Nationaler Bildungsbericht 2009: Das Schulsystem im Spiegel von Daten und Indikatoren

Im ersten Band des Nationalen Bildungsberichts 2009 wird versucht, mithilfe von bildungsstatistischen Indikatoren und Kennzahlen Besonderheiten, Stärken und Schwächen des Schulsystems herauszuarbeiten und sichtbar zu machen.

Zentrale Daten als Grundlage für den Indikatorenteil entstehen durch die Projekte des BIFIE Salzburg im Bereich der international vergleichenden Studien und mittelfristig durch jene des nationalen Bildungsmonitorings (v. a. die Bildungsstandard-Überprüfungen). Die Aufbereitung dieser Ergebnisdaten liefert einen wesentlichen Beitrag zum Indikatorenteil des nationalen Bildungsberichts und die Basis für die langfristige, systematische Dokumentation des österreichischen Schulsystems in Zahlen.

Die Daten und Indikatoren zum Schulsystem in Österreich wurden konsequent im Hinblick darauf ausgewählt, dass sie entweder Aspekte der Qualität des Schulwesens direkt abbilden (so etwa die zentralen Daten der TIMSS-, PIRLS- und PISA-Untersuchungen) oder aber kritische Bedingungen für einen Gewinn oder Verlust an Qualität aufzeigen.

Bildungsstatistische Kennzahlen für Input, Prozesse, Output und Outcome

Im ersten Abschnitt (Kapitel A–D) werden bildungsstatistische Kennzahlen präsentiert, die – soweit es auf Basis verfügbarer Informationen möglich ist – die Arbeit des Bildungswesens, beginnend mit den Inputs (den personellen, sachlichen und monetären Ressourcen) über deren Verwendung in den Prozessen innerhalb des Schulwesens bis zu den Ergebnissen (in Form von Outputs und Outcomes) darstellen. Dieser Teil beruht auf flächendeckenden bildungs-, finanz- und personalstatistischen Informationen, die – im Unterschied zu den stichprobenbasierten internationalen Leistungserhebungen – in den meisten Fällen alle Schulen erfassen (Statistik Austria).

Insbesondere wurden die Individualdaten der neuen Schulstatistik über die Schüler/innen (Schulbesuch und Schulerfolge) erstmals für den Bildungsbericht einer Sonderauswertung unterzogen und auch mit einer Reihe weiterer Administrativdaten kombiniert.

Für das Schulwesen werden erhebliche öffentliche Ressourcen aufgewendet: etwa 8 Mrd. EUR pro Jahr, das sind 10 % der gesamten Staatsausgaben oder 5 % des BIP. Dokumentiert wird, in welchem Ausmaß die Mittel in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden und inwieweit dieser Einsatz gerecht, wirksam und effizient erfolgt.

Ausgewählte Ergebnisse:

  • Die österreichischen Bildungsausgaben liegen im internationalen Vergleich deutlich über dem Durchschnitt, wenn auch zeitlich in etwas abnehmendem Maße. Der Anteil an den Staatsausgaben ist konstant, aber gegenüber dem steigenden BIP ist der Anteil stetig etwas zurückgegangen. Da aber gleichzeitig immer weniger Schüler/innen unterrichtet werden, liegt Österreich bei den Pro-Kopf-Ausgaben vergleichsweise hoch.
  • Seit 2000 sind v. a. die Ausgaben für den Hochschulbereich gestiegen, aber auch im Schulbereich ist seit 1995 eine reale (inflationsbereinigte) Steigerung der Ausgaben pro Schüler/in von 10–20 % zu verzeichnen. 2006 wurden pro Schüler/in etwa 6500 EUR ausgegeben, mit großen Unterschieden nach Schultypen und Schulbereichen (für eine/n AHS-Schüler/in wird im Vergleich zur Hauptschule etwas mehr ausgegeben, betrachtet man die AHS-Unterstufe allein, so liegen die Pro-Kopf-Ausgaben aufgrund der größeren Klassen unter der Hauptschule; in den berufsbildenden Schulen liegen die Ausgaben um 40 % über denen der allgemeinbildenden Schulen). Im längerfristigen Vergleich sind die absoluten Ressourcen im Vergleich zur Zahl der Schüler/innen stark gestiegen, eine bemerkenswerte Ausnahme machen die BMHS, wo diese Entwicklung langfristig proportional zur Schüler/innen/zahl war.

Qualitätsindikatoren und Leistungsvergleiche

Über Qualitätsindikatoren können die wichtigsten Ergebnisse (Output) von Unterricht und Schule ermittelt werden: der Erfolg schulischen Lernens im Bereich der Sprache, der sozialen Kompetenz und der Kultur, die erworbenen Grund- und Fachkompetenzen, die möglichst passende Allokation der Schüler/innen, die Ausschöpfung der persönlichen Potenziale (Talente), das Ausmaß schulischer Kompensation, die erzielte Chancengerechtigkeit und einiges mehr – bis hin zur Zufriedenheit der Gesamtbevölkerung mit dem Schulsystem.

Grundlegende Qualitätsindikatoren für die erreichten Kompetenzen der Schüler/innen beruhen auf den Ergebnissen aus den Tests und Befragungen der international koordinierten Studien (Assessments), aber auch aus Erhebungen vor Schuleintritt und am Ende der Schulzeit. Gleichzeitig ist es anhand der Assessment-Begleitbefragungen auch möglich, so komplexe Sachverhalte wie die Gerechtigkeit im System, die Erfolge der Migrantinnen und Migranten, die korrekte Allokation der Absolventinnen und Absolventen oder die psychische Belastung bzw. Befindlichkeit der Betroffenen mit umfangreichen empirischen Daten aus großen und sehr sorgfältig gezogenen Stichproben zu analysieren.

Die Beteiligung an internationalen Schülerleistungsstudien vom Typ PISA, die Festlegung der Einführung und Überprüfung von Bildungsstandards (ab dem Schuljahr 2011/2012) und die Schaffung des nationalen Forschungsinstituts BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens, ab 2008) waren wichtige nationale Meilensteine auf dem eingeschlagenen Weg der faktenbasierten Beschreibung des Schulsystems (Monitoring) in den letzten Jahren.

Aktuelle statistische Daten

Aufgrund der Konzeption des „Nationalen Bildungsberichts Österreich“ im Drei-Jahres-Rhythmus werden die statistischen Kennzahlen nicht jährlich aktualisiert, obwohl viele Indikatoren sich auf jährlich verfügbare Datenquellen beziehen. Grundlagendaten zur Bildung werden jedes Jahr von der Statistik Austria aktualisiert und finden sich in der jährlichen Publikation "Bildung in Zahlen". International vergleichbare Bildungsindikatoren werden ebenfalls jährlich von der OECD in "Bildung auf einen Blick" veröffentlicht, die entsprechenden Links finden Sie rechts in unserem Informationsbereich.