Bildungsstandards

Bildungsstandards sollen sicherstellen, dass Lernende bis zum Ende ihrer Grundausbildung über jene Kompetenzen verfügen, die sie zur Bewältigung weiterer schulischer und beruflicher Herausforderungen befähigen. Im Rahmen der Standardüberprüfung wird festgestellt, inwieweit Schüler/innen diese festgelegten Kompetenzen erreichen.

Bildungsstandards formulieren präzise Erwartungen an schulische Lehr- und Lernprozesse, indem sie festlegen, welche grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten (Kompetenzen) Schüler/innen bis zum Ende der 4. Schulstufe in Deutsch und Mathematik sowie bis zum Ende der 8. Schulstufe in Deutsch, Mathematik und Englisch erworben haben sollen. Die Einführung der Bildungsstandards in Österreich folgt einer im gesamten deutschsprachigen Raum eingeleiteten Entwicklung, die Lehrende verpflichtet, ihren Unterricht an Nachhaltigkeit, messbaren Ergebnissen und individueller Förderung jeder/jedes einzelnen Lernenden auszurichten.

Bildungsstandards basieren auf den gültigen Lehrplänen. Während Lehrpläne den gesamten zu bearbeitenden Stoff beschreiben, wird durch die Festlegung der Bildungsstandards eine systematische Auswahl wesentlicher Inhaltsbereiche getroffen, die für die weitere Entwicklung im jeweiligen Fach unverzichtbar sind. Diese Grundlagen des Faches werden in den Bildungsstandards als konkrete Lerngerbnisse oder Kompetenzen formuliert. Bildungsstandards beschreiben somit präzise, was Schüler/innen können, nicht was sie lernen sollen.

Damit werden Erwartungen an die Leistungen der Schüler/innen transparent, zugleich steigt die Absehbarkeit für Eltern über zu erwartende Lernergebnisse. Für Lehrer/innen bieten Bildungsstandards einen klaren Orientierungsrahmen für die langfristige Planung und Gestaltung von Unterricht: Sie schaffen Klarheit über anzustrebende Lernergebnisse und Bewertungsmaßstäbe und erleichtern somit die gezielte individuelle Förderung aller Schüler/innen.

Bildungsstandards bedingen eine neue Unterrichtskultur: Kompetenz bedeutet die Fähigkeit, Wissen flexibel nutzen zu können. Kompetenzorientierter Unterricht hat die Aufgabe, Wissen so zu vermitteln und zu festigen, dass es in neuartigen Situationen vernetzt angewendet werden kann. Die Verpflichtung zum Aufbau und zur Festigung von Kompetenz bedingt somit ein Überdenken von durchaus noch üblichen Unterrichts- und Beurteilungsformen, die auf das Anhäufen kurzfristig verfügbarer Wissensinhalte abzielen. Merkmale kompetenzorientierten Unterrichts sind beispielsweise eine Aufgabenkultur, die das Umsetzen von Wissen in vielfältigen, lebensnahen Situationen und individuelle Problemlösungswege zulässt, zeitgemäße und lernförderliche Formen der Leistungsbewertung, Methodenvielfalt oder gezielte Lernstands- und Lernfortschrittsdiagnosen.

Insgesamt zielt die Umsetzung des Bildungsstandardskonzepts auf erhöhte Verbindlichkeit für alle Entscheidungsträger im Schulsystem ab. Erreicht werden soll darüber hinaus eine Qualitätssteigerung auf Klassen-, Schul- und Systemebene. Vor diesem Hintergrund sieht der Gesetzgeber ab dem Schuljahr 2011/12 auf der 8. Schulstufe (Mathematik, Englisch, Deutsch) und ab dem Schuljahr 2012/13 auf der 4. Schulstufe (Mathematik, Deutsch) periodische Standardüberprüfungen vor, die gesicherte Aussagen über die Leistungen des Unterrichts erlauben und gezielte Steuerungsmaßnahmen auf allen Ebenen des Bildungswesens ermöglichen.

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) wurde per Gesetzesbeschluss mit der Entwicklung, Umsetzung (Implementierung) und Überprüfung der Bildungsstandards beauftragt. Die vom BIFIE auf dieser Grundlage gesetzten Maßnahmen sollen helfen, die Ausbildungsqualität an Österreichs Schulen nachhaltig zu steigern und Schüler/innen für jene Aufgaben zu rüsten, die Beruf und Alltag ihnen stellen.