PISA-Studie für 15-/16-Jährige

Die PISA-Studie wurde Ende der 1990er-Jahre von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ins Leben gerufen, um Daten zur Qualität und Effektivität der verschiedenen Schulsysteme in den Mitgliedsstaaten zu erhalten. Mittlerweile ist PISA in Österreich zu einem festen Bestandteil der qualitätssichernden Maßnahmen im Bildungsbereich und einer faktenbasierten Bildungspolitik geworden. Während die PISA-Erhebung von 2000 bis 2012 papierbasiert (mit Testheften) durchgeführt wurde, erfolgte 2015 die Umstellung auf einen computerbasierten Test.

Was wird bei PISA getestet?

Eine zentrale Fragestellung der PISA-Studie ist, wie gut es den unterschiedlichen Schulsystemen in den Mitgliedsländern gelingt, die Schüler/innen auf die Herausforderungen der Zukunft und das "lebenslange Lernen" vorzubereiten. Dazu werden die Kompetenzen in drei zentralen Bereichen gemessen: Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft. Die PISA-Aufgaben erfassen, inwieweit Schüler/innen in der Lage sind, alltagsrelevante Probleme effektiv zu analysieren, ihre Lösungen zu begründen und darzulegen. Reines Faktenwissen spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

PISA findet alle drei Jahre mit wechselnden Schwerpunkten statt. Mit PISA 2018 beginnt der insgesamt dritte Erhebungszyklus. Dabei wird Lesen 2018 (nach 2000 und 2009) zum dritten Mal schwerpunktmäßig erfasst, 2021 folgt Mathematik und 2024 Naturwissenschaft.

 

 

Wer nimmt an PISA teil?

Weltweit nehmen über 70 Länder, darunter alle 35 OECD-Staaten, an der Studie teil, die gemeinsam fast 90 % der Weltwirtschaft abdecken.

Die Zielgruppe von PISA wurde auf Basis des Alters festgelegt, in dem sich die Jugendlichen im Großteil der OECD-Länder am Ende der Pflichtschulzeit befinden, nämlich im Alter von 15/16 Jahren. Somit ist eine Bestandsaufnahme des Wissens und der Fähigkeiten möglich, die die Schüler/innen im Lauf ihrer Pflichtschulzeit erworben haben.

PISA findet in jedem Land in zufällig ausgewählten Schulen statt. Dazu wird jeweils eine Stichprobe von etwa 6.800 Schülerinnen und Schülern des entsprechenden Jahrgangs aus mindestens 150 Schulen gezogen. In jedem Land müssen am Ende auswertbare Daten von 6.300 Schülerinnen und Schülern vorliegen. Die Tests finden weltweit unter denselben Bedingungen statt. PISA wird in Österreich in allen Schultypen, die von 15-/16-Jährigen besucht werden durchgeführt, wobei die Stichprobe die Anteile der Jugendlichen in den einzelnen Schultypen in der Grundgesamtheit repräsentiert.

Wie wird getestet?

Der PISA-Test wird an den Schulen von externen, eigens geschulten Testleiterinnen und Testleitern durchgeführt. Die Jugendlichen haben zwei Stunden Zeit, um die Aufgaben aus den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft zu bearbeiten. Um die unterschiedlichen Fragestellungen aus den drei Bereichen zu beantworten, müssen die Schüler/innen aus vorgegebenen Antworten eine oder mehrere auswählen, ihre Lösungen selbst formulieren und am Computer eingeben, aber auch Aussagen oder Textteile mit Drag & Drop in die richtige Reihenfolge bringen, im Text ein fehlendes Wort aus einem Drop-down-Menü auswählen oder in Naturwissenschaft Computersimulationen ausführen. Im Anschluss an den Test beantworten die Jugendlichen noch einen Fragebogen zu wichtigen Hintergrundmerkmalen, die in Zusammenhang mit den gemessenen Leistungen stehen. Erhoben wird wie z. B. das Geschlecht, der Beruf und die Ausbildung der Eltern, das Geburtsland und die Muttersprache der Schüler/innen aber auch Fragen zu Einstellungen, Motivation und Unterricht in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft. Auch auf Schulebene gibt es einen Fragebogen zu wichtigen Einflussfaktoren (z. B. Schul- und Unterrichtsressourcen, Angebote für Schüler/innen, Managementaufgaben der Schulleitung etc.), der von den Schulleiterinnen und Schulleitern ausgefüllt wird.

Seit PISA 2006 werden zusätzlich auch computerbasierte Tests eingesetzt, die es ermöglichen, ein noch breiteres Spektrum an Kompetenzen zu erfassen. Damit wird PISA den aktuellen Entwicklungen im Bereich der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien gerecht, die zunehmend nicht nur im Alltag und im Beruf, sondern auch in der Lebensumwelt von Kindern und Jugendlichen und somit auch im Kontext Schule und Unterricht eine bedeutende Rolle spielen. So gab es bei PISA 2006 einen Computertest mit Naturwissenschaftsaufgaben, bei PISA 2009 wurde die Lesekompetenz der Jugendlichen in Bezug auf webbasierte Inhalte wie Webseiten, Internetforen, E-Mail oder Suchmaschinen erfasst und bei PISA 2012 wurden Aufgaben aus dem Bereich Mathematik und aus dem fächerübergreifenden Bereich Problemlösen am Computer erhoben. 2015 wurden bei PISA erstmals alle Kompetenzbereiche ausschließlich computerbasiert getestet.

Datenschutz

Die Erhebung der Daten bei PISA erfolgt „indirekt personenbezogen“, d. h. das BIFIE erhält keine Namen der teilnehmenden Schüler/innen. Das BIFIE hält sich damit sowohl an die Vorgaben des Datenschutzgesetzes 2000 sowie an jene der OECD und ist ausschließlich an aggregierten Daten und nicht an Einzeldaten von Personen interessiert. Alle Mitarbeiter/innen des Bundesinstituts BIFIE sind per BIFIE-Gesetz (§ 3 Abs. 2 BGBl. I Nr. 25/2008 i. d. F. I 7/2013) zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Daten werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet.

Wie ist PISA organisiert?

PISA wird in Österreich im Auftrag des BMB vom BIFIE durchgeführt. Nationale Projektleiterin für PISA ist Dr. Birgit Suchań.

Auf internationaler Ebene trägt das OECD-Sekretariat in Paris die Managementverantwortung für PISA. Gesamtkoordinator ist Dr. Andreas Schleicher. Grundlegende Entscheidungen werden im PISA Governing Board (PGB) getroffen, in dem alle Länder auf politischer Ebene vertreten, aber nur OECD-Mitgliedsländer stimmberechtigt sind. Österreich wird im PGB von Dr. Mark Német (BMB) vertreten.

Mit der Umsetzung von PISA auf internationaler Ebene war bis PISA 2012 ein Konsortium aus mehreren internationalen Forschungsinstituten unter der Leitung des Australian Council for Educational Research (A.C.E.R) betraut. PISA 2015 wurde organisatorisch in sieben Kernkompetenzen aufgeteilt ("Cores"), die von verschiedenen Subvertragsnehmern der OECD geleitet werden. Das internationale Management von PISA 2015 oblag ETS (Educational Testing Service, USA) gemeinsam mit dem OECD-Sekretariat in Paris. ETS ist darüber hinaus für Testdesign und -entwicklung und die Entwicklung der elektronischen Plattform zuständig. Für die Entwicklung der Frameworks zeichnet Pearson (USA) verantwortlich, für die Erhebungsdurchführung und die Stichprobenziehung WESTAT (USA). Das Deutsche Institut für Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt ist für die Fragebögen zuständig. Die Cores werden zusätzlich von verschiedenen Expertengruppen unterstützt, die sich aus international renommierten Forscherinnen und Forschern aus verschiedensten Bereichen wie Fachdidaktik, Methodik, Psychologie oder Pädagogik zusammensetzen.

Was sind die Produkte von PISA?

Ein wesentliches Ziel von PISA ist es, die Ergebnisse möglichst vielen Personen und Interessengruppen zugänglich zu machen, um Weiterentwicklungen in den Schulsystemen faktenbasiert zu unterstützen und voranzutreiben.

Auf nationaler Ebene ist das BIFIE mit einer Reihe von Publikationen bemüht, die Ergebnisse für Österreich möglichst umfassend aufzubereiten. Die Publikationen können sowohl im Buchhandel erworben als auch über die Webseite des BIFIE abgerufen werden. Ebenso sind PISA-Beispielaufgaben erhältlich. Darüber hinaus stehen die Mitarbeiter/innen des BIFIE gerne für Vorträge, Präsentationen und Workshops zur Verfügung.

Die internationalen Berichte der OECD sind meist themenspezifisch ausgerichtet und sind sowohl in Buchform als auch über die Webseite der OECD als Download erhältlich.

Ein zentrales Produkt von PISA ist darüber hinaus die internationale Datenbasis der OECD, die nach der Erstveröffentlichung der Ergebnisse einer aktuellen Erhebung über die Webseite der OECD verfügbar ist. Bildungspolitiker/innen und Bildungsforscher/innen können diese für eigene detaillierte Analysen nutzen.