8. Familiäre und vorschulische Lesesozialisation

Kompetenzentwicklung beginnt nicht erst bei Schuleintritt, sondern schon viel früher in der Familie und in vorschulischen Einrichtungen. Dies gilt insbesondere für das Lesen und Schreiben, da wichtige Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb bereits schon vor der Schule Grund gelegt werden. Die familiäre und vorschulische Lesesozialisation hat damit einen besonderen Stellenwert für die Entwicklung der Lesekompetenz und wird in diesem Kapitel unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet. In den ersten beiden Beiträgen steht der Ländervergleich von Faktoren der Lesesozialisation und motivationalen Merkmalen im Vordergrund. Der dritte Beitrag behandelt die österreichische Situation hinsichtlich der familiären und vorschulischen Förderung im Kindergarten und betrachtet vor allem Unterschiede nach Geschlecht, Migrations- und Bildungshintergrund sowie zwischen der Risiko- und Spitzengruppe.

Die Familie ist die erste und wichtigste Sozialisationsinstanz des Kindes. Bereits ab dem Zeitpunkt der Geburt werden verschiedene Basiskompetenzen für die spätere Schullaufbahn Grund gelegt und aufgebaut. Insbesondere für die Entwicklung der Lesekompetenz spielt die Familie eine bedeutende Rolle, da hier wichtige Vorläuferfertigkeiten für den Schriftspracherwerb erworben werden. Wie gut es einer Familie gelingt, dem Kind wichtige Basiskompetenzen für das spätere Lesen zu vermitteln, hängt von verschiedenen Merkmalen und Rahmenbedingungen ab, die in diesem Kapitel beleuchtet werden.

Der erste Beitrag fokussiert Merkmale der familiären Lesesozialisation, wie beispielsweise frühe Sprach- und Leseförderung, aktuelle Leseaktivitäten in der Familie oder Leseeinstellung der Eltern im Ländervergleich. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, ob Buben und Mädchen im Bereich Lesen unterschiedlich sozialisiert werden und wie stark die Zusammenhänge mit sozioökonomischen Faktoren im Ländervergleich sind. Am Ende werden die Wirkungszusammenhänge dieser Lesesozialisationsfaktoren mit der Leseleistung der Schüler/innen mit einem explorativen Pfadmodell analysiert.

Nicht nur die Lesekompetenz, sondern auch motivationale Aspekte des Lesens, wie beispielsweise eine positive Einstellung zum Lesen und ein hohes Leseselbstkonzept werden als bedeutende Merkmale einer erfolgreichen Leseerziehung verstanden. Aus diesem Grund fokussiert der zweite Beitrag die motivationalen Merkmale des Lesens wie das Leseselbstkonzept und die Einstellung zum Lesen, die zuerst im Ländervergleich betrachtet und nach geschlechtsspezifischen Unterschieden untersucht werden.

Der dritte Beitrag fokussiert die österreichische Situation im Hinblick auf die Elementarbildung in der Familie und im Kindergarten. Hier werden zuerst die einzelnen Aktivitäten früher Sprach- und Leseförderung in der Familie untersucht. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie häufig bestimmte Aktivitäten zur Förderung der Sprache und des Lesens in den österreichischen Familien vorkommen und ob es dabei Unterschiede zwischen Buben und Mädchen sowie zwischen Spitzen- und Risikoschülerinnen und -schülern im Lesen gibt. Da dem Kindergarten eine kompensatorische Funktion bei ungünstigen familiären Rahmenbedingungen zukommt, wird eine Charakterisierung jener Kinder vorgenommen, die den Kindergarten nicht oder nur ein Jahr lang besucht haben. Im Zusammenhang mit der Dauer des Kindergartenbesuchs wird der Frage nachgegangen, inwieweit ein längerer Kindergartenbesuch tatsächlich eine höhere Lesekompetenz bedingt und ob bei Berücksichtigung von familiären und sozioökonomischen Faktoren noch Zusammenhänge zu beobachten sind.

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