisch signifikant unter dem OECD-Schnitt von 493. Innerhalb der 34 OECD-Länder bedeutet dies Rang 31 (statistisch betrachtet den geteilten 29. bis 32. Rang).

Der Abstand Österreichs zu den besten OECD-Ländern Korea (539) und Finnland (536) beträgt 69 bzw. 66 Punkte (zu Shanghai sogar 86 Punkte).

Schüler/innen der höchsten Lese-Kompetenzstufen 5 und 6 bilden die Spitzengruppe beim Lesen. Österreich weist 5 % solcher Spitzenschüler/innen auf. Im OECD-Schnitt gehören 7 % der 15-/16-Jährigen zur Lese-Spitzengruppe. Die meisten Spitzenschüler/innen haben Neuseeland (16 %) und Finnland (15 %).

Problematisch sind die 28 % Risikoschüler/innen in Österreich, die gegen Ende der Pflichtschulzeit nur unzureichend sinnerfassend lesen können. Sie sind in ihrem privaten und gesellschaftlichen Leben erheblich beeinträchtigt. Besonders der Eintritt in den Arbeitsmarkt wird für diese Schüler/innen schwierig sein. Im Vergleich zu Korea (6 %) hat Österreich fast fünfmal so viele Risikoschüler/innen. Im Schnitt der OECD-Länder gehört jede/jeder fünfte Jugendliche (19 %) zur Lese-Risikogruppe.

Mädchen schneiden in allen OECD-/EU-Ländern im Lesen besser ab als Burschen – in Österreich (41 Punkte) ist die Differenz ähnlich hoch wie im OECD-Schnitt (39 Punkte). Jugendliche mit Migrationshintergrund haben in Österreich große Leseprobleme: Mit einer Differenz von 68 Punkten zu den Einheimischen gehört Österreich zu den drei OECD-Ländern mit den größten Leistungsunterschieden (Italien: 72 Punkte, Belgien: 68 Punkte). Am relativ schlechtesten schneidet die 1. Migrantengeneration ab (Mittelwerte: 1. Generation 384, 2. Generation 427, Einheimische 481).

Lesen elektronischer Medien

Österreich erzielte beim Lesen elektronischer Medien 459 Punkte und liegt deutlich unter dem OECD-Schnitt von 499 (das bedeutet Rang 15 unter den 16 Teilnehmerstaaten). Das ist um rund 12 Punkte schlechter als beim Lesen gedruckter Medien (470). Mädchen schneiden in beiden Bereichen signifikant besser ab als Burschen.

Spitzen- und Risikogruppen

16 % der österreichischen Schüler/innen gehören am Ende der Pflichtschulzeit in zumindest einem der drei Kompetenzbereiche zur Spitzengruppe. Am anderen Ende des Leistungsspektrums zählt jeder dritte heimische Jugendliche in mindestens einem Kompetenzbereich zur Risikogruppe (34 %), 15 % der Schüler/innen zeigen in allen drei, Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft, mangelhafte Grundkompetenzen.

Familiäre Faktoren

Die Leistung der Schüler/innen in Österreich wird zu einem erheblichen Teil durch den Sozialstatus der Familie bestimmt. Je höher der Sozialstatus und je höher das formale Bildungsniveau der Eltern, desto bessere Leistungen erbringen die Jugendlichen im Schnitt. In anderen Ländern kompensiert das Bildungssystem familiäre Defizite besser.

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