Aktuelle Ergebnisse: Standardüberprüfung Deutsch, 8. Schulstufe (2016)

Im Frühjahr 2016 haben rund 73.000 Schüler/innen an ca. 1400 Neuen Mittelschulen, Hauptschulen und allgemeinbildenden höheren Schulen an der Überprüfung der Bildungsstandards im Fach Deutsch auf der 8. Schulstufe teilgenommen.

Seit 28. März 2017 können Schulleiter/innen, Lehrer/innen und Schüler/innen bis hin zu pädagogischen und politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern ihre Ergebnisse über eine Onlineplattform abrufen. Knapp 1400 Schulleiter/innen und mehr als 4000 Lehrer/innen bekommen ein Feedback über die Kompetenz der Schüler/innen ihrer Schule bzw. Klasse im Fach Deutsch. Dazu wurden flächendeckend schriftliche Kompetenzmessungen in den Bereichen Lesen, Schreiben, Sprachbewusstsein und Zuhören durchgeführt sowie an einer Stichprobe die Kompetenzen in Sprechen erfasst.

Die Ergebnisse der Standardüberprüfung geben Schulen Auskunft darüber, inwieweit die nachhaltige Vermittlung von grundlegenden Kompetenzen gelingt und bieten eine wichtige Basis für Qualitätsentwicklung am Schulstandort.

Für die Öffentlichkeit werden die zusammengefassten Ergebnisse der Standardüberprüfung 2016 auf Bundes- und Landesebene über die BIFIE-Website bereitgestellt und können jederzeit im Bereich Bundes- und Landesergebnisberichte zu den Standardüberprüfungen abgerufen werden.

Für Interessierte steht auf der BIFIE-Website außerdem jeweils ein Musterexemplar mit fiktiven Werten des Schulberichts, der Rückmeldung an die Lehrer/innen sowie der Schülerrückmeldung zur Verfügung.

Die wichtigsten Ergebnisse

Lesen

Schüler/innen, die die Bildungsstandards in Lesen am Ende der 8. Schulstufe erreichen, besitzen ein sicheres Lese- und Textverständnis altersadäquater literarischer und pragmatischer Texte. Das zeigt sich darin, dass sie Informationen erfassen und miteinander vergleichen können, dass sie einfache und komplexere Schlussfolgerungen herstellen können und dass sie über Texte reflektieren bzw. diese interpretieren können.

  • 49 % der Schüler/innen haben ein sicheres Lese- und Textverständnis und erreichen die Bildungsstandards in Lesen.
  • 7 % der Schüler/innen übertreffen die Bildungsstandards und verfügen über exzellente Lesefähigkeiten.
  • 28 % der Jugendlichen erreichen die Standards teilweise und verstehen kurze Texte geringer inhaltlicher, struktureller und sprachlicher Komplexität.
  • 17 % haben Mühe mit den einfachsten Leseaufgaben zu altersadäquaten, aber kurzen und wenig komplexen Texten und erreichen die Bildungsstandards nicht. Die persönliche und schulische Entwicklung dieser Schüler/innen ist dadurch ernsthaft gefährdet.

Schreiben

Im Rahmen der Standardüberprüfung hatten die Schüler/innen die Aufgabe, einen Text zu verfassen. Jeder Schreibauftrag bezog sich auf eine bestimmte Schreibhaltung (Erzählen, Informieren oder Argumentieren). Die Texte der Schüler/innen wurden in vier Dimensionen bewertet: Inhalt, Gliederung, Ausdruck und Sprachnormen.

  • Am häufigsten werden die Anforderungen in der Dimension Inhalt erreicht oder übertroffen (73 %).
  • Knapp zwei Drittel der Jugendlichen erreichen oder übertreffen die Standards in der Dimension Gliederung.
  • Die Dimension Ausdruck bereitet den Schülerinnen und Schülern die größten Schwierigkeiten – 54 % erreichen oder übertreffen die Lernziele. Hier geht es darum, über einen ausreichend umfangreichen Wortschatz zu verfügen, Sätze abwechslungsreich gestalten zu können und treffende sprachliche Mittel zu verwenden.
  • In der Dimension Sprachnormen geht es darum, beim Verfassen von Texten die grundlegenden Regeln der Rechtschreibung sowie der normgerechten Wort-, Satz- und Textgrammatik anwenden zu können. Hier sind die Ergebnisse besonders heterogen: Sowohl der Anteil der Schüler/innen, die die Standards übertreffen (16 %), als auch der Anteil derer, die diese nicht erreichen (13 %), sind unter den vier Schreibdimensionen am größten.

Sprachbewusstsein

Der Kompetenzbereich Sprachbewusstsein beschreibt, inwieweit Schüler/innen Kenntnis von Struktur, Normen und Funktion von Sprache als Grundlage für schriftliche und mündliche Kommunikation haben.

  • 71 % erreichen die für Sprachbewusstsein am Ende der 8. Schulstufe definierten Lernziele. Sie verfügen über sichere Kenntnisse in Wort-, Satz- und Textgrammatik.
  • 7 % übertreffen die festgelegten Anforderungen.
  • 15 % erreichen die Standards teilweise. Sie verfügen nur über grundlegende Kenntnisse in Wort-, Satz- und Textgrammatik.
  • 7 % erreichen die Bildungsstandards im Bereich Sprachbewusstsein nicht.

Rechtschreiben ist eines der vier Kompetenzfelder des Bereichs Sprachbewusstsein und wurde getrennt gemessen. Der Mittelwert wurde für Österreich insgesamt mit 500 Punkten festgelegt.

Zuhören

Die Bildungsstandards für den Bereich Zuhören legen fest, dass Schüler/innen altersangemessene monologische wie dialogische Hörtexte auch aus nicht vertrauten Kontexten verstehen können sollen.

  • 72 % erreichen die in Zuhören am Ende der 8. Schulstufe definierten Lernziele.
  • 8 % übertreffen die beschriebenen Anforderungen.
  • 16 % erreichen die Bildungsstandards teilweise.
  • 5 % erreichen diese nicht und zeigen erhebliche Probleme bei der Rezeption gesprochener deutscher Sprache. Mangelnde Kompetenz im Hörverstehen schränkt Schüler/innen massiv beim Lernen in allen schulischen Bereichen ein.

Sprechen

Die Kompetenzen in der mündlichen Kommunikation werden im Rahmen der Standardüberprüfung an einer repräsentativen Stichprobe erhoben. Etwa drei Viertel der Jugendlichen erreichen die Bildungsstandards in Sprechen. Sie können altersadäquat und situationsangemessen und, wenn erforderlich, problemlos an der Standardsprache orientiert sprechen. Weitere 3 % übertreffen die Anforderungen der Bildungsstandards in Sprechen. 22 % der Schüler/innen erreichen die Bildungsstandards teilweise. Sie drücken sich sprachlich verständlich aus und benutzen einen altersadäquaten Wortschatz sowie mehrheitlich korrekten Satzbau. Standardsprache nutzen sie ansatzweise. Nur 1 % der Jugendlichen erreichen die Bildungsstandards in Sprechen nicht.

Die Ergebnisse für Deutsch in der Zusammenschau

Insgesamt 45 % der Schüler/innen erreichen bzw. übertreffen sowohl in Lesen als auch in Schreiben, in Sprachbewusstsein und in Zuhören die Bildungsstandards am Ende der 8. Schulstufe. Weitere 19 % erreichen bzw. übertreffen die Bildungsstandards in drei der vier Bereiche. Das heißt, etwa zwei Drittel der Jugendlichen erreichen die Bildungsstandards der 8. Schulstufe in Deutsch zumindest überwiegend. 13 % der Schüler/innen verfügen über ein heterogenes Kompetenzprofil in Deutsch: Sie erreichen oder übertreffen die Standards in zwei Kompetenzbereichen und erreichen sie in zumindest einem weiteren Bereich teilweise. Knapp ein Viertel der Schüler/innen erreicht die Bildungsstandards in den meisten Kompetenzbereichen hauptsächlich teilweise (14 %) oder nicht (9 %).

Chancengerechtigkeit

  • Mädchen schneiden im Fach Deutsch in allen Bereichen im Mittel besser ab als Burschen. Das Ausmaß des Unterschieds variiert aber deutlich. So trennen Mädchen und Burschen in Rechtschreiben 52 Punkte, in Sprachbewusstsein 42 Punkte. In Zuhören ist der Vorsprung der Mädchen mit 18 Punkten am geringsten.
  • Schüler/innen mit Migrationshintergrund weisen im Schnitt niedrigere Kompetenzen auf als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Die Mittelwertdifferenzen liegen zwischen 34 Punkten in Sprechen und 75 Punkten in Lesen sowie 96 Punkten in Zuhören. Der besonders große Unterschied in den rezeptiven Fertigkeiten bedeutet für Jugendliche mit Zuwanderungshintergrund eine systematische Benachteiligung im Unterricht insgesamt, da dieser primär sprachlich vermittelt wird. Vergleicht man jeweils Jugendliche mit gleichem Sozialstatus, so unterscheiden sich Schüler/innen mit und ohne Migrationshintergrund um 15 Punkte in Sprechen und 68 Punkte in Zuhören. Das heißt, dass etwa ein Drittel der Unterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund durch Unterschiede im Sozialstatus erklärt werden und damit nicht direkt auf den Migrationshintergrund zurückzuführen sind.
  • Es gibt in allen Kompetenzbereichen einen starken Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss der Eltern und den Leistungen ihrer 14-jährigen Kinder. Vergleicht man Jugendliche, deren Eltern maximal Pflichtschulabschluss haben, mit Schülerinnen und Schülern, deren Eltern eine Hochschule absolvierten, so ergeben sich Mittelwertdifferenzen zwischen 118 Punkten in Zuhören, 113 Punkten in Lesen und 72 Punkten in Sprechen. Damit sind Leistungsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Bildungsherkunft größer als jene aufgrund Migrationsstatus oder Erstsprache. Diese Unterschiede entsprechen grob geschätzt bis zu drei Lernjahren.

Ergebnisse in den Schulsparten

Die Entscheidung, auf der Sekundarstufe 1 eine allgemeinbildende Pflichtschule (APS) oder eine allgemeinbildende höhere Schule (AHS) zu besuchen, hängt unter anderem von der in der Grundschule erbrachten Leistung ab. So mangelt es etwa 20 % der Schüler/innen am Übergang zur APS an elementaren Lesefähigkeiten, während dies nur auf 3 % der Schüler/innen am Übergang zur AHS-Unterstufe zutrifft. Die Unterschiede, die bereits zu Beginn der 5. Schulstufe zwischen APS und AHS bestehen, setzen sich bis zum Ende der 8. Schulstufe fort und spiegeln im Wesentlichen die Selektionsmechanismen am Übergang von der Volksschule in die Sekundarstufe 1 wider: In den AHS erreichen am Ende der 8. Schulstufe 68 % der Schüler/innen die Bildungsstandards in Lesen und 15 % übertreffen sie sogar – in den APS erreichen 39 % die Standards und 2 % übertreffen sie. Die Schüler/innen mit schwachen Lesekompetenzen befinden sich erwartungsgemäß fast ausschließlich in den APS: Während fast ein Viertel der APS-Schüler/innen die Bildungsstandards nicht erreicht, betrifft dies in den AHS nur 2 %. Das unterschiedliche Ausmaß der Kompetenzerreichung in den AHS und APS zeigt sich auch in allen anderen Kompetenzbereichen.

Ergebnisse der Bundesländer

Die Zusammensetzung der Schülerschaft unterscheidet sich relativ stark zwischen den Bundesländern, trotzdem fallen die Ergebnisse der 9 Bundesländer relativ ähnlich aus. Im Burgenland, in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark und Tirol erreichen oder übertreffen je 46 % oder 47 % der Jugendlichen die Bildungsstandards in allen vier Kompetenzbereichen (Lesen, Schreiben, Sprachbewusstsein, Zuhören). Nur in Kärnten (42 %), Vorarlberg und Wien (je 40 %) gibt es weniger Jugendliche, die in den vier Kompetenzbereichen des Fachs Deutsch die Lernziele erreichen. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern, die die Bildungsziele für die Sekundarstufe 1 hauptsächlich nicht erreichen, ist mit je 7 bis 8 % in allen Bundesländern gleich – einzige Ausnahme stellt Wien dar: Hier zeigen 15 % der Jugendlichen in mehreren Bereichen von Deutsch gravierende Mängel.

Rückmeldung an Schulen

Als Grundlage für Schul- und Unterrichtsentwicklung bekommen etwa 1400 Schulleiter/innen und mehr als 4000 Lehrer/innen Feedback zu den Kompetenzen ihrer Schüler/innen im Fach Deutsch sowie zu relevanten Kontextfaktoren. Die Ergebnisrückmeldung gibt Auskunft darüber, in welchem Ausmaß die Schüler/innen die in den Bildungsstandards definierten Lernziele erreichen, wie das Ergebnis im Vergleich zu allen anderen Schulen und im Vergleich zu Schulen, die unter ähnlichen Rahmenbedingungen arbeiten, liegt. Die regelmäßige Überprüfung und die Rückmeldung von Bildungsstandards leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur innovativen Entwicklung der Schul- und Unterrichtskultur in Österreich.

Detaillierte Ergebnisse und Hotline für Rückfragen

  • Um bestmöglich auf im Rahmen der Onlinerückmeldung aufkommende Fragen einzugehen, wurde eine Hotline eingerichtet. Sie ist unter der Nummer 0662-620088-3700 erreichbar.
  • Die Ergebnisse der Standardüberprüfung D8 sind für Österreich insgesamt im Bundesergebnisbericht zusammengefasst.
  • Die Ergebnisse für einzelne Bundesländer sind in den jeweiligen Landesergebnisberichten zusammengefasst.
  • Näheren Einblick in die Rückmeldung an Schulleiter/innen, Lehrer/innen und Schüler/innen erhalten Sie durch die Musterrückmeldungen mit fiktiven Werten.
  • Freigegebene Items aus der Standardüberprüfung illustrieren die von den Schülerinnen und Schülern zu bearbeitenden Testformate.

Weiterführende Informationen