PISA – ein Überblick

PISA – ein Überblick

Die PISA-Studie wurde Ende der 1990er-Jahre von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ins Leben gerufen, um Daten zur Qualität und Effektivität der verschiedenen Schulsysteme in den Mitgliedsstaaten zu erhalten. Von anfänglich 32 Teilnehmerländern hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt; an PISA 2018 beteiligten sich 79 Länder. Mittlerweile ist PISA in Österreich zu einem festen Bestandteil der qualitätssichernden Maßnahmen im Bildungsbereich und einer faktenbasierten Bildungspolitik geworden. Während die PISA-Erhebung von 2000 bis 2012 papierbasiert (mit Testheften) durchgeführt wurde, erfolgte 2015 die Umstellung auf einen computerbasierten Test.

Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft im Fokus

Eine zentrale Fragestellung der PISA-Studie ist, wie gut es den unterschiedlichen Schulsystemen gelingt, die Schüler/innen auf die Herausforderungen der Zukunft und das „lebenslange Lernen“ vorzubereiten. Dazu werden die Kompetenzen in drei zentralen Bereichen gemessen: Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft.

Seit PISA 2000 wird jede Erhebung jeweils um einen „innovativen Bereich“ – entweder in Form eines Fragebogens oder in Form einer neuen Testdomäne – ergänzt. Eine Teilnahme der Länder an diesen Zusätzen ist optional. Österreich nahm bei PISA 2000 an der internationalen Zusatzbefragung zu fächerübergreifenden Fähigkeiten (Cross-Curricular Competencies) teil, bei der die Schüler/innen u. a. zu Strategien des selbstregulierenden Lernens und der Handlungskontrolle, zu kooperativem Lernen, ihrer Motivation und Zielorientierung befragt wurden. Bei PISA 2003 und 2012 wurden die Testdomänen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft um die fächerübergreifende Kompetenz „Problemlösen“ erweitert, wobei diese 2003 mit einem herkömmlichen Papier-Bleistift-Test und 2012 computerbasiert erfasst wurde. 2009 beteiligte sich Österreich an der Zusatzbefragung „Lesen elektronischer Medien“, die bei PISA 2012 fortgeführt wurde. Zudem wurde bei PISA 2012 (mit Beteiligung Österreichs) die Mathematikkompetenz zusätzlich zum gewohnten „Papiertest“ auch computerbasiert erfasst. Bei PISA 2015 wurde als innovativer Bereich zusätzlich zu den drei Kernbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft das „kollaborative Problemlösen“ (gemeinschaftliches Problemlösen) mit österreichischer Beteiligung erfasst; 2018 folgte der Testbereich „Global Competence“, an dem sich Österreich nicht beteiligte. Seit 2012 wird darüber hinaus ein eigener Test zum Thema „Financial Literacy“ eingesetzt, der in Österreich bisher bei keinem Erhebungsdurchgang eingesetzt wurde.

Die PISA-Aufgaben erfassen, inwieweit Schüler/innen in der Lage sind, alltagsrelevante Probleme effektiv zu analysieren, ihre Lösungen zu begründen und darzulegen. Reines Faktenwissen spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

PISA findet alle drei Jahre mit wechselnden Schwerpunkten statt. Mit PISA 2018 begann der insgesamt dritte Erhebungszyklus. Lesen wurde bei dieser Erhebung (nach 2000 und 2009) zum dritten Mal schwerpunktmäßig erfasst, 2021 folgt Mathematik und 2024 Naturwissenschaft.

PISA-Zyklus

 

Zielgruppe

Die Zielgruppe von PISA wurde auf Basis des Alters festgelegt, in dem sich die Jugendlichen im Großteil der OECD-Länder am Ende der Pflichtschulzeit befinden, nämlich im Alter von 15/16 Jahren. Somit ist eine Bestandsaufnahme des Wissens und der Fähigkeiten möglich, die die Schüler/innen im Lauf ihrer Pflichtschulzeit erworben haben.

Bei PISA werden in jedem Land Schüler/innen in zufällig ausgewählten Schulen getestet. Dazu wird jeweils eine Stichprobe von etwa 6.800 Schülerinnen und Schülern des entsprechenden Jahrgangs aus mindestens 150 Schulen gezogen. In jedem Land müssen am Ende auswertbare Daten von 6.300 Schülerinnen und Schülern vorliegen. Die Tests finden weltweit unter denselben Bedingungen statt. PISA wird in Österreich in allen Schultypen, die von 15-/16-Jährigen besucht werden, durchgeführt, wobei die Stichprobe die Anteile der Jugendlichen in den einzelnen Schultypen in der Grundgesamtheit repräsentiert.

Durchführung

Der PISA-Test wird an den Schulen von externen, eigens geschulten Testleiterinnen und Testleitern durchgeführt. In den ersten beiden Erhebungsrunden wurde PISA ausschließlich papierbasiert durchgeführt. Die Jugendlichen haben zwei Stunden Zeit, um die Aufgaben aus den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft zu bearbeiten. Um die unterschiedlichen Fragestellungen aus den drei Bereichen zu beantworten, müssen die Schüler/innen aus vorgegebenen Antworten eine oder mehrere auswählen, ihre Lösungen selbst formulieren und am Computer eingeben, aber auch Aussagen oder Textteile mittels Drag-and-Drop in die richtige Reihenfolge bringen, im Text ein fehlendes Wort aus einem Drop-down-Menü auswählen oder in Naturwissenschaft Computersimulationen ausführen.

Im Anschluss an den Test beantworten die Jugendlichen einen Fragebogen zu wichtigen Hintergrundmerkmalen, die in Zusammenhang mit den gemessenen Leistungen stehen. Erhoben werden etwa das Geschlecht, der Beruf und die Ausbildung der Eltern, das Geburtsland und die Muttersprache der Schüler/innen, aber auch Informationen zu Einstellungen, Motivation und Unterricht in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft. Auch auf Schulebene gibt es einen Fragebogen zu wichtigen Einflussfaktoren (z. B. Schul- und Unterrichtsressourcen, Angebote für Schüler/innen, Managementaufgaben der Schulleitung etc.), der von den Schulleiterinnen und Schulleitern ausgefüllt wird.

Datenschutz

Durch die Art und Weise der Erhebung der Daten bei PISA ist gewährleistet, dass das BIFIE keine Namen der teilnehmenden Schüler/innen erfährt. Das BIFIE hält sich damit sowohl an die Vorgaben des aktuellen Datenschutzgesetzes als auch an jene der OECD. Es ist ausschließlich an aggregierten Daten und nicht an Einzeldaten von Personen interessiert. Alle Mitarbeiter/innen des Bundesinstituts BIFIE sind per BIFIE-Gesetz (§ 3 Abs. 2 BGBl. I Nr. 25/2008 i. d. g. F.) zur Verschwiegenheit verpflichtet. Es werden die Ergebnisse aus den Tests und aus den Fragebögen verarbeitet. Die Daten werden ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke verwendet.

Organisation

PISA wird in Österreich im Auftrag des Bildungsministeriums vom BIFIE durchgeführt. Nationale Projektleiterin für PISA ist Dr. Birgit Suchań.

Auf internationaler Ebene trägt das OECD-Sekretariat in Paris die Managementverantwortung für PISA. Grundlegende Entscheidungen werden im PISA Governing Board (PGB) getroffen, in dem alle Länder auf politischer Ebene vertreten, aber nur OECD-Mitgliedsländer stimmberechtigt sind. Österreich wird im PGB von Dr. Mark Német (BMBWF) vertreten.

Mit der Umsetzung von PISA auf internationaler Ebene war bis PISA 2012 ein Konsortium aus mehreren internationalen Forschungsinstituten unter der Leitung des Australian Council for Educational Research (A.C.E.R) betraut. PISA 2015 wurde organisatorisch in sieben Kernkompetenzen aufgeteilt („Cores“), die von verschiedenen Subvertragsnehmern der OECD geleitet werden. Das internationale Management obliegt seither ETS (Educational Testing Service, USA) gemeinsam mit dem OECD-Sekretariat in Paris. ETS ist darüber hinaus für Testdesign und -entwicklung sowie für die Entwicklung der computerbasierten Test-Plattform zuständig. Für die Entwicklung der Frameworks zeichnet Pearson (USA) verantwortlich, für die Erhebungsdurchführung und die Stichprobenziehung WESTAT (USA). Das Deutsche Institut für Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt ist für das Framework und die Entwicklung der Fragebögen zuständig. Die Cores werden zusätzlich von verschiedenen Expertengruppen unterstützt, die sich aus international renommierten Forscherinnen und Forschern aus verschiedensten Bereichen wie Fachdidaktik, Methodik, Psychologie oder Pädagogik zusammensetzen.

Ergebnisse

Ein wesentliches Ziel von PISA ist es, die Ergebnisse möglichst vielen Personen und Interessengruppen zugänglich zu machen, um Weiterentwicklungen in den Schulsystemen faktenbasiert zu unterstützen und voranzutreiben.

Auf nationaler Ebene ist das BIFIE mit einer Reihe von Publikationen bemüht, die Ergebnisse für Österreich möglichst umfassend aufzubereiten. Die Publikationen können auf der Webseite des BIFIE abgerufen werden. Ebenso sind PISA-Beispielaufgaben erhältlich.

Die internationalen Berichte der OECD sind meist themenspezifisch ausgerichtet und sind sowohl in Buchform als auch über die Webseite der OECD als Download erhältlich.

Ein zentrales Produkt von PISA ist darüber hinaus die internationale Datenbasis der OECD, die nach der Erstveröffentlichung der Ergebnisse einer aktuellen Erhebung über die Webseite der OECD verfügbar ist. Bildungspolitiker/innen und Bildungsforscher/innen können diese für eigene detaillierte Analysen nutzen. Zudem stellt die OECD ein Analysetool (Data Explorer) zur Auswertung von PISA-bezogenen Fragestellungen zur Verfügung.

Weiterführende Informationen