Häufig gestellte Fragen zur Überprüfung der Bildungs­standards

Häufig gestellte Fragen zur Überprüfung der Bildungsstandards

Was sind Bildungsstandards?

Bildungsstandards sind konkret formulierte Lernergebnisse, die sich aus den Lehrplänen ableiten lassen. Sie legen jene Kompetenzen fest, die Schüler/innen bis zum Ende der 4. Schulstufe in Deutsch und Mathematik sowie bis zum Ende der 8. Schulstufe in Deutsch, Mathematik und Englisch nachhaltig erworben haben sollen.

Bildungsstandards beschreiben die erwünschten Lernstände der Schüler/innen an zentralen Schnittstellen des Schulsystems und machen Bildungsziele für Lernende und Lehrende transparent und vergleichbar. Sie geben Lehrerinnen und Lehrern Orientierung darüber, was Schüler/innen zu bestimmten Zeitpunkten ihrer Schullaufbahn können sollen und konkretisieren damit die Zielsetzungen des Lehrplans.

Was sind Standardüberprüfungen und worin liegt der Unterschied zwischen der Informellen Kompetenzmessung (IKM) und der Überprüfung der Bildungsstandards?

Bildungsstandards beschreiben die erwünschten Lernergebnisse so konkret und detailliert, dass sie mithilfe von Testitems überprüft werden können. Die gesetzlich verpflichtenden Standardüberprüfungen haben die Aufgabe, die insgesamt erreichten Leistungen der Schüler/innen im Bereich der grundlegenden Kompetenzen bestimmter Pflichtgegenstände objektiv festzustellen und diese mit den angestrebten Zielen zu vergleichen. Die Ergebnisse der Überprüfungen dienen der Steuerung, Planung und Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich.

Die Diagnoseinstrumente zur Informellen Kompetenzmessung (IKM) wurden vom BIFIE entwickelt, um Lehrkräfte bei der individuellen Förderung der Schüler/innen zu unterstützen. Sie umfassen Aufgabensammlungen, die es Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, den bereits erworbenen Stand ihrer Schüler/innen differenziert nach Kompetenzbereichen festzustellen und so den eigenen Unterricht zu evaluieren. Im Gegensatz zur Standardüberprüfung erhält die Lehrerin/der Lehrer auf konkrete Schüler/innen rückführbare Ergebnisse.

Welche Schüler/innen werden bei der Standardüberprüfung getestet?

Im Rahmen der Standardüberprüfung getestet werden

  • alle Schüler/innen der 4. bzw. 8. Schulstufe
  • an allen öffentlichen und privaten Schulen
  • mit gesetzlich geregelten Schulartbezeichnungen (Volksschule, Volksschuloberstufe, Hauptschule, Neue Mittelschule, allgemeinbildende höhere Schule) und auf Dauer verliehenem Öffentlichkeitsrecht.

Davon ausgenommen sind

  • außerordentliche Schüler/innen,
  • Schüler/innen, die im Testfach nach dem Lehrplan der Sonderschule oder nach dem Lehrplan einer niedrigeren Schulstufe unterrichtet werden, sowie
  • Schüler/innen mit Körper- oder Sinnesbehinderung, sofern sie selbst mit allenfalls im Unterricht und bei der Standardüberprüfung zur Verfügung stehenden Unterrichts- oder Hilfsmitteln unter den gegebenen Testbedingungen die gestellten Aufgaben nicht lösen können.

Was wird wann überprüft?

Gegenstand der Überprüfungen sind:

  • Mathematik und Deutsch/Lesen/Schreiben auf der 4. Schulstufe
  • Mathematik, Deutsch und Englisch (erste lebende Fremdsprache) auf der 8. Schulstufe

Was sind Kompetenzen?

Im Sinne der österreichischen Verordnung zu den Bildungsstandards (BGBl. II Nr. 1/2009, § 2 Abs. 2) sind Kompetenzen in Anlehnung an Franz E. Weinert definiert als

längerfristig verfügbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, die von Lernenden entwickelt werden und die sie befähigen, Aufgaben in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsbewusst zu lösen und die damit verbundene motivationale und soziale Bereitschaft zu zeigen.

Kompetenzen umfassen Wissen und kognitive Fähigkeiten. Inhaltlich leiten sich die in der Verordnung zu den Bildungsstandards definierten Kompetenzen aus dem österreichischen Lehrplan ab.

Wie läuft der Test ab?

Bei der Überprüfung der Bildungsstandards sollen alle teilnehmenden Schüler/innen möglichst die gleichen Rahmenbedingungen vorfinden, um valide Ergebnisse zu erhalten und diese vergleichen zu können. Daher ist es nötig, den Testablauf zu standardisieren, die Instruktionen und Testzeiten genau vorzugeben und die Personen, die die Tests durchführen, angemessen zu schulen.

Die Standardüberprüfung beginnt am Testtag mit dem Beginn des normalen Vormittagsunterrichts und ist in der Regel eintägig. Die Überprüfung der fünf Kompetenzbereiche des Fachs Deutsch auf der 4. Schulstufe findet an zwei aufeinanderfolgenden Testtagen statt, um die Schüler/innen dieser Altersgruppe nicht zu überfordern. Die Testmaterialien werden vor dem Testtag vom BIFIE in einer versiegelten Box an die Schulleitung geschickt.

Zu Beginn der Überprüfung erhalten die Schüler/innen allgemeine Informationen und Instruktionen zur Standardüberprüfung. Die Testsitzung ist je nach Fach in unterschiedlich viele Testphasen gegliedert, in den Testablauf sind entsprechende Erholungsphasen eingeplant. Die reine Testdauer beträgt für die 8. Schulstufe maximal 120 Minuten, für die 4. Schulstufe maximal 80 Minuten pro Testtag. Im Anschluss an die Überprüfung bearbeiten die Schüler/innen einen kurzen Kontextfragebogen.

Wie sehen die Testitems aus?

Im Rahmen der Überprüfungen werden Testitems mit unterschiedlichen Antwortformaten eingesetzt:

Offenes Antwortformat

Beim offenen Antwortformat generieren die Schüler/innen ihre Antwort selbst. Diese Items überlassen es der Schülerin/dem Schüler, wie sie/er die Aufgabenstellung löst. Die Aufgabenlösung kann verbal frei gestaltet werden. Sie begründen z. B. ihre Meinung oder ihren Lösungsweg.

Halboffenes Antwortformat

Auch halboffene Items überlassen die Antwortformulierung der Schülerin/dem Schüler. Die Aufgabe ist jedoch im Unterschied zum offenen Item so präzise gestellt, dass die Antwort mit geringem Aufwand als richtig oder falsch bewertet werden kann. Solche Items verlangen von den Schülerinnen und Schülern kurze Antworten, z. B. eine Zahl oder ein Wort. Eine spezielle Form halboffener Items sind Lückentexte.

Geschlossenes Antwortformat

Beim geschlossenen Antwortformat stehen den Schülerinnen und Schülern zu einer Frage mehrere vorformulierte Antworten zur Auswahl. Die Antworten werden eingescannt und elektronisch weiterverarbeitet.

  • Richtig-falsch-Items (zum Ankreuzen) bestehen aus einer Aussage und zwei Antwortalternativen („richtig“ oder „falsch“/„ja“ oder „nein“), von denen eine zutrifft. Um die Ratewahrscheinlichkeit zu minimieren, werden solche Items nur blockweise vorgelegt.
  • Multiple-Choice-Items (zum Ankreuzen): Die Schülerin/der Schüler muss hierbei aus mehreren zur Wahl gestellten Antwortmöglichkeiten diejenige auswählen, die sie/er für richtig hält.
  • Bei Umordnungsitems hat die Schülerin/der Schüler vorgegebene Elemente so umzuordnen, dass sich eine richtige und/oder sinnvolle Abfolge ergibt.
  • Zuordnungsitems erfordern, dass die Schülerin/der Schüler vorgegebenen Begriffen eine entsprechende Beschreibung korrekt zuweist.

Beispielitems für die unterschiedlichen Fächer und Schulstufen finden Sie in unserem Materialienbereich unter Freigegebene Items.

Welche zusätzlichen Informationen werden erhoben?

Die Inhalte des Schülerfragebogens unterscheiden sich je nach Altersstufe.

In der Grundschule umfasst der Schülerfragebogen aktuell die folgenden 16 Themenfelder: Migrationshintergrund, zu Hause gesprochene Sprache, Beruf der Eltern, Freizeitaktivitäten, Bücherangebot zu Hause, Bildungsbiografie des Kindes, Förderunterricht, Übertritt in die Sekundarstufe, Wohlbefinden in der Schule. Im fachbezogenen Teil werden außerdem die Noten, der Zeitaufwand an einem Schultag, das Selbstkonzept im jeweiligen Fach sowie in Deutsch zusätzlich die Einstellung zum Lesen erfasst.

In der Sekundarstufe sind im Schülerfragebogen derzeit neun Themenfelder abgedeckt: demografische Fragen (Geschlecht, Geburtsmonat und -jahr), Familienstruktur, Sozialstatus (Beruf, Beschäftigungsausmaß und abgeschlossene Ausbildung der Eltern), kulturelles Kapital, Migrationshintergrund und Sprachgebrauch, Bildungsbiografie des Kindes und schulisches Lernumfeld. Im fachbezogenen Teil werden Fragen zum Unterricht sowie zur Motivation gestellt.

Die Informationen aus dem Kontextfragebogen fließen einerseits in die Rückmeldungen an die Schüler/innen, Lehrkräfte und Schulleiter/innen ein und dienen andererseits als Grundlage für die Analyse der Ergebnisse im Rahmen der Berichterstattung auf Systemebene.

Im fachbezogenen Teil werden Fragen zum Inhalt und zur Gestaltung des Unterrichts aus Sicht der Schüler/innen gestellt. Diese beziehen sich vorwiegend auf wahrgenommene Formen der Differenzierung und stellen keine Beurteilung der Lehrer/innen durch die Schüler/innen dar.

Wer bekommt wann eine Rückmeldung über die Ergebnisse?

Die Ergebnisse werden den beteiligten Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und Schulleitungen sowie den Schulbehörden und dem zuständigen Regierungsmitglied ca. ein Dreivierteljahr nach der Testung rückgemeldet.

Schüler/innen, Lehrer/innen und Schulleiter/innen können durch Eingabe ihres persönlichen Zugangscodes ihre Ergebnisse über das Internet abrufen. Dabei ist die individuelle Ergebnisrückmeldung für die Schüler/innen nur für die jeweilige Schülerin/den jeweiligen Schüler selbst zugänglich, nicht für Lehrer/innen und Schulleiter/innen. Die Anonymität der einzelnen Schüler/innen bleibt dadurch gewährleistet.

Die Schulbehörden und das zuständige Regierungsmitglied erhalten die zusammengefassten Ergebnisse in Form von schriftlichen Berichten, wobei Bundes- und Landesergebnisberichte jeweils auch auf der BIFIE-Website veröffentlicht werden. Es geht dabei um Informationen, die Zusammenhänge zwischen Rahmenbedingungen und Schülerkompetenzen aufzeigen, nicht aber um die Bewertung des Unterrichts einzelner Lehrer/innen auf Schulebene oder um ein Ranking der Schulen.

Weiterführende Informationen zu den Ergebnissen bereits abgeschlossener Standardüberprüfungen finden Sie auf unserer Website unter Abgeschlossene Standardüberprüfungen.

Wie wird die Vertraulichkeit der Schüler/innen gewahrt?

Das BIFIE arbeitet ausschließlich mit Schüler-IDs, die von der Schule vergeben werden. Diese Schüler-IDs sind Nummerncodes, die vom BIFIE nur Schulen und Klassen, nicht aber einzelnen Schülerinnen/Schülern zugeordnet werden können. Das BIFIE ist zu keinem Zeitpunkt im Besitz von Schülernamen oder der Zuordnung der IDs zu einzelnen Schülerinnen oder Schülern.

Die Schüler/innen erhalten bei der Testsitzung einen Code, mit dem es ihnen später möglich ist, ihre Ergebnisse im Internet abzurufen. Diesen Code müssen die Schüler/innen gut aufbewahren, da dem BIFIE aus Gründen des Datenschutzes keine Zuordnung von Daten zu Personen möglich ist und bei Verlust keine Rekonstruktion des Codes erfolgen kann.

Weiterführende Informationen