TALIS (Teaching And Learning International Survey) ist eine internationale Studie der OECD. Im Mittelpunkt steht dabei die Schule als Lernumgebung und Arbeitsplatz. Ziele der Studie sind die Beschreibung und der Vergleich von Charakteristika der Lehrkräfte und der Schulen, von Rahmenbedingungen des Unterrichts sowie Einstellungen und Überzeugungen der Lehrkräfte. Insgesamt nehmen 24 Länder in vier Kontinenten an der Studie teil. Im vorliegenden Bericht beschränken sich die Ergebnisse auf die an TALIS teilnehmenden 20 OECD- und/oder EU-Länder.
Die Zielgruppe der Studie sind Schulen der Sekundarstufe I. In Österreich zählen zu diesen Schulen Hauptschulen, AHS-Unterstufen und Schulen mit eigenem Statut, die Schüler/innen auf den Schulstufen 5–8 unterrichten (z. B. Montessori- oder Waldorfschulen).
An der im März 2008 erstmals durchgeführten Erhebung beteiligten sich in Österreich 248 Schulen. Es wurden dabei rund 4.300 Lehrer/innen und die Schulleiter/innen der 248 Schulen befragt. Die von der OECD für die erfolgreiche Teilnahme an TALIS vorgeschriebene Rücklaufquote von 75 Prozent wurde in Österreich mit ca. 85 Prozent klar erreicht. Die Ergebnisse der Studie beruhen auf den Aussagen der Lehrer/innen und Schulleiter/innen und wurden mittels Fragebogen erfasst.
Die Studie wurde vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung (BIFIE) im Auftrag von Unterrichtsministerin Claudia Schmied durchgeführt.
In Österreich sind rund zwei Drittel der Lehrkräfte Frauen (68 Prozent). Mit 69 Prozent ist dieser Anteil auch im OECD-/EU-Länderschnitt ähnlich hoch. In der Leitung von Schulen finden sich jedoch wesentlich weniger Frauen: In Österreich sind nur ein knappes Drittel (29 Prozent) der Schulleiter/innen Frauen, im OECD-/EU-Schnitt 43 Prozent.
Österreich lässt sich dadurch charakterisieren, dass die Lehrkräfte im Vergleich zum OECD-/EU-Schnitt älter sind. 78 Prozent der österreichischen Lehrkräfte sind über 40 Jahre alt, im OECD-/EU-Schnitt sind es 58 Prozent. Nach Angaben der österreichischen Vollzeit beschäftigten Lehrkräfte verbringen diese wöchentlich im Durchschnitt ca. 20 Stunden (das entspricht 24 Unterrichtseinheiten zu 50 Minuten) mit Unterrichten, 15 Stunden mit Vor- bzw. Nachbereitungszeit des Unterrichts sowie weitere 8 Stunden für administrative und andere Tätigkeiten. In Summe berichten die österreichischen Lehrkräfte in einer normalen Schulwoche über eine Gesamtarbeitszeit von 43 Stunden. Der OECD-/EU-Schnitt liegt bei 39 Stunden.
Österreichs Schulleiter/innen sehen den Unterricht vor allem durch personelle Mängel beeinträchtigt. Diese Wahrnehmung zeigt sich im Verhältnis von unterstützendem Personal zur Anzahl der Lehrkräfte sehr deutlich. Im OECD-/EU-Schnitt kommen 16 Lehrkräfte auf eine pädagogisch unterstützende Kraft (Psychologin/Psychologe, Logopädin/Logopäde) und neun Lehrkräfte auf eine administrative Kraft. In Österreich ist dieses Verhältnis wesentlich ungünstiger: Auf eine pädagogisch unterstützende Kraft kommen 29 Lehrpersonen und auf eine administrative Kraft 25 Lehrer/innen. In der Autonomie der Schulen zeigt sich in Österreich ein einzigartiges Muster. Aus der Sicht der Schulleiter/innen haben die Schulen in den Bereichen Lehrplan (Fächerangebot, Schulbücher, Lernstoff) und Schülerpolitik (Aufnahmekriterien, Schülerbeurteilung) hohe Autonomie. In punkto Schulbudget und Personal (Anstellung/Entlassung, Gehalt) ist hingegen nur sehr geringe Selbstständigkeit gegeben. Insgesamt liegt Österreich in Bezug auf die Schulautonomie im letzten Viertel der OECD-/EU-Teilnehmerländer.
Fast alle der rund 4.300 befragten Lehrer/innen (97 Prozent) geben an, dass sie 18 Monate vor der Befragung eine formelle Fortbildung (Kurse, Workshops) im Ausmaß von mindestens einem Tag besucht haben. Damit gehört Österreich zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Lehrerinnen und Lehrern, der Fortbildung besucht. Die durchschnittliche Fortbildungsdauer liegt in Österreich mit 11 Tagen (in 18 Monaten) jedoch im unteren Drittel der OECD-/EU-Vergleichsländer.
Knapp die Hälfte (45 Prozent) der österreichischen Lehrer/innen wünscht sich mehr Fortbildung, als sie erhalten hat. Der am häufigsten genannte Hinderungsgrund (64 Prozent) liegt für die Lehrer/innen darin, kein passendes Fortbildungsangebot vorgefunden zu haben. Die größte Nachfrage an Fortbildung sehen die österreichischen Lehrkräfte beim „Unterrichten von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Lernbedürfnissen“ (70 Prozent).
Das Kooperationsverhalten zwischen Lehrkräften in Österreich entspricht dem OECD-/ EU-Schnitt. Der Austausch von Unterrichtsmaterialien findet dabei relativ häufig statt, eine wenig praktizierte Form der Zusammenarbeit ist hingegen das gegenseitige Hospitieren im Unterricht. Zwischen AHS-Unterstufen und Hauptschulen zeigen sich deutliche Unterschiede. So unterrichten HS-Lehrer/innen wesentlich häufiger im Team als ihre Kolleginnen und Kollegen aus den AHS.
Die Lehrer/innen in Österreich sowie im internationalen Vergleich schätzen sich selbst als sehr selbstwirksam ein (Österreich und OECD-/EU-Schnitt: 91 Prozent) und neun von zehn Lehrkräften stimmen der Aussage „Alles in allem bin ich mit meiner Arbeit zufrieden“ eher oder ganz zu (Österreich: 93 Prozent; OECD-/EU-Schnitt: 90 Prozent).
Die Evaluation spielt an Österreichs Schulen eine untergeordnete Rolle. Hierzulande arbeiten signifikant weniger Lehrer/innen als im OECD-/EU-Schnitt an Schulen, die in den vergangenen fünf Jahren evaluiert wurden. Laut Angaben der Schulleiter/innen arbeiten 58 Prozent der Lehrkräfte an Schulen, in denen in den vergangenen fünf Jahren zumindest eine interne Evaluation durchgeführt wurde. Lediglich in Portugal ist dieser Anteil noch geringer. Im OECD-/EU-Schnitt arbeiten 80 Prozent der Lehrer/innen an Schulen, die in den vergangenen fünf Jahren intern evaluiert wurden.
Eine externe Beurteilung (zum Beispiel durch eine/n Schulinspektor/in) kommt in Österreich noch seltener vor: Nur 40 Prozent der Lehrkräfte in Österreich arbeiten an Schulen, in denen eine externe Evaluation gemacht wurde. Nur in Italien werden Schulen noch seltener extern evaluiert. Der OECD-/EU-Schnitt liegt bei 69 Prozent.
Die Administration wird von Schulleiter/innen in Österreich sowie in allen anderen Vergleichsländern als sehr wichtige Aufgabe eingestuft: 80 bis 90 Prozent sehen „Kommunizieren und Kontrollieren“ und „Verwalten und Gestalten“ als Kernaufgaben. Mit pädagogischen Aufgaben der Schulleitung – beispielsweise dem Festlegen von Zielen und der Unterrichtsentwicklung – setzen sich die österreichischen Schulleiter/innen nicht so intensiv auseinander wie ihre internationalen Kolleginnen und Kollegen. Das Lösen von Problemen ist hingegen national wie international ein zentraler Tätigkeitsschwerpunkt.