Überprüfung der Bildungsstandards in der 8. Schulstufe

In der 8. Schulstufe, das sind die 4. Klassen der Hauptschule und AHS-Unterstufe, haben im April und Mai 2009 im Rahmen der so genannten Baseline-Testung Überprüfungen der Bildungsstandards in den Gegenständen, Deutsch, 1. Lebende Fremdsprache Englisch und Mathematik stattgefunden.

An der Testung haben an drei verschiedenen Testtagen insgesamt 205 Schulen und 10.843 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Die Auswahl der Schulen erfolgte nach dem Prinzip einer geschichteten Zufallsstichprobe. An jedem Schulstandort wurden bis zu drei Klassen für den Test zufällig ausgewählt.
Es handelt sich bei dieser Testung um die größte flächendeckend organisierte Überprüfung von Kompetenzen, die nach TIMSS 95 in Österreich stattgefunden hat.

Die Ziele der Baseline-Testung

Die Baseline-Testung 2009 in der Sekundarstufe I verfolgt eine Reihe von Zielen, die auf langfristige Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung im österreichischen Schulwesen ausgerichtet sind.

Die Testung liefert Ausgangsdaten für die ab 2012 regelmäßig stattfindenden, gesetzlich verankerten Standardüberprüfungen. Zusammen mit den Fragebögen ergeben sich Informationen zu folgenden Fragestellungen:

  • Welchen Kompetenzstand haben die Schüler/innen in den Fächern Englisch, Deutsch und Mathematik?
  • Wie können den Schulen möglichst "faire und informative Vergleiche" rückgemeldet werden, um die Schulentwicklungsprozesse zu fördern? Unter fairen Vergleichen versteht man den Vergleich von tatsächlich Vergleichbarem, wie z. B. Schulen desselben Typs und ähnlicher Voraussetzungen (städtisch, ländlich, an der Peripherie von Großstädten, mit niedrigem/hohem Migrantenanteil etc.).
  • Verändern sich durch die Einführung von Standards die Ergebnisorientierung bzw. die pädagogische Praxis des täglichen Unterrichts?
  • Verändern sich wesentliche schulische Kontexte/Rahmenbedingungen und damit die erzielten Leistungen der Schüler/innen?
  • Wie wirkt sich die Einführung von Standards in Schulen in ganz unterschiedlicher Situation aus?

Gesetzliche Grundlagen

Der österreichische Nationalrat hat im Juli 2008 die Verankerung der Bildungsstandards für die 4. und 8. Schulstufe beschlossen.

Die Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern ist für diese nach dem BIFIE-Gesetz (BGBl. I Nr. 25/2008, § 6 Abs. 2) verpflichtend und befreit zur Teilnahme am Unterricht im unbedingt erforderlichen Ausmaß.

Die Umsetzung begann im April 2009 mit der Baseline-Testung in den 4. Klassen der Hauptschule und AHS-Unterstufe.

Ab dem Schuljahr 2011/2012 werden österreichweit in periodisch stattfindenden Überprüfungen die Leistungen der Schüler/innen der 8. Schulstufe in den Fächern Englisch, Deutsch und Mathematik erfasst.

Anonymität

Das gesamte Projekt Baseline-Testung wurde von Rechtsexperten des BMUKK sorgfältig geprüft. Ebenso sind alle Mitarbeiter/innen des Bundesinstituts BIFIE per BIFIE-Gesetz (BGBl. I Nr. 25/2008, § 3 Abs. 2) zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Dadurch ist ein sorgfältiger, sensibler Umgang mit den Daten gewährleistet.

Vorgehensweise bei der Baseline-Testung

Das Zentrum für Datenmanagement und Statistik (ZDS) des BIFIE erhielt von den teilnehmenden Schulen anonymisierte Schülerlisten für jede teilnehmende Klasse. Diese Listen beinhalten neben einer laufenden Nummer das Geburtsdatum der Schüler/innen, es wurden keine Namen der Schüler/innen an das BIFIE übermittelt. Die Erhebung des Geburtsdatums erfolgt, um die korrekte Zuordnung des Testmaterials zu ermöglichen. Durch diese Vorgehensweise besteht weder am BIFIE, noch an der Schule die Möglichkeit der Zuordnung von Schülerangaben/Testergebnissen zu den Namen der Schüler/innen. Für das BIFIE ist das der Fall, weil es nicht im Besitz der Namen der Schüler/innen ist. Die Schulen wiederum haben keinen Zugriff auf die Angaben der Schüler/innen in den Testheften und Schülerfragebögen.

Zuständigkeit und Verantwortung bei der Erhebung der Bildungsstandards

Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur beauftragte das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) mit der Durchführung der Erhebungen zu den Bildungsstandards. Die inhaltliche Koordination und Bearbeitung des Projekts obliegt dem Zentrum für Bildungsmonitoring und Bildungsstandards (BIFIE Salzburg). Das Zentrum für Datenmanagement & Statistik (Standort Salzburg) organisiert die Durchführung der Baseline-Testung, die Stichprobenziehung sowie die Erhebung und Aufbereitung der Daten. Darüber hinaus gibt es in jedem Bundesland einen/eine Bundeslandkoordinator/in, der/die für den direkten Kontakt mit den einzelnen Schulen zur Verfügung steht und das BIFIE in der Koordination der Testungen und der Weitergabe von Informationen unterstützt. Der Einsatz von externen Testleiterinnen und Testleitern führt einerseits zu einer Minimierung des Aufwandes für die Schulen und gewährleistet andererseits eine objektive, standardisierte Testdurchführung.

Testtermine

Aus Gründen der Gültigkeit und Vergleichbarkeit der gewonnenen Ergebnisse war es absolut notwendig, die Kompetenzfeststellung im jeweiligen Bereich (Englisch, Deutsch, Mathematik) österreichweit in allen beteiligten Schulen am selben Testtag durchzuführen. In Absprache mit dem BMUKK wurden folgende Erhebungstermine festgesetzt:

Englisch: Mittwoch, 22.04.2009
Deutsch: Dienstag, 28.04.2009
Mathematik: Donnerstag, 07.05.2009

Unter besonderen Umständen gab es die Möglichkeit einen Ersatztermin wahrzunehmen.

Testinhalt

In den Tests wurden sowohl schriftliche wie auch mündliche Testverfahren eingesetzt. Die Testaufgaben bezogen sich auf die in der Verordnung genannten Kompetenzen und Kompetenzbereiche. Die maximale Testzeit an einem Testtag betrug zweimal ca. 45 oder dreimal ca. 40 Minuten in der 8. Stufe.

Englisch

In Englisch mussten drei verschiedene Testhefte zu den Bereichen Reading, Listening und Writing bearbeitet werden. Das Antwortformat zu den Bereichen Reading und Listening war Multiple-Choice und für den Testbereich Writing mussten zwei Texte geschrieben werden. An einigen Schulen wurde auch der Kompetenzbereich Speaking getestet. Dabei mussten die Schüler/innen paarweise 15 Minuten zu vorgegebenen Themen sprechen.

Mathematik

Die Schüler/innen bearbeiteten in 90 Minuten ein Testheft mit einer Pause von 10 Minuten. Als Antwortformat waren sowohl Multiple-Choice und Kästchen, als auch offene vorgegeben.

Deutsch

In Deutsch wurden von den Schülerinnen und Schülern drei verschiedene Testhefte zu den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechtschreib-/Sprachbewusstsein bearbeitet. Dabei wurden vor allem Multiple-Choice-Formate und freie Antwortformate verwendet.

Informationen zum Schülerfragebogen

Durch den Fragebogen werden Informationen erhoben, die als Rückmeldung für die Schulqualitätsentwicklung erforderlich sind. Die erhobenen Daten erlauben es, in den kommenden Jahren den Verlauf wichtiger Rahmenbedingungen und Einstellungen der Jugendlichen zu verfolgen und entsprechende Fakten für Veränderungs-/Verbesserungsmöglichkeiten im Schulsystem zu präsentieren.

Dazu werden bestimmte Hintergrundinformationen zu verschiedenen Aspekten schulischer und außerschulischer Lern- und Lebensbedingungen benötigt.

Allgemeine Hintergrundinformationen sind beispielsweise

  • demografische Daten (z. B. Geschlecht und Migrationshintergrund),
  • sozioökonomische Daten (z. B. Beruf und Bildungshintergrund der Eltern) sowie
  • Bildungslaufbahn der Schülerin/des Schülers.

Außerdem beantworten die Schüler/innen Fragen zum Unterricht in den getesteten Fächern Englisch, Deutsch und Mathematik, wie etwa

  • Lerngruppengröße,
  • den Zeitaufwand für das Lernen,
  • die Semesternote und
  • einige Fragen zum Unterricht aus Sicht der Schüler/innen.

Zusätzlich wurden die Schülerinnen und Schüler noch zu folgenden Themenbereichen gefragt:

  • die Befindlichkeit der Schülerinnen und Schüler (Frage 11 und 12; Ferdinand Eder, Universität Salzburg) und
  • Händigkeit.

Die Beantwortung des Fragebogens erfolgte im Anschluss an die letzte Testung und nahm etwa 20 Minuten in Anspruch.

Informationen zum Schulbogen

Der Schulbogen bildet die Grundlage für die individuelle Schulrückmeldung und ermöglicht damit einen fairen Vergleich zwischen Schulen mit ähnlichen Voraussetzungen. Ebenso dienen diese Informationen der Analyse von speziellen Faktoren, die das Lernen in den Testklassen möglicherweise positiv beeinflussen (z. B. ein Schulversuch oder Schwerpunkt mit mehr Stunden in den getesteten Fächern, spezielle Fördermaßnahmen und Personalsituation).

Wichtige Themen des Schulbogens sind:

  • Basisdaten zur Schule (Standort und Lage, Schulform, Rechtsstatus, Charakteristika und Größe der 4. Klassen, Schwerpunkte etc.),
  • Fördermaßnahmen in den Testklassen (Angebote für lernschwache und besonders begabte Schüler/innen, bzw. für Schüler/innen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch etc.),
  • Personalressourcen an der Schule (Beschäftigungsausmaß und Qualifikation der Lehrkräfte, Unterstützungspersonal) sowie
  • Rahmenbedingungen, die das Lernen an der Schule beeinflussen.

Datenverarbeitung und Rückmeldung der Ergebnisse

Die in den Tests gewonnenen Daten werden auf drei verschiedene Arten verarbeitet. Multiple-Choice- und Kästchenformate werden eingescannt und elektronisch weiterverarbeitet. Die offenen Antwortformate (längere und kürzere Texte und Textteile) werden von externen und eigens ausgebildeten Expertinnen und Experten beurteilt und elektronisch weiterverarbeitet.
Durch die große Anzahl von offenen Antwortformaten und die daraus resultierende Bearbeitungszeit können die Ergebnisse nicht vor Ende des Jahres rückgemeldet werden.