7.4 Berufsbildung im Trend

Susanne Schöberl & Herbert Neureiter

Dieses Kapitel untersucht Trends und Entwicklungen in den unterschiedlichen Formen der Berufsbildungseinrichtungen in Österreich, die sich in den drei Erhebungen von PISA in den Jahren 2000, 2003 und 2006 aufzeigen lassen. Als Referenzwert werden zusätzlich die Allgemeinbildenden Höheren Schulen hergenommen, wobei diese jedoch nicht in den Abbildungen berücksichtigt sind.

Zum einen geht es um Entwicklungen beim soziodemografischen und sozioökonomischen Hintergrund der Schüler/innen, zum anderen geht es um Trends bei den Leistungsausformungen.

Um solche Aussagen zu den Trends in der Berufsbildung anhand der PISA-Daten treffen zu können, soll vorab eine kurze Einleitung die Bedeutung der Berufsbildung in Österreich im internationalen Vergleich beschreiben sowie anschließend ein Überblick über die Schülerentwicklung in diesem Zeitraum in der österreichischen Sekundarstufe II folgen.

Bildungsbeteiligung in Österreich im internationalen Vergleich

Österreich zählt mit der 9-jährigen Schulpflicht bzw. der Schulpflicht bis zum 15. Lebensjahr zu den Schlusslichtern sowohl in der EU als auch in der OECD (EU-19- und OECD-Durchschnitt: 16. Lebensjahr; alle Angaben aus: OECD, 2007). Diese Tatsache führt zu einer relativ niedrigen Bildungsbeteiligung der 15- bis 19-Jährigen in Österreich. Die Bildungsbeteiligung lag im Jahr 2005 mit 80 % sowohl unter dem EU-19-Durchschnitt von 85 % als auch unter dem OECD-Durchschnitt von 82 %. Im EU-19-Vergleich findet sich Österreich damit an fünftletzter Stelle, auch andere an PISA teilnehmende Länder wie Korea oder Estland liegen vor Österreich. Österreich konnte seinen Wert in der Zeit von 2000 bis 2005 zwar von 77 % um 3 Punkte auf 80 % steigern. Im gleichen Zeitraum schafften Länder wie die Tschechische Republik einen Anstieg von 81 % auf 90 %, Polen von 84 % auf 92 % oder Korea von 79 % auf 86 % Bildungsbeteiligung bei den 15- bis 19-Jährigen.

Die niedrige Bildungsbeteiligung in Österreich in dieser Altersgruppe ist in Bezug auf die PISA-Daten von Bedeutung, da der getestete Jahrgang der 15-/16-Jährigen in Österreich zum Teil nicht mehr schulpflichtig ist und davon ausgegangen werden kann, dass eher leistungsschwache Jugendliche mit der Ausbildung aufhören, sobald keine Schulpflicht mehr besteht. Auf der anderen Seite kommt in Ländern mit längerer Schulpflicht und höherer Bildungsbeteiligung ein weniger vorselektierter Jahrgang an Schülerinnen und Schülern in die PISA-Testung.

Kennzeichnend für das österreichische Bildungssystem ist die starke Gewichtung von berufsbildenden und berufsvorbereitenden Bildungsgängen. So besuchen in Österreich über 72 % der Schüler/innen im Sekundarbereich II berufsbildende Bildungseinrichtungen, 6,2 % berufsvorbereitende und nur 21,5 % allgemeinbildende Schulen (s. Abbildung 7.4.1). Hier unterscheidet sich Österreich sehr wesentlich vom OECD-Durchschnitt mit gut 50 % und vom EU-19-Durchschnitt mit 44 % Schülerinnen und Schülern in allgemeinbilden- den Einrichtungen. Der OECD-Durchschnitt bei berufsbildenden Schulen liegt bei 47,5 % der Schüler/innen, der EU-19-Durchschnitt bei gut 50 %. Höhere Werte als Österreich im Bereich der berufsbildenden Schüler/innen weisen nur die Tschechische sowie die Slowakische Republik auf. Einen überwiegenden Anteil an Schülerinnen und Schülern in allgemeinbildenden Formen auf der Sekundarstufe II haben Japan, Korea, Estland, Ungarn oder Portugal mit über 70 %. Es gibt zwar Ausnahmen, z. B. Mexiko[1] mit fast 90 % Schüler/innen in allgemeinbildenden Schulen und sehr niedrigen Kompetenzen, aber es lässt sich feststellen, dass der Großteil der Länder mit besseren PISA-Wertungen als Österreich ein System mit einem höheren Anteil an Schülerinnen und Schülern in allgemeinbildenden Einrichtungen aufweist. Bei den berufsbildenden Ausbildungen gibt es fünf Länder mit einem sehr hohen Anteil einer kombinierten schulischen und betrieblichen Ausbildung. In Österreich ist das das duale System der Lehre. Die anderen Länder sind die Schweiz, die Tschechische Republik, Dänemark und Deutschland. Auffallend ist, dass diese fünf Länder großteils in den drei bei PISA 2006 getesteten Kompetenzen jeweils im Mittelbereich ohne signifikante Unterschiede zu Österreich liegen.

Entwicklung der Bildungsbeteiligung in Österreich im Verlauf der drei PISA-Erhebungen

Bei PISA 2006 wurden die 15-/16-Jährigen des Geburtsjahrgangs 1990 getestet. Bei der Entwicklung der 16-Jährigen in Österreich zwischen 2000 und 2006 (s. Abbildung 7.4.2) ist festzustellen, dass der Jahrgang der 16-Jährigen in diesem Zeitraum um fast drei Prozent angestiegen ist, von 95 600 Jugendlichen im Jahr 2000 auf 98 228 Jugendliche im Jahr 2006. Gab es zu Beginn der 90er-Jahre noch Jahrgänge mit unter 90 000 Jugendlichen, ist ab 1995 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, der seine Spitze im Jahr 2007 mit wieder über 100 000 Jugendlichen fand.

Bei Betrachtung der 15- bis 19-jährigen Wohnbevölkerung in Österreich, aus der sich die Schüler/innen der Oberstufe an den österreichischen Schulen großteils zusammensetzen, ist ebenso ein Anstieg, wenngleich nicht so hoch wie bei den 16-Jährigen zu bemerken: Hier stieg die Zahl von 485 249 Jugendlichen im Jahr 2000 auf 493 448 (2006), das sind 1,7 %, mit weiter steigender Tendenz (2007: 498 111).

Vor diesem Hintergrund einer steigenden Anzahl an „potenziellen“ Kandidatinnen und Kandidaten für die Ausbildungen in der Sekundarstufe II in Österreich soll die Entwicklung in den Oberstufenschulen dargestellt werden[2]. Die Beschreibung erfolgt auf Grund des leichteren Zugangs zu den Daten nach Schulformen und Schulstufen und nicht nach dem Geburtsjahrgang. Da sich der Großteil der in PISA getesteten Schüler/innen in Schulformen ab der neunten Schulstufe befindet, erscheint ein solcher Zugang zulässig.

Die Schülerzahl an den ausgewählten Schultypen hat im Zeitraum vom Schuljahr 1999/2000 bis zum Schuljahr 2006/07 um fast sechs Prozent zugenommen (von 386 366 auf 409 097 Schüler/innen). Das ist ein deutlich höherer Anstieg als die Zunahme bei den gesamten Jugendlichen in dieser Altersgruppe um knapp zwei Prozent. Dieser Anstieg der Bildungsbeteiligung der betroffenen Jahrgänge wurde einleitend anhand der OECD-Daten aus „Bildung auf einen Blick 2007“ (OECD, 2007a) belegt. Untersucht nach verschiedenen Schultypen kam es zum höchsten Anstieg an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS; über elf Prozent), gefolgt von der Oberstufe an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS; plus 9,3 %) und den Berufsbildenden Mittleren Schulen (BMS; plus knapp sechs Prozent). Einen geringen Anstieg von 0,5 % weisen die Berufsschulen (BS) auf, deren Schüleranzahl in der Zeit zwischen 1999/00 und 2004/05 stark gesunken ist und sich jetzt wieder erholt.

Entwicklung der einzelnen Schultypen

Die Aufteilung der Schüler/innen der ausgewählten Schultypen zeigt, dass im Schuljahr 1999/2000 fast 35 % der Oberstufenschüler/innen an den Berufsschulen waren und sich dieser Wert auf unter 33 % im Schuljahr 06/07 reduziert hat (s. Abbildung 7.4.3). In der Oberstufe der AHS ist der Anteil von unter 20 % etwas angestiegen; in den Berufsbildenden Mittleren Schulen bleibt er mit um die 13 % relativ konstant (wobei innerhalb dieser Schulen die land- und forstwirtschaftlichen im Vergleich zu den kaufmännischen Schulen zulegen konnten). Einen leichten Anstieg in der Gesamtverteilung weisen die Berufsbildenden Höheren Schulen auf, hier insbesondere die technisch-gewerblichen und die wirtschaftsberuflichen Schulen. Insgesamt bleibt die Verteilung im Zeitraum zwischen diesen acht Schuljahren (1999/00 – 2006/07) relativ konstant.

Ein weiterer Vergleich betrifft die Verteilung auf der 10. Schulstufe in den ausgewählten Schultypen (s. unteren Teil der Tabelle in Abbildung 7.4.3). Diese Schülerpopulation hat sich zwischen 1999/2000 und 2006/07 um fast acht Prozent von 103 110 auf 111 209 erhöht. Dieser Anstieg liegt ebenfalls über dem oben beschriebenen dreiprozentigen Wachstum bei der 16-jährigen Wohnbevölkerung in Österreich in diesem Zeitraum. Auf der 10. Schulstufe verzeichnet die AHS-Oberstufe den höchsten Zuwachs mit über 17 %, gefolgt von den Berufsbildenden Höheren Schulen mit fast neun Prozent, den Berufsbildenden Mittleren Schulen mit 5,6 % und den Berufsschulen mit etwas über fünf Prozent. Bei der Entwicklung der Gewichtung der Schüler/innen in den einzelnen Schultypen lässt sich ein Rückgang der Berufsschüler/innen von einem Anteil von 40 % an dieser Schulstufe auf 39 % feststellen, die AHS hat um einen guten Prozentpunkt zugelegt, BMS und BHS sind relativ gleich geblieben (wobei die land- und forstwirtschaftlichen mittleren und die wirtschaftsberuflich höheren Schulen ihren Anteil steigern konnten). Hier ist der gleiche Trend wie bei Betrachtung der gesamten Oberstufe festzustellen: Bei einer Zunahme der Gesamtschülerzahl haben sich an der Verteilung auf die einzelnen Schultypen außer geringen Verschiebungen keine großen Änderungen ergeben.

Die Entwicklung an den Berufsschulen muss vor dem Hintergrund des sich ab Ende der neunziger Jahre drastisch abzeichnenden Rückgangs an Lehrstellen in den österreichischen Unternehmen gesehen werden. Gab es im Jahr 2000 noch 126 600 Lehrstellen, so fielen diese auf 119 071 im Jahr 2004 zurück (Lehrlingsstatistik 2007, Wirtschaftskammern Österreich). Der Anstieg ab 2005 ist insbesondere auf den Nichtkammerbereich (Lehrstellen in Ausbildungseinrichtungen) und auf einen Ausbau der betrieblichen Lehrstellenförderung zurückzuführen. Dass die rückläufige Entwicklung an den Berufsschulen (2004/05: 124 983 Schüler/innen; Quelle: bm:bwk, 2005, vorläufige Zahlen) gestoppt wurde, ist dem Ausbau der Maßnahmen nach dem Jugendbeschäftigungsgesetz zu verdanken. Die Jugendlichen in diesen Lehrgängen sind ebenfalls berufsschulpflichtig. Die Zahl der Lehrgangsteilnehmer/innen stieg von 4 400 im Jahr 1999 auf über 6 000 im Jahr 2006 an (Zauner, 2008). Bei der Beschreibung der Ergebnisse für die berufsbildenden Schulen bei PISA muss diese Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt mitberücksichtigt werden. Der Anstieg der Jugendlichen in der betreffenden Altersgruppe und der gleichzeitige Anstieg der Bildungsbeteiligung legen eine höhere Nachfrage nach betrieblichen Lehrstellen nahe, als sie tatsächlich verwirklicht wurde. Die Jugendlichen in den Berufsschulen erhalten in einer steigenden Anzahl ihre „duale Ausbildung“ in Lehrgängen und in Ausbildungseinrichtungen.

Soziodemografischer und sozioökonomischer Hintergrund der Schüler/innen in berufsbildenden Schulen

Der Bildungsabschluss sowie der soziale Status der Eltern und damit in Zusammenhang ein eventueller Migrationshintergrund beeinflussen in Österreich sehr stark die Bildungschancen der Jugendlichen.

Eine Studie des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (Schlögl & Lachmayr, 2004) zeigt die Verteilung der Jugendlichen in den Schulen der Sekundarstufe II nach dem familiären Haushaltseinkommen.

Kinder von Wenigverdienern können Nachteile aus der Unterstufe in der Oberstufe teilweise durch den Besuch von Berufsbildenden Höheren Schulen wettmachen. In der Unterstufe sind in der vierten Klasse der Hauptschule 42 % der Kinder aus dieser Gruppe, in der entsprechenden Klasse der AHS nur 20 %. Ihr Anteil an Schülerinnen und Schülern in der ersten Klasse der Berufsbildenden Höheren Schulen (mit Matura) beträgt hingegen 32 % im Vergleich zu 19 % in der fünften Klasse AHS. Verhältnismäßig viele Kinder von Wenigverdienern machen Ausbildungen ohne Matura (Berufsbildende Mittlere Schule, Polytechnische Schule, Lehre).

Die Ergebnisse in den PISA-Studien unterstreichen die soziale Selektion in der österreichischen Oberstufe und den Befund, dass sich im berufsbildenden Schulwesen mehr Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus befinden als in den AHS.

Der Bildungsabschluss der Eltern

Bei Betrachtung der Kategorie „Höchster Bildungsabschluss der Eltern“ nach den unterschiedlichen Schultypen in den PISA-Erhebungen zeigt sich erwartungsgemäß, dass die Eltern mit Bildungsabschluss ohne Matura bei den Jugendlichen in eben solchen Ausbildungen dominieren (s. Abbildung 7.4.5). Von den Eltern der Berufsschüler/innen haben 2006 78 % maximal die Pflichtschule oder eine mittlere Ausbildung (Lehre, Berufsbildende Mittlere Schule), bei den Jugendlichen in der BMS sind dies 75 %, bei den Jugendlichen in der Polytechnischen Schule sind es sogar 80 %. Auch bei den Jugendlichen an den BHS findet sich ein Wert von 58 % von Eltern mit einem Bildungsabschluss unterhalb der Matura. Bei den Eltern von AHS-Schülerinnen und -Schülern im Jahr 2006 haben weniger als die Hälfte im Vergleich zu den BHS-Schülerinnen und -schülern, nämlich 26 %, einen Abschluss ohne Matura. Auch von der anderen Seite betrachtet, sprechen die Zahlen für sich: Die Eltern mit Matura oder Hochschulabschluss machen bei den Berufsschülerinnen und Berufsschülern im Jahr 2006 ein gutes Fünftel (21%) aus. Mit steigender Höhe der Ausbildung der Jugendlichen nimmt der Anteil an Eltern mit höheren Bildungsabschlüssen zu: In den BMS hat ein Viertel der Eltern Matura bzw. Hochschulabschluss und an den BHS 41 %. Der Vergleich mit den AHS- bzw. Polytechnischen Schülerinnen und Schülern zeigt erneut die beiden Extreme: Bei den AHS-Schülerinnen und -Schülern haben fast 55 % der Eltern ein Hochschulstudium (zusammen mit höchstem Abschluss Matura sogar 74 %) abgeschlossen, bei den Polytechnischen Schülerinnen und Schülern hat nur ein Fünftel der Eltern Matura oder Hochschule.

Bei den Berufsbildenden Schulen ist die BHS als eine Schule mit guten Chancen für Kinder aus sozial benachteiligten Schichten zu benennen, die hier eine Höherqualifizierung erwerben können.

Die Entwicklung an den berufsbildenden Schulen insgesamt zeigt, dass sich die Eltern mit niedrigerem Bildungsabschluss von 2003 auf 2006 verringert haben. Zugenommen hat etwa der Anteil von Eltern mit einem tertiären Abschluss bei den Jugendlichen an den BHS (von einem Fünftel auf fast ein Viertel), bei den Eltern von Berufsschülerinnen und -schülern hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt (von fünf auf elf Prozent).

Da es in der gleichen Zeit zu einem Anstieg der Eltern mit Hochschulabschluss bei den Jugendlichen in der AHS (von 49 % auf 55 %) sowie bei den Polytechnischen Schülerinnen und Schülern (von neun auf dreizehn Prozent) gekommen ist, ist diese Entwicklung in den berufsbildenden Schulen nur bedingt als Ausgleich bei den Bildungschancen zu sehen. Die Unterschiede innerhalb der berufsbildenden Schulen und im Vergleich zu den AHS haben sich auf höherem Niveau, jedoch mit dem gleichen Abstand verfestigt. So bestand im Jahr 2003 ein Unterschied von 51 Punkten bei den Eltern mit Matura oder Hochschulabschluss zwischen Berufs- und AHS-Schüler/innen, im Jahr 2006 liegt der Abstand bei 53 Punkten. Die Steigerung beim Bildungsabschluss der Eltern kann aus zwei Blickwinkeln interpretiert werden:

Zum einen verbessert sich der Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Österreich (Statistik Austria, 2008b) ständig: Hatten im Jahr 1991 nur gut fünf Prozent der 25- bis 64-jährigen Wohnbevölkerung einen Hochschulabschluss, waren es 2001 bereits 7,5 % und 2006 über zehn Prozent. Im gleichen Zeitraum ging die Pflichtschule als höchste abgeschlossene Schulbildung von 34 % auf 26 % und schließlich auf 18 % zurück. Bei der als Elterngeneration von 15-/16-Jährigen hauptsächlich in Frage kommenden Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen haben 2006 15 % einen Pflichtschulabschluss und elf Prozent einen Hochschulabschluss.

Zum anderen wird davon ausgegangen, dass in Österreich in den Jahren 2000 bis 2006 fünf bis sechs Prozent der 15-/16-Jährigen zur Out-of-School-Population gehören. Steiner (2005) untersucht in der Studie „Dropout und Übergangsprobleme“ den sozialen Hintergrund von 15- bis 24-jährigen Jugendlichen, die keinen höheren Abschluss als die Pflichtschule haben und sich nicht mehr in Ausbildung befinden. Der Anteil von Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss (Pflichtschule) ist unter diesen „Dropouts“ doppelt so hoch wie in der Grundgesamtheit der Eltern (37,3 % zu 18,4 %). Mittlere (Lehre sowie Berufsbildende Mittlere Schule) und vor allem höhere Abschlüsse der Eltern (Matura und Tertiärbildung) sind unter den „Dropouts“ stark unterrepräsentiert. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass niedrige Bildungsabschlüsse bei den Eltern der Jugendlichen, die nicht von PISA erfasst werden, überrepräsentiert sind.

Der sozioökonomische Status der Eltern

Nach der Darstellung des Bildungsabschlusses der Eltern folgt als nächstes die Beschreibung des sozialen Status nach dem in den PISA-Untersuchungen verwendeten ISEI (International Socio-Economic Index of Occupational Status). Die Skala des sozioökonomischen Index setzt sich aus dem Durchschnittseinkommen und der durchschnittlichen Bildung einer Berufsgruppe zusammen und bildet den relativen Status der Berufe ab. Die Indexwerte reichen von 16 bis 90, wobei niedrige Werte für eine niedrige sozioökonomische Stellung, hohe Werte für eine hohe sozioökonomische Stellung stehen.

Abbildung 7.4.6 zeigt deutliche Unterschiede zwischen den mittleren und höheren Schultypen und größere Übereinstimmungen zwischen den BMS- und den BS-Schülerinnen und -Schülern.

BS und BMS weisen in ihrer Schülerschaft eine sehr ähnliche Sozialstruktur auf, die sich im Laufe der drei Erhebungen ähnlich entwickelt hat: Der Medianwert liegt jeweils zwischen 40 und 43, mit einer Tendenz nach unten an den BMS. Die „mittleren 50 %“ der Schüler/innen stammen aus Familien mit einem Statuswert zwischen 29 und 51. Bei beiden Schulformen bewegt sich der obere Bereich kaum, durch ein Sinken des unteren Bereichs erfährt diese mittlere Gruppe im Laufe der sechs Jahre eine sozial breitere Zusammensetzung.

An den Berufsbildenden Mittleren Schulen finden zunehmend Jugendliche aus benachteiligten Schichten eine Chance für eine Ausbildung, die Ausdehnung in Familien mit höherem sozioökonomischem Status erfolgt nicht im gleichen Ausmaß.

Die Schüler/innen der BHS weisen im Vergleich zu den Schülerinnen und Schülern an den anderen berufsbildenden Schulen eine unterschiedliche Sozialstruktur auf. Ihr Medianwert liegt bei allen drei Erhebungen bei 51 und näher am Medianwert der AHS-Schüler/innen von 56 bis 59 als an dem der BS- und BMS-Jugendlichen. Die „mittleren 50%“ der BHS-Schüler/innen dehnen sich im Verlauf der drei Untersuchungen in ihrer Sozialstruktur in beide Richtungen aus, jedoch stärker in Richtung niedriger sozioökonomischer Status. Aber auch im unteren Bereich ihrer „mittleren“ Schüler/innen liegen sie auf der Höhe des Medianwertes von BS und BMS. Wenige Unterschiede zwischen den drei berufsbildenden Schultypen sind bei ihren Schüler/innen aus höheren sozialen Schichten festzustellen. Fünf Prozent der BHS-Jugendlichen kommen aus Familien mit Werten über 70. Bei den AHS-Schülerinnen und Schülern verschiebt sich dieser Grenzwert auf den sozioökonomischen Status von 88.

Die augenscheinlichste Entwicklung bei den BHS ist die Öffnung für 95 % der Jugendlichen aus Familien bis zum Wert von 23, wodurch sie sich für die gleichen Familien wie BS und BMS öffnen, jedoch in geringerem Ausmaß. Jugendliche aus Familien mit niedrigerem sozioökonomischem Status haben ihre Chance verbessert, eine höhere Schule zu besuchen. Der große Unterschied zwischen den BHS und den beiden mittleren Schulen besteht darin, dass an letzteren die Ausweitung in Richtung Familien mit einem niedrigeren Status durch eine größere Gruppe von Jugendlichen erreicht wird, an den BHS hingegen eine kleinere Gruppe in einem breiteren Maße streut.

Bei steigenden Bildungsaspirationen der Elternschaft sind vor allem die BHS eine beliebte Option für Familien mit geringerem sozialem Status, das zeigt ihre wachsende Schüleranzahl im beobachteten Zeitraum. Auf etwas niedrigerem Niveau lässt sich die gleiche Tendenz für die mittleren Ausbildungen aufzeigen. Als ein Grund für diese Entwicklung kann die zunehmende Lehrstellenproblematik und das wachsende Angebot an alternativen Ausbildungseinrichtungen nach dem Jugendausbildungssicherungsgesetz gesehen werden. Fehlende Lehrstellen führen dazu, dass sich mehr Jugendliche für eine mittlere schulische Berufsausbildung entscheiden. Weiters stellt das AMS-Angebot an Plätzen in Stiftungen und Lehrgängen eine Chance für Jugendliche dar, die auf dem regulären Lehrstellenmarkt keine Möglichkeit erhalten hätten und damit keine Berufsschule besuchen hätten können.

Der Migrationshintergrund der Jugendlichen

Neben dem höchsten Bildungsabschluss der Eltern und dem sozioökonomischen Status der Herkunftsfamilie soll die Beschreibung des Migrationshintergrundes der Jugendlichen für eine Trendanalyse zu den Jugendlichen im Berufsbildungssystem herangezogen werden. Neben einheimischen Jugendlichen können bei PISA Migrant/innen der 1. Generation, die nach ihrer Geburt mit ihren Eltern nach Österreich gekommen sind, und Migrant/innen der 2. Generation, die selbst in Österreich geboren, deren Eltern jedoch zugezogen sind, unterschieden werden.

Im Jahr 2000 weisen rund 8 % aller bei PISA getesteten Jugendlichen einen Migrationshintergrund auf (1. Generation fünf Prozent; 2. Generation drei Prozent). In den Jahren 2003 und 2006 gibt es in Österreich unter allen getesteten 15-/16-jährigen Schülerinnen und Schülern schon 13 % mit Migrationshintergrund, darunter fast acht Prozent in der 1. Generation und über fünf Prozent in der 2. Generation (2003: 1. Generation neun Prozent; 2. Generation vier Prozent).

Bei der Auswertung für die berufsbildenden Schulen zeigt sich, dass mit Ausnahme der Berufsbildenden Mittleren Schulen ein Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter dem Österreich-Durchschnitt zu finden ist.

Die Berufsschulen weisen im Jahr 2000 einen Anteil von 7,7 % an Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf, der sich 2003 auf 9,5 % leicht vergrößert und bei PISA 2006 auf 8,2 % verringert. An den BHS verringert sich der Wert von 10,2 % im Jahr 2003 auf 8,1 %. Der Migrantenanteil des Erhebungsjahres 2006 unterscheidet sich somit kaum von den 7,7 % im Jahr 2000. Damit nehmen diese beiden Schultypen Werte ein, die unter denen der AHS liegen. Hier ist der Wert nach einem Anstieg von 7,4 % im Jahr 2000 auf 11,5 % relativ konstant geblieben. Sowohl im Jahresvergleich als auch über alle Schultypen hinweg gibt es mehr jugendliche Migrant/innen der 1. Generation als solche der 2. Generation, außerdem ist mit Ausnahme der BMS der Migrantenanteil insgesamt rückläufig.

Die BMS haben im Jahr 2000 einen Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund von 5,8 %. Dieser Anteil verdoppelt sich im Jahr 2003 auf 11,4 % und vergrößert sich schließlich im Jahr 2006 auf fast 22 %. Sie entwickeln sich als einziger Schultyp entgegen dem rückläufigen Trend, sogar an den PTS gibt es einen Rückgang vom sehr hohen Wert von fast 26 % im Jahr 2003 auf gut 17 % im Jahr 2006. An den BMS vervierfacht sich die Anzahl von Migrantinnen und Migranten in diesen Jahren fast, mit jeweils ca. elf Prozent sind 1. und 2. Migrantengeneration im Jahr 2006 etwa gleich stark vertreten.

Interessant ist der Unterschied zur Berufsschule mit ihrem vergleichsweise niedrigen Migrantenanteil. Der geringere Anteil könnte darauf zurückgeführt werden, dass bei der Vergabe der Lehrstellen in Unternehmen diese einheimische Jugendliche bevorzugen und die Kompensation durch Angebote in Stiftungen oder Lehrgängen des AMS migrantische Jugendliche nicht im gleichen Ausmaß anspricht. Als Schule, die für Jugendliche mit Migrationshintergrund eine Chance zu einer weiterführenden Ausbildung bietet, scheint sich die BMS zu entwickeln.

Ein Vergleich mit der Schulstatistik (Statistik Austria, 2008b), die Schüler/innen mit nicht-deutscher Muttersprache ausweist, zeigt für das Schuljahr 2006/07 einen Anteil von insgesamt fast 16 % in allen Schultypen zusammen. In der Oberstufe ist der größte Anteil an Jugendlichen mit nicht-deutscher Muttersprache in den Berufsbildenden Mittleren Schulen zu finden, mit 15 % liegen sie vor der BHS mit fast zehn Prozent und der Berufsschule mit acht Prozent, die AHS weisen in einem gemeinsamen Wert für Unter- und Oberstufe fast zwölf Prozent auf.

Zusammenfassend lässt sich aus den bei PISA erhobenen Daten zum sozioökonomischen und soziodemografischen Hintergrund der Jugendlichen in berufsbildenden Schulen sagen, dass diese Schulen insgesamt eine Chance darstellen, Benachteiligungen auf Grund der sozialen Herkunft aufzuholen, wobei sich die BMS weiter für Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie aus Familien mit niedrigem Einkommen und niedrigem Bildungsabschluss der Eltern öffnen. Auch an den BHS zeigt sich die Tendenz, dass zunehmend Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status aufgenommen werden (s. a. Kapitel 7.3).

Die Berufsbildenden Schulen in den Kompetenzerhebungen bei PISA

Nach der Beschreibung von Trends beim sozialen Hintergrund der Jugendlichen in berufsbildenden Schulen folgt eine Analyse von Entwicklungen, die sich aus den Ergebnissen an diesen Schultypen bei den verschiedenen Kompe- tenzerhebungen aufzeigen lassen. Auf Grund der Datenlage können die Kompetenzerhebungen in Lesen über alle drei PISA-Studien, bei der Mathematik-Kompetenz können die Ergebnisse aus den Jahren 2003 und 2006 verglichen werden. Naturwissenschaft war erstmals bei PISA 2006 Schwerpunkt, wodurch kein Vergleich mit den Ergebnissen der beiden anderen Erhebungszeitpunkte möglich ist.

Vorbildung der Schüler/innen in der Oberstufe

Bei all diesen Werten und ihren Unterschieden soll darauf verwiesen werden, dass die Ergebnisse keine Beurteilung der betroffenen Schulform zulassen, da die Kenntnisse der Schüler/innen zum großen Teil in Vorgängerschulen erworben wurden. Beim österreichischen Schulsystem mit seiner doppelten Schnittstelle nach der achten und neunten Schulstufe sind z. B. die Berufschüler/innen im Jahr der PISA-Testung das erste Jahr in dieser Schulform, an den BMHS sind die 15-/16-Jährigen das erste oder zweite Jahr in der betreffenden Schule.

In der AHS-Oberstufe (Daten 2006/07, Statistik Austria 2008a) kommen über zwei Drittel der Jugendlichen aus der AHS-Unterstufe und 16 % aus der Hauptschule, den Rest bilden Jugendliche, die die Klasse wiederholen oder die die Ausbildung gewechselt haben. In der BHS haben fast 60 % der Schüler/innen zuvor die Hauptschule besucht, ein Viertel die AHS-Unterstufe, der Rest setzt sich ähnlich wie in der AHS-Oberstufe zusammen. Über 70 % der Schüler/innen in den BMS stammen aus der Hauptschule, das knappe restliche Drittel repetiert oder beginnt eine andere Ausbildung, es gibt kaum Schüler/innen aus der AHS-Unterstufe (s. a. Kapitel 6.2 in diesem Band).

Im Schuljahr 06/07 (interne Statistik bm:ukk) kommt die größte Gruppe in den 1. Klassen der Berufsschule aus der Polytechnischen Schule (44 %), 20 % direkt aus der Hauptschule, immerhin gut 15 % aus einer höheren Schule und 11 % aus einer BMS. Da Polytechnische Schulen und Berufsbildende Mittlere Schulen ihre Schüler/innen vorrangig in den Hauptschulen finden, hat an der Berufsschule der Großteil die Hauptschule in der Sekundarstufe I besucht.

Trotz dieser Einschränkung zeigen die Verschlechterungen bei den Leistungen an den Schulen der mittleren beruflichen Ausbildung einen Trend, auf den diese Schulen mit Kompensationsmaßnahmen reagieren müssen.

Lese-Kompetenz an den berufsbildenden Schulen

Ideal für alle bei PISA erhobenen Kompetenzen ist eine möglichst geringe Leistungsstreuung in Verbindung mit einem hohen Kompetenzniveau. Abbildung 7.4.8 zeigt die Entwicklung und das Niveau dieser Leistungsstreuung in Lesen bei den drei Erhebungen sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht in den berufsbildenden Schulen. Es werden die mittleren 90 % der Schülerleistungen abgebildet, es gibt jeweils noch fünf Prozent am oberen bzw. unteren Ende, die Leistungen mit höheren bzw. niedrigeren Punkten erbringen. Der helle Querstrich (Median) kennzeichnet die Mitte der Verteilung, unter und über der sich 50% der Schüler/innen befinden.

In den Berufsschulen ist eine Ausweitung der Leistungsstreuung im Jahr 2006 festzustellen, die besonders bei den Burschen sehr hoch ausfällt und bei diesen mit der Verschlechterung des Medianwerts gegenüber dem Erhebungsjahr 2000 einhergeht. Die Burschen weisen im Jahr 2006 eine Punktedifferenz von 326 zwischen den besten und den schlechtesten der mittleren 90 % der Schüler/innen auf. Diese Differenz hat sich seit 2000 um 89 Punkte vergrößert. Damit erreicht das untere Viertel der Berufsschüler/innen Werte, die in Lesen auf der fünfteiligen Kompetenzstufenverteilung auf Level 1 liegen (nähere Erläuterungen zu den Kompetenzstufen s. Schreiner et al., 2007, S. 73 ff. sowie Kapitel 4.1 in diesem Band). An den Berufsbildenden Mittleren Schulen lässt sich ebenso eine Verschlechterung ausweisen. Hier ist die Hauptursache dieser Tendenz aber auf die Entwicklung bei den Mädchen zurückzuführen. Die Leistungsstreuung bei den Mädchen verringert sich von PISA 2000 auf 2003 leicht. 2006 beträgt die Differenz bereits 316 Punkte. Die Mädchen kommen beim Wert, unter dem nur noch fünf Prozent der Gruppe anzutreffen sind (5. Perzentil), auf 256. Im Jahr 2006 dreht sich an den BMS das Leistungsergebnis zu Gunsten der Burschen, die Mädchen sinken signifikant[3] in der gesamten Leistungsbandbreite unter die Werte der Burschen. Haben die Mädchen an den BMS in den Erhebungen 2000 und 2003 gegenüber den Mädchen an den Berufsschulen sowohl eine kleinere Leistungsstreuung als auch höhere Medianwerte, weisen 2006 die schwächsten 25 % eine größere Leistungsstreuung nach unten gegenüber den Mädchen an den BS auf. Auffallend ist, dass Burschen im Vergleich zu den Mädchen in Lesen an den BMS im Jahr 2006 das erste Mal in allen drei Erhebungen und in allen Schulsparten signifikant bessere Werte erbringen. Da die Österreichwerte in Lesen seit 2000 faktisch gleich geblieben sind, könnte diese Änderung an den BMS ein Hinweis auf eine Veränderung der Schülerströme an diesen Schultypen sein. Das könnte sowohl an der Zunahme von Migrant/innen an diesen Schulen liegen, wobei die kaufmännischen und wirtschaftlichen Schulen von Mädchen dominiert werden, als auch an der Bevorzugung dieses Schultyps durch sozial benachteiligte Jugendliche. Dieser Trend würde eine Berücksichtigung durch die Bildungspolitik erfordern.

Insgesamt manifestiert sich deutlich der große Unterschied zwischen den mittleren Ausbildungen und den BHS. In den mittleren Ausbildungen sind die Werte für den Median um den Level 2 (408–480 Punkte) angesiedelt, mit Tendenz zum unteren Ende des Levels in der Berufsschule und zum oberen Ende des Levels in der ersten Erhebung (2000) bei den BMS. Die BHS liegen relativ konstant im oberen Bereich von Level 3 (480–553 Punkte). Bei der Leistungsstreuung zeigt sich an den BHS insgesamt eine geringere Breite als an den beiden anderen berufsbildenden Schulen. Die Tendenz geht allerdings zu einer breiteren Leistungsstreuung und Verschlechterung bei den Burschen bei der Erhebung 2006, dies ist gegenläufig zur Verbesserung bei den Mädchen.

Mathematik-Kompetenz an den berufsbildenden Schulen

Abbildung 7.4.9 zeigt die Mathematik-Kompetenz bei den PISA-Erhebungen 2003 und 2006. An den Berufsschulen liegt der Medianwert bei allen Auswertungen jeweils auf der sechsteiligen Kompetenzstufenverteilung auf Level 2 der Mathematik-Kompetenz. Allerdings zeigt sich bei den Burschen 2006 eine Verbesserung im oberen Bereich der Leistung, parallel dazu geht jedoch eine Ausdehnung der Leistungsstreuung einher. Die Verbesserung bei den Burschen trifft auch auf die BMS zu, hingegen kommt es bei den Mädchen zu einer Verschlechterung, wodurch sich die Geschlechterdifferenz in dieser Schulsparte weiter vergrößert. Insgesamt gibt es bei den Schülerinnen und Schülern in den BMS sowohl bei den Mädchen als auch bei den Burschen eine große Leistungsstreuung innerhalb der Gruppe im Jahr 2006, insbesondere bei den Mädchen im Vergleich zu 2003. Ähnlich wie in Lesen schneiden die Mädchen an den BMS im Jahr 2006 signifikant schlechter ab als die entsprechende Gruppe an den Berufsschulen. Der untere Wert in der Leistungsstreuung sinkt um über 60 Punkte auf 301 ab und liegt damit unter dem Wert der Mädchen an den BS mit 327. Die Burschen an den BMS konnten sich verbessern, dafür steigt die Leistungsstreuung auf 253 Punkte.

An den BHS sind bei konstant bleibenden Medianwerten eine leichte Abnahme der Leistungsstreuung bei den Mädchen und eine leichte Zunahme bei den Burschen festzustellen. Insgesamt ist die Leistungsstreuung bei hohem Kompetenzniveau ziemlich gering. Die Burschen an den BHS erreichen etwa die Medianwerte der Burschen an der AHS und liegen damit auf Level 4, die Medianwerte der Mädchen erreichen Level 3 an der oberen Grenze. Die Tendenz zur Verbesserung bei den Mädchen an den BHS sticht gegenüber den Gesamtergebnissen in Mathematik hervor, bei denen sich die Burschen verbessert und die Mädchen verschlechtert haben. Damit sind die Mädchen an den BHS die einzige Gruppe von Mädchen in allen untersuchten Schulsparten, die sich gegenüber 2003 in Mathematik leicht verbessern konnten.

Kompetenzverteilung für Mathematik und Lesen

Bei den PISA-Erhebungen werden Kompetenzstufen nach den verschiedenen Leistungsniveaus erstellt und alle getesteten Jugendlichen nach ihren Leistungen in diese Niveaus eingeteilt. Interessant ist die Verteilung der Schüler/innen auf Risiko- und Spitzengruppe, die folgend nach den unterschiedlichen Schulsparten in den berufsbildenden Schulen gezeigt wird. Zur Risikogruppe in Lesen zählen Schüler/innen, die Level 1 bzw. nicht einmal diesen (unter Level 1) erreichen, zur Spitzengruppe gehören Jugendliche auf Level 5.

Insgesamt gab es in Österreich im Jahr 2003 20 % und 2006 21,5 % Risikoschüler/innen in Lesen, also Schüler/innen, die Probleme haben, einen Text sinnerfassend zu lesen. Demgegenüber steht eine kleinere Gruppe mit acht bzw. neun Prozent an Spitzenschülerinnen und -schülern (2000 gab es 14 % Risikoschüler/innen und ebenfalls neun Prozent Spitzenschüler/innen).

An den Berufsschulen hat die Risikogruppe von 2000 auf 2006 von 30 % auf 39 % zugenommen, an den BMS hat sie sich von 15 % auf 30 % verdoppelt. Dem gegenüber steht an diesen Schulen eine Spitzengruppe von meistens deutlich unter einem Prozent. Die Risikogruppe an den BHS hält sich mit zwei bis drei Prozent relativ konstant, ebenso die Spitzengruppe mit ca. 11 Prozent. Der Vergleich BHS zur AHS zeigt eine etwa gleich große Risikogruppe mit wenig Änderung und eine leicht wachsende Spitzengruppe an den AHS von 19 % im Jahr 2000 auf 23 % in den Jahren 2003 und 2006.

Bei den Kompetenzniveaus in Mathematik werden die Schüler/innen auf Level 1 bzw. unter 1 zur Risikogruppe gezählt, Schüler/innen auf Level 5 und 6 gehören zur Spitzengruppe. Insgesamt befinden sich bei der Erhebung 2006 in Mathematik 20 % in der Risikogruppe und 16 % in der Spitzengruppe, 2003 waren es 19 % Risiko- und 15 % Spitzenschüler/innen. An den Berufsschulen konnte sich die Risikogruppe von 2003 auf 2006 leicht von 31 % auf 29 % verringern, die Spitzengruppe bleibt mit zwei bzw. drei Prozent konstant. An den BMS vergrößerte sich die Risikogruppe von 23 % auf 31 % und liegt damit über dem Wert an den Berufsschulen, die Spitzengruppe konnte sich von zwei auf sechs Prozent ausweiten. An den BHS gibt es eine geringe Risikogruppe von vier Prozent bei einer konstanten Spitzengruppe von etwa einem Viertel, wobei die BHS-Schüler/innen in beiden Gruppen schlechter als die AHS-Schüler/innen mit einer konstanten Risikogruppe in Mathematik um die drei Prozent und einer ebenso konstanten Spitzengruppe von 31 % liegen.

Die Daten für die Risikogruppe in den mittleren Ausbildungen Berufsschule und BMS unterstreichen die oben dargestellten Befunde eines dringenden Handlungsbedarfes für die Jugendlichen, die sich für diese Ausbildungen entscheiden.

Resümee

Die festgestellten Leistungstrends an den berufsbildenden Schulen zeigen zusammengefasst eine konstante Entwicklung in den höheren Schulen, wobei diese Schulen ihre absoluten Schülerzahlen ausbauen konnten. Ansatzpunkte für Veränderungen bleiben der niedrige Wert der Burschen bei der Lese-Kompetenz mit Richtung Verschlechterung, der nach wie vor große Unterschied in Mathematik zwischen den Burschen und Mädchen, trotz leichter Verbesserung bei den Mädchen, und der weiterhin bestehende Abstand zu den Schülerinnen und Schülern an den AHS.

Bei den Berufsschulen und den Berufsbildenden Mittleren Schulen lässt sich eine Annäherung der Leistungen der Schüler/innen feststellen, so gleichen sich die Lesewerte der schwächeren Gruppe an den BMS der entsprechenden Gruppe an den BS an. Gleichzeitig weisen etwa die Berufsschüler/innen Verbesserungen in Mathematik auf. In beiden Schulformen zeichnet sich zudem ab, dass die Schülerpopulation heterogener in ihrer Zusammensetzung und in ihrer Leistung wird.

Es wurde in diesem Kapitel bei einzelnen Darstellungen des Öfteren auf Handlungsbedarf durch die Bildungspolitik verwiesen. Die berufsbildenden Schulen machen einen bedeutenden Teil der österreichischen Angebote der weiterführenden Ausbildung aus. Sie sollen Unterstützung dabei erhalten, diese Aufgabe für eine wachsende, aber gleichzeitig inhomogener werdende Gruppe von Jugendlichen zu erfüllen.

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Abbildung 7.4.1: Ausrichtung der Bildungsgänge in der Sekundarstufe II im internationalen Vergleich (OECD, 2007a)

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Abbildung 7.4.2: Wohnbevölkerung im Jahresdurchschnitt: 16 Jahre und 15–19 Jahre (Daten: Statistik Austria)

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Abbildung 7.4.3: Entwicklung an ausgewählten Schultypen (Statistik Austria)

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Abbildung 7.4.4: Kinder nach Einkommen im Haushalt in der Oberstufe

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Abbildung 7.4.5: Familiäre Herkunft in den Berufsbildenden Schulen (PISA 2003 & 2006)

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Abbildung 7.4.6: Streuung des sozioökonomischen Status in den berufsbildenden Schulen[*] (PISA 2000, 2003 & 2006)

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Abbildung 7.4.7: Migrationshintergrund in den berufsbildenden Schulen (PISA 2000, 2003 & 2006)

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Abbildung 7.4.8: Streuung der Leistung in Lesen nach Geschlecht und Schulsparte (PISA 2000, 2003 & 2006)

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Abbildung 7.4.9 Streuung der Leistung in Mathematik nach Geschlecht und Schulsparte (PISA 2003 & 2006)

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Abbildung 7.4.10: Kompetenzverteilung für Mathematik und Lesen (PISA 2000, 2003 & 2006)


1) Out-of-school population 50 %

2) Sonderauswertung der Schulstatistik, Statistik Austria; Schulen ohne Studierende in Berufstätigenformen; auf Grund der Probleme mit der Datenerhebung an den österreichischen Schulen in den Schuljahren 03/04 bis 05/06 gibt es für diese Jahre keine Angaben durch Statistik Austria.

3) Die Unterschiede zwischen den Erhebungszeitpunkten, den Geschlechtern und zwischen den Schultypen wurden alle durch Signifikanztests statistisch abgesichert. Alle signifikaten Unterschiede wurden im Text angemerkt.

*) Die uneinheitliche ISCO-Codierung einzelner Berufsgruppen aus dem Erhebungsjahr 2000 gegenüber 2003 und 2006 wurde nachträglich berichtigt.

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