Das System Schule beobachten

Mit seinen Produkten zu Bildungsmonitoring und -berichterstattung trägt das BIFIE wesentlich zur kontinuierlichen Beobachtung des Systems Schule bei. Erkenntnisse aus der Bildungsforschung und aus aktuellen Evaluationsprojekten geben neue Impulse, um das Schulwesen verstehen und entwickeln zu können. Die Bausteine der Systembeobachtung sind dabei nicht isoliert zu betrachten, sondern ergänzen einander. Der folgende Überblick soll das Zusammenspiel der Produkte des BIFIE und anderer Organisationen aufzeigen.

Aufgaben und Ziele

Bildungsmonitoring und -berichterstattung zielen darauf ab, ein umfassendes Bild des Status quo und der Qualität eines Schulsystems abzubilden. In einem sich stetig verändernden System ergibt sich dieses Bild nur aus der Zusammenschau von regelmäßig neu zu veröffentlichenden Daten und Fakten verschiedener Instrumente des Bildungsmonitorings. Dazu zählen etwa die Systemberichterstattung im Rahmen der Überprüfung der nationalen Bildungsstandards, die internationalen Studien PISA, PIRLS, TIMSS, TALIS und PIAAC oder die Schul- und Bildungsstatistiken der Statistik Austria. Vervollständigt wird die Beobachtung des Systems Schule durch neue Erkenntnisse der empirischen Bildungsforschung und aus wissenschaftlichen Evaluationen von bildungspolitischen Reformmaßnahmen. Der alle drei Jahre erscheinende Nationale Bildungsbericht zielt darauf ab, alle relevanten Quellen regelmäßig in einer Gesamtschau des Wissens zum Bildungsbereich zusammenzufassen und so an einem Ort die empirischen und wissenschaftlichen Grundlagen für evidenzbasierte Entscheidungen zu bündeln.

Die Beobachtung des Schulwesens als Gesamtsystem sorgt für Transparenz im Hinblick auf die Bildungsqualität und Zielerreichung unserer Schulen und die Qualität der Prozesse, auch im Verhältnis zu den aufgewandten Ressourcen. Die Systemperspektive erlaubt es allen Akteurinnen und Akteuren, die Situation in ihrem jeweiligen Handlungsbereich in einen größeren Zusammenhang einzuordnen, wobei internationale Studien eine Außenperspektive ermöglichen. Das Systemmonitoring stellt somit gezielt empirische Grundlagen für mittel- und langfristige bildungspolitische Planungen und das Handeln der Schulverwaltung bereit.

Internationale Vergleiche erlauben es, die Situation in Österreich aus einer Außenperspektive zu betrachten und zu erkennen, welche Entwicklungsziele für das Schulwesen realistisch sind. Systemmonitoring und -berichterstattung bieten für alle Ebenen – bis hin zum Schulstandort – nationale und regionale Referenzdaten, mit denen die eigene Situation eingeordnet werden kann. Auf Systemebene ist die Möglichkeit, Veränderungen über die Zeit erkennen zu können, ein entscheidender Beitrag der kontinuierlichen Beobachtung. Vorsicht ist geboten, wenn an Ergebnisse der Systembeobachtung der Anspruch gestellt wird, konkret über das Handeln der Akteurinnen und Akteure an den Schulen und im Unterricht zu informieren und pädagogische Handlungsoptionen vorzugeben.

Regelmäßige Systembeobachtung muss durch Forschung und Evaluation ergänzt werden. Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zielen darauf ab, neues Wissen in Schulen und Verwaltung einzubringen und somit Handlungsspielräume zu erweitern. Evaluationen zielen konkret darauf ab, laufende bildungspolitische Maßnahmen zu unterstützen und zu verbessern (formative Evaluation, wissenschaftliche Projektbegleitung) bzw. das Gelingen von Maßnahmen zu beurteilen (summative Evaluation).

Zielgruppen der Produkte

Die Produkte der Systemberichterstattung und Bildungsforschung wenden sich an die Akteurinnen und Akteure der Bildungspolitik und der Bildungsverwaltung auf Bundes- und Landesebene, an Wissenschafter/innen und Lehrerbildner/innen, interessierte Schulleiter/innen und Lehrer/innen sowie interessierte Akteurinnen und Akteure aus dem weiteren Umfeld des Schulsystems. Darüber hinaus sind Schlüsselpersonen der öffentlichen Meinungsbildung, z. B. Bildungsjournalistinnen und -journalisten, Schulpartner und Fachreferentinnen und -referenten der Sozialpartnerschaft sowie andere im Bildungsbereich involvierte zivilgesellschaftliche Organisationen ein wichtiges Zielpublikum. Die Produkte des BIFIE sind ein Angebot an diese Akteurinnen und Akteure, ihr Wissen durch die externe Beobachtung des Systems zu ergänzen und so neue Interpretationsmöglichkeiten zu erschließen.

Elemente der Systembeobachtung

Die Systembeobachtung in Österreich wird vom BIFIE durch folgende Aktivitäten unterstützt:

  • Beobachtung der Qualität von Schule im internationalen Vergleich: Seit 1995 nimmt Österreich an den internationalen Studien TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study), PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study), PISA (Programme for International Student Assessment) und TALIS (Teach­ing and Learn­ing Inter­national Survey) teil.
  • Beobachtung der Qualität von Schule relativ zu den nationalen Zielen: Durch die regelmäßige Überprüfung der Bildungsstandards am Ende der Volksschule bzw. der Sekundarstufe 1 wird objektiv festgestellt, ob und in welchem Ausmaß Schüler/innen die gewünschten Kompetenzen erreichen und wie sich der Ist-Stand der Kompetenzen der Schüler/innen mit dem angestrebten Soll (Bildungsstandards) deckt. Die Berichterstattung auf Systemebene, die der bundesweiten und regionalen Qualitätsentwicklung dient, muss im Zusammenhang mit den über 6000 Rückmeldungen an Schulen und Lehrer/innen gesehen werden.
  • Bildungsberichterstattung: Der Nationale Bildungsbericht bietet alle drei Jahre eine umfassende und differenzierte quantitative Darstellung aller wichtigen Aspekte des Schulwesens in Österreich. Er bringt mit Band 1 verschiedene relevante Datenquellen zusammen und bietet damit eine Gesamtschau des statistischen Wissens zum Bildungsbereich. Band 2 bietet neue Expertisen führender österreichischer Bildungswissenschafter/innen zu zentralen Entwicklungsthemen und Problemfeldern des Schulwesens. Der Nationale Bildungsbericht ist Grundlage für die bildungspolitische Diskussion und Steuerung des Schulwesens in Österreich.
  • Bildungsforschung: Mit den Daten aus internationalen Studien und der Überprüfung der Bildungsstandards stellt das BIFIE der Forschung eine einzigartige Datenbasis zur Situation des Schulwesens in Österreich zur Verfügung. Auf dieser Basis trägt das BIFIE selbst wesentlich zur Bildungsforschung bei und bietet Wissenschafterinnen und Wissenschaftern eine Grundlage für Forschungsarbeiten.
  • Die Evaluations- und Begleitforschung begleitet wichtige bildungspolitische Reformen und evaluiert durchgeführte Maßnahmen. Damit entstehen für die Bildungspolitik einerseits wichtige Grundlagen für Entscheidungen, andererseits werden Daten und Zwischenergebnisse für laufende Feinsteuerungen von Innovationsmaßnahmen der Projektverantwortlichen generiert.

 

Die Angebote des BIFIE zu Bildungsmonitoring, -forschung und -evaluation ergänzen sich mit Angeboten anderer österreichischer Institute. Wichtige weitere Quellen zur Beobachtung des Schulwesens bietet die Statistik Austria an. Diese ist unter anderem für den Bereich Schulstatistik verantwortlich und stellt Daten auf Bundes- und Regionalebene zur Verfügung. Der Großteil der Daten wird jährlich aktualisiert und publiziert. Einen Überblick über die wichtigsten Statistiken und Publikationen der Statistik Austria sowie Informationen über das Angebot „Statcube“ finden Sie über die nachstehenden Links.

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