9. Unterricht – Schulen – Umfeld

Die Rahmenbedingungen für das Lehren und Lernen bilden einen wichtigen Kontext für die Schülerleistungen. In der Gestaltung des täglichen Unterrichts und in der Förderung spezifischer Kompetenzen auf Schul- und Unterrichtsebene werden häufig mögliche Ursachen für Schülerleistungen vermutet. Darüber hinaus spielen Faktoren auf Systemebene wie z. B. Einflussnahmen und Selektionsmechanismen eine wichtige Rolle. Das vorliegende Kapitel beinhaltet jene Beiträge, die sich auf den unterschiedlichen Ebenen mit diesen Rahmenbedingungen beschäftigen.

PISA erfasst neben den Leistungen der Schüler/innen einerseits Kontextmerkmale auf Schülerebene, andererseits auch Faktoren auf Unterrichts-, Schul- und System- ebene. Dazu werden zum einen die Jugendlichen über den Unterricht in der jeweiligen Hauptdomäne – also in den naturwissenschaftlichen Fächern bei PISA 2006 – befragt. Zum anderen beantworten die Schulleiter/innen einen Fragebogen über Strukturen und Organisation der Schule sowie zu zentralen Governance-Faktoren wie z. B. Verantwortlichkeiten und Einflussnahme, Selektionskriterien und Wettbewerbssituation. Auf nationaler Ebene interessieren im Zusammenhang mit den Rahmenbedingungen des Lehrens und Lernens vor allem die Lesegewohnheiten der Schüler/innen und die Leseförderung an den Schulen, die Verwendung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Schulform der Waldorfschulen, als Anbieter eines einheitlichen pädagogischen Programmes außerhalb des Regelschulwesens. Das folgende Kapitel soll Aufschluss darüber geben, wie sich die Rahmenbedingungen des Lehrens und Lernens in Österreich gestalten.

Im ersten Beitrag stellen Grafendorfer und Neureiter den Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern (Physik, Chemie und Biologie) aus Sicht der österreichischen Schüler/innen dar. Neben einer detaillierten Analyse des Unterrichts anhand wichtiger Merkmale wie Geschlecht und Leistung heben sie Unterschiede zwischen den österreichischen Schulsparten hervor. Weiglhofer, Stadler und Lembens kommentieren anschließend die österreichischen Ergebnisse zum Naturwissenschaftsunterricht aus fachdidaktischer Perspektive. Bei ihrer Interpretation berufen sich die Autorinnen und der Autor auf allgemeine Qualitätsmerkmale von gutem Unterricht.

Der folgende Beitrag von Böck und Bergmüller beschreibt die Lesegewohnheiten der 15-/16-Jährigen sowie Maßnahmen der schulischen Leseförderung und analysiert Zusammenhänge mit der Lese-Kompetenz der Schüler/innen. Im Mittelpunkt steht dabei der Vergleich der Daten von PISA 2000, 2003 und 2006. Im vierten Beitrag widmet sich Schreiner der Rolle von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien an den Schulen. Neben Aspekten wie der Ausstattung der Schulen geht es vor allem um die schulische Computer- und Internetnutzung allgemein aber auch in den einzelnen Fächern.

Lassnigg und Vogtenhuber diskutieren im fünften Beitrag zentrale Schulgovernance-Faktoren in Österreich im Vergleich zu anderen Schulsystemen innerhalb der OECD. Auf nationaler Ebene erstellen sie anhand der Governance-Variablen Profile der österreichischen Schulsparten und nähern sich so der Erklärung von Leistungsunterschieden sowie Selektionseffekten des österreichischen Schulsystems.

Im letzten Beitrag analysiert Wallner-Paschon Kompetenzen und individuelle Merkmale der Waldorfschüler/innen. Die Gegenüberstellung der Waldorf- und der Regelschulen lässt Rückschlüsse auf mögliche Stärken und Schwächen des Regelschulwesens auf nationaler Ebene zu – unabhängig vom internationalen Vergleich.