Die neue Reifeprüfung in Latein und Griechisch

Auf Beschluss des Nationalrates (vgl. BGBl. Nr. 112/2009 vom 17.11. 2009) erfolgt die Aufgabenstellung zur schriftlichen Reifeprüfung in den Fächern Unterrichtsprache, Mathematik, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und klassische Sprachen ab dem Schuljahr 2013/14 standardisiert und kompetenzorientiert. Bereits seit Dezember 2007 ist eine vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur angeregte und durch das BIFIE eingerichtete Arbeitsgruppe damit beschäftigt, für die Fächer Griechisch und Latein entsprechende Aufgaben zu entwickeln.

Unter den Mitgliedern dieser zunächst von LSI Univ.-Doz. Dr. Fritz Lošek (Landesschulrat für Niederösterreich) und nunmehr von Dr. Florian Schaffenrath (Universität Innsbruck) geleiteten Arbeitsgruppe finden sich Fachdidaktiker und Testtheoretiker (Prof. Dr. Wolfgang Kofler, Univ.-Prof. Dr. Günther Sigott, Mag. Anna Pinter) sowie Fachkolleginnen und -kollegen aus allen österreichischen Bundesländern (Mag. Walter Dujmovits, Mag. Walter Freinbichler, OStR Mag. Renate Glas, Mag. Peter Glatz, Mag. Andrea Lošek, OStR Dr. Hermann Niedermayr, Dr. Renate Oswald, Mag. Harald Schwarz, Mag. Hartmut Vogl, Mag. Wilhelmine Widhalm-Kupferschmidt).

Über die Fortschritte der Arbeitsgruppe wurde regelmäßig in der Zeitschrift der Sodalitas, der Bundesarbeitsgemeinschaft klassischer Philologen und Altertumswissenschaftler in Österreich, berichtet: Wilhelmine Widhalm-Kupferschmidt: Latein und Griechisch immer am Ball. Eine echte Zukunftsperspektive, in: Circulare 2/2008, 9; Wilhelmine Widhalm-Kupferschmidt: Generalversammlung 2009 in Graz, in: Circulare 1/2009, 3; Fritz Lošek: Vorarbeiten zu einer möglichen standardisierten Reifeprüfung (SRP) aus Latein und Griechisch, in: Circulare 2/2009, 2-4; Fritz Lošek: SRP I. Standardisierte Reifeprüfung aus Latein und Griechisch. Arbeitsbericht der Projektgruppe des bmukk, in: Circulare 4/2009, 2-3; Michael Sörös: Auf dem Weg zur standardisierten Reifeprüfung. Consensusneu als Wegbegleitung, in: Circulare 4/2009, 4-5; Wilhelmine Widhalm-Kupferschmidt: Aktuelles zur standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung und zum „Consensus neu“, in: Circulare 1/2010, 2.

Der erste Arbeitsschritt bestand in der Entwicklung und Ausformulierung eines differenzierten Kompetenzmodells für die schriftliche Reifeprüfung auf der Grundlage des geltenden Lehrplans. Dieses Kompetenzmodell wurde bereits im Mai 2009 als erstes Teilergebnis der Arbeitsgruppe auf dieser Homepage veröffentlicht (vgl. auch Circulare 4/2009, 6-12).

Des weiteren finden Sie zwei Beispiele für eine standardisierte und kompetenzorientierte Aufgabenstellung zur schriftlichen Reifeprüfung aus Latein, eines für das sechsjährige, eines für das vierjährige Latein. Der markanteste Unterschied zu bisherigen Aufgabenstellungen besteht in der Zweiteilung in einen Übersetzungs- und einen Interpretationsteil, denen jeweils eigene griechische bzw. lateinische Texte zugrunde liegen: Am Übersetzungstext (ÜT) sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Übersetzungskompetenz unter Beweis stellen, am Interpretationstext (IT) hingegen ihre Fähigkeiten im Umgang mit griechischen bzw. lateinischen Texten.

Abgesehen von dem Vorteil, dass durch diese Zweiteilung dem Grundsatz ne bis in idem neue Geltung verliehen wird, trägt dieses Vorgehen der Forderung Rechnung, dass voneinander klar getrennte Aufgabenstellungen möglichst präzise die einzelnen Kompetenzen überprüfen.

Im Folgenden sind die beiden Beispiele jeweils in einer Datei enthalten. Die Kandidatinnen und Kandidaten werden bei der Reifeprüfung voraussichtlich zwei Hefte bekommen, in denen neben den Texten (ÜT und IT) und Aufgabenstellungen auch Platz für die Bearbeitung sein wird.

Diese Veröffentlichung dient dazu, die Kolleginnen und Kollegen mit dem neuen Format der Aufgabenstellungen aus Griechisch und Latein vertraut zu machen. Der große Komplex der einheitlichen Beurteilung wird in enger Zusammenarbeit mit der von LSI Dr. Michael Sörös geleiteten Arbeitsgruppe zur Leistungsbeurteilung „Consensus neu“ erarbeitet und soll im Herbst 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Dr. Florian Schaffenrath
Leiter der Arbeitsgruppe
florian [dot] schaffenrath [at] uibk [dot] ac [dot] at