Bildungsstandards

Mit der Einführung der Bildungsstandards werden Lehr- und Lernprozesse über Klassen- und Schulebene hinaus transparent und vergleichbar. Sie bieten Lehrerinnen und Lehrern Orientierung darüber, welche Bildungsziele am Ende der 4. bzw. 8. Schulstufe erreicht sein sollten, und ermöglichen so den langfristigen und planmäßigen Aufbau grundlegender Kompetenzen.

Bildungsstandards legen fest, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten Schüler/innen bis zu einer bestimmten Schulstufe nachhaltig erworben haben sollen. Sie konzentrieren sich dabei auf wesentliche Bereiche eines Unterrichtsgegenstands und beschreiben erwartete Lernergebnisse vor dem Hintergrund fachlicher Grundkompetenzen, die für die weitere schulische Bildung bzw. berufliche Ausbildung als bedeutend erachtet werden.

Den in den Bildungsstandards beschriebenen Kompetenzen liegen fachspezifische Kompetenzmodelle zugrunde, die den Kernbereich des jeweiligen Unterrichtsgegenstands abdecken und die Übertragung allgemeiner Bildungsziele in konkrete Aufgabenstellungen unterstützen. Erwartungen an die Leistungen der Schüler/innen können so kontinuierlich und individuell gefördert und überprüft werden. Ein derart differenzierter Unterricht trägt wesentlich zum angestrebten kumulativen Kompetenzerwerb bei. Nachhaltiges Lernen (im Sinne eines Aufbaus anwendungsbezogenen, anschlussfähigen Wissens) schließt dabei die Vermittlung von kulturellem Orientierungs- und Bildungswissen keineswegs aus.

Bildungsstandards sind in Österreich nicht als Instrument für ein Qualitätsranking konzipiert. Sie ersetzen weder die Leistungsbeurteilung an den Schulen noch die Einstufung in Leistungsgruppen, da sie nur Teilbereiche des Lehrplans abdecken bzw. konkretisieren. Ebenso wenig beschränken sie die Methodenfreiheit oder reglementieren das Lehren und Lernen oder die individuelle Unterrichtsplanung von Lehrerinnen und Lehrern. Im Gegensatz zum Lehrplan liefern Bildungsstandards keine erschöpfende Beschreibung von Bildungszielen, sondern definieren fachliche Grundkompetenzen, die Schülerinnen und Schülern jedenfalls vermittelt werden sollten. Sie beeinflussen den Unterricht indirekt durch einen pädagogischen Orientierungsrahmen (Standards, prototypische Aufgabenbeispiele) und den Blick auf die Lernergebnisse (Output) der Schüler/innen.

Die österreichischen Bildungsstandards drücken normative Erwartungen aus, auf die Schulen im Rahmen autonomer Entwicklungsmöglichkeiten hinarbeiten sollen. Sie sollen jene Ergebnisse des Bildungsprozesses sichern, die wesentliche Voraussetzungen für lebenslanges Lernen darstellen, und Lehrenden Orientierung darüber bieten, was zu bestimmten Zeitpunkten des Bildungswegs erreicht sein sollte. Die Erfüllung dieser Erwartungen wird auf der 4. (Deutsch, Mathematik) und 8. Schulstufe (Deutsch, Englisch, Mathematik) regelmäßig durch externe Verfahren – so genannte Standardüberprüfungen – evaluiert. Der mit den Standardüberprüfungen eingeleitete Qualitätszirkel (Messung – Rückmeldung – Aufarbeitung der Ergebnisse – Umsetzung von Maßnahmen – neuerliche Messung) liefert wertvolle Erkenntnisse, die im Sinne der langfristigen Schul- und Unterrichtsentwicklung nutzbar gemacht werden können.

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) wurde per Gesetz mit der Entwicklung, Implementierung und Überprüfung der Bildungsstandards beauftragt. Die nachfolgenden Seiten fassen wesentliche Informationen für Lehrer/innen und Schulleiter/innen zu den vom BIFIE im Bereich der Bildungsstandards unternommenen Tätigkeiten zusammen.