Evaluation der Neuen Mittelschule

Evaluation der Neuen Mittelschule

Während der gesamten Entwicklungsphase der Neuen Mittelschule (NMS) erfolgt eine enge wissenschaftliche Begleitung der Modellschulen durch ein Evaluationsteam. Ziel dieser Begleitung ist es, nach vier Jahren Laufzeit Hinweise auf Stärken und Schwächen der Modellversuche zu gewinnen, die Wirkungen der NMS auf die Schüler/innen darzustellen und insgesamt Befunde zu Erfolg oder gegebenenfalls Misserfolg der Schulversuche festzuhalten. Das BIFIE hat dazu mit maßgeblichen Experten ein Konzept mit drei Teilprojekten der Evaluation entwickelt und die Daten in den Jahren 2008 bis 2013 erhoben und aufbereitet.

Mit der zusammenfassenden Datenanalyse der Daten wurde ein Konsortium unter der Leitung von Ferdinand Eder beauftragt. Mitglieder dieses Konsortiums sind Johann Bacher, Herbert Altrichter (beide Uni Linz), Franz Hofmann (School of Education, Salzburg) und Christoph Weber (PH Linz). Zur Beratung dieses Konsortiums und zur Qualitätssicherung der Analysen wurde ein Evaluationsbeirat eingerichtet, der neben einem Vertreter des BIFIE (Erich Svecnik) und Entsandten des Wissenschaftlichen Beirats (Helmut Fend, Hans Schachl) aus den Experten Kai Maaz (DIPF – Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt/Main), Jan Hochweber (Pädagogische Hochschule St. Gallen, DIPF), Norbert Maritzen (IfBQ – Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung, Hamburg) und Werner Specht (ehem. BIFIE) sowie einem Vertreter des BMBF (nunmehr BMBWF, Helmut Bachmann) als Beobachter besteht.

Teilprojekte der Evaluation der Neuen Mittelschule

Um den komplexen und vielfältigen Fragestellungen, die im Zusammenhang mit der NMS interessieren, gerecht zu werden, wurde ein umfassendes Evaluationskonzept erstellt. Dieses Gesamtkonzept ist in drei verschiedene Teilprojekte gegliedert, die sich in Methodik und Vorgehensweisen unterscheiden und jeweils andere Teilziele im Sinne des Gesamtziels verfolgen.

Wenn die ersten Schülerjahrgänge die NMS abschließen, werden politische Vertreter/innen, Eltern, Lehrer/innen, Schulleiter/innen und viele andere interessierte Gruppen unter anderem wissen wollen: Was hat die „neue Schule“ gebracht? Haben die Kinder mehr oder besser gelernt als in den herkömmlichen Schulformen? Wie hat sich der Unterricht verändert? Wurden Bildungsbarrieren abgebaut?

Um diesen und weiteren Fragen datenbasiert auf den Grund gehen zu können, wurde das BIFIE beauftragt, eine externe Evaluation der NMS durchzuführen.

Das Evaluationsteam hat folgende Aufträge:

  1. Analyse der Ausgangssituation, Definition von Vergleichsgruppen, Festlegung der Ziele, Einbezug der Bildungsstandards (§ 7a, Abs. 4 Schulorganisationsgesetz)
  2. Untersuchung und zusammenfassende Dokumentation der Stärken und Schwächen der pädagogischen Konzepte (z. B. unterschiedliche Förderung für unterschiedliche Fähigkeiten, regelmäßige Leistungsrückmeldungen, Zusammenarbeit der Lehrer/innen in Teams etc.)
  3. Rückmeldung der gewonnenen Erkenntnisse an die Entscheidungsträger

Es geht darum, anhand von klaren Kriterien den Nutzen der NMS zu analysieren und darüber hinaus möglichst viele Befunde im Hinblick auf die pädagogisch reichhaltige Gestaltung der Sekundarstufe I zu sammeln, aufzubereiten und Ergebnisse sowohl für die Bildungspolitik als auch für andere Schulen zugänglich zu machen.

Die NMS-Steuergruppe bestand von 2008 bis 2013 aus Erich Svecnik (Leitung, BIFIE), Ferdinand Eder (Universität Salzburg), Helmut Fend (Wissenschaftlicher Beirat), Günter Haider (BIFIE; seit April 2013 Universität Salzburg), Angelika Petrovic (BIFIE) und Werner Specht.

Metaanalyse aller Forschungsbefunde zur Neuen Mittelschule

Im Modellprojekt NMS fällt im Laufe des Entwicklungsprozesses eine Vielzahl an Daten und Forschungsergebnissen an. Neben den vom BIFIE initiierten Begleitforschungsprojekten nutzen auch andere Forschungseinrichtungen die Gelegenheit, ihre Kompetenzen in dieses groß angelegte Entwicklungsprojekt einzubringen und Erkenntnisse zu speziellen Fragestellungen zu gewinnen.

Die synoptische Aufarbeitung aller Ergebnisse der Begleitforschung und der verdichteten Ergebnisse lokaler Evaluationen wird vom BIFIE in einem eigenen Teilprojekt Metaanalyse geleistet. Innerhalb dieses Teilprojekts sammeln und sichten die Mitglieder des Evaluationsteams die verfügbare Evidenz.

Kooperative wissenschaftliche Begleitforschung

In diesem Teilprojekt werden gemeinsam mit den Projektverantwortlichen und den Evaluationsinstanzen in den Bundesländern Strategien entworfen und Forschungsaktivitäten durchgeführt, die dem Bedürfnis nach laufender Information über den Ablauf des Projekts sowohl in den Ländern als auch im BMB (nunmehr BMBWF) entgegenkommen. Das BIFIE legt auf die bundeseinheitlichen Kriterien für die Projektziele sein besonderes Augenmerk.

Im Rahmen dieses Teilprojekts wurde vom BIFIE ein bundesweiter Evaluationsverbund installiert. Der Verbund setzt sich aus je einer Vertreterin/einem Vertreter pro Bundesland zusammen, welche/r mit den Evaluationsvorhaben der jeweiligen Länder vertraut ist und als Bindeglied zwischen den bundesweiten und den länderspezifischen Vorhaben fungieren kann. Die Vertreter/innen sind entweder Angehörige des Landesschulrats oder einer Pädagogischen Hochschule. Der Verbund tagt ein- bis zweimal im Semester und hat neben der Vernetzung und dem Informationsaustausch die Aufgabe, gemeinsame Untersuchungen zu planen und durchzuführen.

Die Themen dieser kontinuierlichen Untersuchungen folgen den zentralen Zielen und Entwicklungsfeldern der NMS. Die Ergebnisse stehen unmittelbar nach Auswertung zur Feinsteuerung des Modellversuchs zur Verfügung und sind über die im Materialienbereich dieser Website abrufbaren Publikationen zugänglich.

Kompetenzentwicklung und Bildungsverläufe

Im Mittelpunkt dieses Teilprojekts steht die Fragestellung, ob und inwieweit sich fachliche und überfachliche Kompetenzen der Schüler/innen in den Schulen des Modellprojekts anders entwickeln und Schulkarrieren anders verlaufen als in konventionellen Schulen. Daneben sollen Stärken und Schwächen unterschiedlicher Modellrealisierungen im Hinblick auf die vermittelten Kompetenzen untersucht werden. Der Erhebung wichtiger Kontextbedingungen und Lernvoraussetzungen der Schüler/innen kommt dabei besondere Bedeutung zu, um konkurrierende bzw. sich ergänzende Erklärungsansätze zur Kompetenzentwicklung verfolgen zu können.

Die Untersuchung ist sowohl längs- als auch querschnittlich angelegt und bezieht sich auf die ersten beiden Generationen von NMS-Schülerinnen und Schülern.

Eingangserhebung

In der ersten Klasse der NMS wurden wichtige Lernvoraussetzungen erhoben. Diese Schüler/innen wurden in einem echten Längsschnitt bis in die 4. Klasse begleitet und in ihrem letzten Schuljahr innerhalb der NMS mit den Instrumenten zur Überprüfung der Bildungsstandards sowie mit ergänzenden Instrumenten zur Erfassung überfachlicher Kompetenzen und schulbezogener Einstellungen und Verhaltensweisen getestet.

Vergleichsgruppenerhebung

Im ersten Jahrgang der NMS wurden in den 4. Klassen, die also die NMS noch nicht durchlaufen hatten, Kurzformen der Bildungsstandardtests sowie ergänzende Instrumente zur Erfassung überfachlicher Kompetenzen und schulbezogener Einstellungen und Verhaltensweisen vorgegeben. Die Ergebnisse werden mit denen der 4. Klassen der NMS-Standorte in den Schuljahren 2011/12 und 2012/13, also den ersten Jahrgängen, die die NMS voll durchlaufen haben, verglichen.

Schlusserhebung

Am Ende der Sekundarstufe I wurden die ersten NMS-Schüler/innen, nachdem sie die NMS vier Jahre lang besucht haben, mit den weitgehend identischen Instrumenten wie die Vergleichsgruppen getestet. Im Jahr 2012 wurden auch die ersten flächendeckenden Überprüfungen der Bildungsstandards durchgeführt. Daran nahmen alle Klassen der 8. Schulstufe teil, auch jene der NMS. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, die 4. Klassen der NMS mit allen anderen 4. Klassen des Systems zu vergleichen.

Struktur der NMS-Evaluation

Struktur der NMS-Evaluation

Um die Interpretationsmöglichkeiten zu erweitern, werden die Vergleichsuntersuchungen durch eine Vielzahl an Daten aus anderen Quellen ergänzt. Es handelt sich beispielsweise um:

  • Ergebnisse der Begleitforschung, die im Laufe des Schulversuchs kontinuierlich generiert werden;
  • Ergebnisse der regulären Bildungsdokumentation, die die Möglichkeit eröffnen, Bildungskarrieren vergleichend zwischen unterschiedlichen Segmenten des Schulsystems zu untersuchen;
  • Ergebnisse des regelmäßigen Bildungsmonitorings.

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