Formative Evaluation der Grund­schul­reform

Formative Evaluation der Grundschulreform

Mit dem Schuljahr 2016/17 startete die Umsetzung der Grundschulreform, die bis zum Jahr 2020 vom BIFIE – Department Evaluation, Bildungsforschung & Berichterstattung wissenschaftlich begleitet wird. Ziel des Forschungsprojekts ist es, Steuerungswissen zu generieren, wobei Erkenntnisse über den Prozessverlauf, die Akzeptanz der Reform bzw. einzelner Reformmaßnahmen gewonnen sowie eine Handlungsgrundlage für allenfalls erforderliche Adaptierungen bzw. für Unterstützungsmaßnahmen geschaffen werden sollen.

Ausgangslage und Projekthintergrund

Mit 1. September 2016 trat das Schulrechtsänderungsgesetz (BGBl I Nr. 56/2016) in Kraft, mit dem u. a. für die Grundschule wichtige Bereiche des Schulorganisationsgesetzes (z. B. Organisationsformen der Volksschule, Sprachstartgruppen und Sprachförderkurse), des Schulunterrichtsgesetzes (z. B. Wechsel der Schulstufe, Leistungsbeurteilung bzw. -information bis einschließlich der 3. Schulstufe) und des Schulpflichtgesetzes (z. B. Aufnahme in Volksschule zu Beginn der Schulpflicht) geändert bzw. neu geregelt wurden. Die Implementierung der Neuerungen des Schulrechtsänderungsgesetzes zielt auf den Ausbau einer inklusiven Grundschule ab, die den Entwicklungen und Lernbedürfnissen aller Kinder gerecht wird. Zudem sollen die Bildungseinrichtungen Kindergarten und Grundschule als gemeinsamer Bildungsraum durchgängige Entwicklungs- und Bildungswege schaffen und faire Bildungschancen für alle Kinder vermitteln.

Im Ausführungserlass des BMB (nunmehr BMBWF) zur Umsetzung der Grundschulreform werden konkret folgende Ziele angeführt, die mit der Bildungsreform im Bereich der Grundschule verfolgt werden (BMB-36.300/0042-I/2016):

  • Erhöhung des Bildungsniveaus aller Schülerinnen und Schüler
  • Verbesserung der Chancengerechtigkeit beim Bildungszugang unabhängig von Erstsprache, Entwicklungsstand und Behinderung
  • Neugestaltung der Schülerinnen- und Schülereinschreibung
  • Individualisierung und Kompetenzorientierung in der Primarstufe
  • Ausweitung der Sprachförderung für außerordentliche Schülerinnen und Schüler
  • Erweiterung der schulautonomen Entscheidungsmöglichkeiten im Bereich der Beurteilungsformen
  • Erweiterung der schulautonomen Entscheidungsmöglichkeiten im Bereich der Schul- und Unterrichtsorganisation
  • Erhöhung der Wahlfreiheit der Erziehungsberechtigten hinsichtlich des Schulbesuchs unabhängig vom Wohnort (Sprengelflexibilisierung)

Zielsetzung der wissenschaftlichen Begleitung

Ziel und Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung ist es, die Implementierung der Grundschulreform zu beobachten und zu analysieren und daraus im Sinne einer formativen Evaluation Prozess- und Steuerungswissen zu generieren. Vor allem sollen Erkenntnisse über den Prozessverlauf, über die Akzeptanz der Reform bzw. der einzelnen Maßnahmen und über ggf. erforderliche Adaptierungen bzw. Unterstützungsmaßnahmen gewonnen werden.

In Abstimmung mit dem BMB (nunmehr BMBWF) fokussiert die wissenschaftliche Begleitung der Grundschulreform auf die folgenden Bereiche bzw. Maßnahmen:

  • Informationstransfer vom Kindergarten in die Grundschule, Kooperation Kindergarten – Grundschule, Schülerinnen-/Schülereinschreibung NEU
  • Erweiterung der schulautonomen Entscheidungsmöglichkeiten im Bereich der Beurteilungsformen/Überleitung der alternativen Leistungsbeurteilung ins Regelschulwesen
  • Erweiterung der Autonomie im Hinblick auf jahrgangsübergreifendes Unterrichten mit flexibler innerer Differenzierung
  • Individualisierung und differenzierte Förderung, neue Lernkultur
  • Qualifizierung von Pädagoginnen/Pädagogen und Leitungspersonen für die Umsetzung der Maßnahmen der Grundschulreform, Begleitmaßnahmen

Vor diesem Hintergrund stehen folgende Fragestellungen im Blickpunkt des Forschungsinteresses:

  • Wie werden die Maßnahmen, die mit der Grundschulreform etabliert wurden bzw. werden, an den Schulen und Kindergärten konkret umgesetzt?
  • Wie werden die mit der Reform verbundenen Änderungen bzw. Neuerungen auf den verschiedenen Ebenen (Pädagoginnen und Pädagogen, Kindergarten- und Schulleiter/innen, Kindergarten- und Schulaufsicht) angenommen?
  • Welche (ersten) Veränderungen zeichnen sich durch die umgesetzten Maßnahmen – sowohl in den einzelnen Maßnahmenbereichen als auch hinsichtlich der Schul- und Unterrichtsgestaltung insgesamt – ab?
  • In welchen Bereichen gelingt die Umsetzung der Maßnahmen der Grundschulreform gut und in welchen Bereichen zeigen sich Hindernisse bzw. Veränderungs-/Unterstützungsbedarfe?
  • Welche Begleitmaßnahmen werden im Kontext der Implementierung der Grundschulreform vonseiten des BMB (nunmehr BMBWF), der Schulaufsicht und der Pädagogischen Hochschulen in den Bundesländern gesetzt und wie werden sie von den Beteiligten wahr- bzw. angenommen?
  • Welche Empfehlungen lassen sich basierend auf den Ergebnissen und Erkenntnissen der formativen Evaluation für den weiteren Prozessverlauf ableiten?

Methodische Umsetzung & Berichtlegung

Die Datengewinnung erfolgt auf Basis einer Triangulation quantitativer und qualitativer Methoden (Fragebogenerhebungen, Interviews, Dokumentenanalysen, Analysen von PH-Online-Daten etc.), wobei im Prozessverlauf verschiedene Beteiligtengruppen zu ihren Erfahrungen in Bezug auf die Umsetzung der Maßnahmen der Grundschulreform befragt werden.

Zielgruppen der Befragungen sind:

  • Schul- und Kindergartenaufsicht
  • Leitungspersonen an Grundschulen und Kindergärten
  • Lehrer/innen an Grundschulen
  • Eltern/Erziehungsberechtigte von Kindern, die die Grundschule besuchen und Erfahrungen mit verschiedenen Maßnahmen der Grundschulreform (Schülereinschreibung, alternative Leistungsbeschreibung, jahrgangsübergreifender Unterricht etc.) gesammelt haben

Die (Zwischen-)Ergebnisse der Begleitforschung werden in regelmäßigen Abständen an das BMB (nunmehr BMBWF) als Auftraggeber berichtet. Sobald öffentliche Ergebnisse vorliegen, werden sie bzw. entsprechende Hinweise dazu auf dieser Seite im Bereich „Weiterführende Informationen“ bereitgestellt.