7.1 Charakterisierung der Schüler/innen in den berufsbildenden Schulen

Susanne Schöberl & Martin Pointinger

Das folgende Kapitel liefert eine Beschreibung der Schüler/innen in den berufsbildenden Schulen nach soziodemografischen und sozioökonomischen Kriterien auf Grund der bei der PISA-Erhebung 2006 eruierten Daten. Ein weiterer Aspekt der betrachtet wird, betrifft die Schullaufbahn in Vorgängerschulen, die die bei PISA getesteten 15-/16-jährigen Jugendlichen besucht haben. Abschließend werden die Leistungen in den drei Kompetenzbereichen dargestellt. Es wird herausgearbeitet, inwieweit sich die Jugendlichen in den unterschiedlichen Schultypen der berufsbildenden Schulen voneinander unterscheiden, aber auch, welche Unterschiede zu den Schülern und Schülerinnen anderer Schulsparten bestehen. Der größte Anteil an Jugendlichen in der Sekundarstufe II in Österreich befindet sich in berufsbildenden Schulen. Das bedeutet, dass diese ausgebildeten Jugendlichen in Zukunft eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung der Gesellschaft und der Wirtschaft spielen werden. Wie sie die Schulen auf diese Rolle vorbereiten, wird im Folgenden beschrieben.

Soziodemografischer Hintergrund der Schüler/innen in den berufsbildenden Schulen

Unter dem Aspekt der Soziodemografie werden die Schüler/innen in ihrer Verteilung nach Geschlecht, nach dem Bildungsabschluss der Eltern und nach ihrem Migrationsstatus betrachtet.

Verteilung der Schüler/innen auf die Schulsparten nach Geschlecht

Die bei PISA 2006 getestete Stichprobe der 15-/16-jährigen Schüler/innen setzt sich fast ausgeglichen aus Mädchen und Burschen zusammen (49 % zu 51 %). Die Mädchen stammen zu rund einem Drittel aus den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS), nicht ganz ein Drittel machen die Schülerinnen aus der AHS-Oberstufe aus (28 %). Ein kleinerer Anteil von unter einem Fünftel der Mädchen kommt aus den Berufsbildenden Mittleren Schulen (BMS); 11 % besuchen die Berufsschule (BS). Die restlichen 12 % der Mädchen besuchen entweder eine Polytechnische Schule (PTS) oder befinden sich (noch) in einer Haupt- oder Sonderschule. Die Verteilung bei den Burschen zeigt ein unterschiedliches Bild: Die größte Gruppe findet sich ebenso wie bei den Mädchen in den BHS (26 %); an zweiter Stelle kommt bei der Ausbildung der Burschen in diesem Alter allerdings bereits die Berufsschule (21 %). Ein in etwa gleich großer Anteil der männlichen 15-/16-Jährigen befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einer PTS oder (noch) in einer Haupt- oder Sonderschule. Im Vergleich zu den Mädchen ist der Anteil der Burschen, die eine AHS besuchen mit 18 % deutlich niedriger als der entsprechende Anteil von 28 % bei den Mädchen. Eine BMS besuchen etwa 13 % der Burschen dieses Alters.

Damit befindet sich sowohl bei den Mädchen als auch bei den Burschen die Mehrheit der getesteten Jugendlichen im berufsbildenden System[1]. Für beide Geschlechter liegt der Anteil der Schüler/innen, die eine BS, BMS oder BHS besuchen bei rund 60 %. Diese Verteilung unterstreicht das Charakteristikum der österreichischen Oberstufe, in der sich – im internationalen Vergleich – ein sehr hoher Anteil der Jugendlichen in berufsbildenden Bildungsgängen befindet (OECD, 2007a). Auffallend ist der beinahe doppelt so hohe Anteil an männlichen Jugendlichen im Vergleich zu den Mädchen in der Polytechnischen Schule.

Anteile von Mädchen und Burschen in den Schulsparten

Die unterschiedliche Verteilung der Geschlechter auf die Schulsparten kann von einem zusätzlichen Blickwinkel betrachtet werden, wenn der Anteil von Mädchen und Burschen in den Schulsparten dargestellt wird.

Die Burschen überwiegen in zwei der fünf Schulsparten: In den APS machen sie fast zwei Drittel der Schüler/innen aus und in den Berufsschulen sind über zwei Drittel der 15-/16-jährigen Jugendlichen männlich. Die Mädchen stellen demgegenüber in den AHS mit 60 % den deutlich größeren Anteil. In den Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen ist die Geschlechterverteilung etwas ausgeglichener; hier haben die Mädchen jeweils knapp die Mehrheit.

Obwohl die Frauen bei der 15–19-jährigen Wohnbevölkerung in Österreich im Jahr 2007 weniger als die Hälfte ausmachen (48,8 % zu 51,2 % Männer; Statistik Austria) und ebenso bei der Gesamtschüleranzahl in Österreich (Schuljahr 2006/07; Statistik Austria 2008a, S. 23) unter der Hälfte liegen (48,9 %), dominieren sie in den mittleren und höheren Schulen – am deutlichsten in den AHS. Beim Bildungsstand der Wohnbevölkerung (Statistik Austria 2008b, S. 305) zeigt sich der gleiche Vorsprung, so haben bei den 15–24-jährigen Männern fast 51 % als höchste abgeschlossene Schulbildung die Pflichtschule; bei der entsprechenden Frauengruppe sind es 45 % (da in dieser Gruppe noch ein großer Teil in einer Ausbildung auf Sekundarstufe II ist, sind diese Werte nur als eine Tendenz aufzufassen). Dafür haben in der gleichen Altersgruppe fast ein Viertel der Frauen eine höhere Schule und ein Zehntel eine Berufsbildende Mittlere Schule abgeschlossen; bei den gleichaltrigen Männern sind es 18 % und sechs Prozent. Beim Abschluss einer weiterführenden Ausbildung haben die Männer in dieser Altersgruppe allein bei der Lehre – mit einem Viertel, gegenüber den Frauen mit 18 % – den höheren Anteil. Die höhere Bildungsbeteiligung von Mädchen, die sich zudem in einer höheren Rate in Sekundar- und nichttertiären Postsekundarabschlüssen zeigt (Statistik Austria 2008a, S. 37), ist jedoch kein Garant für eine (spätere) Gleichbehandlung der Frauen in sozialer und sozioökonomischer Hinsicht. Einen Beitrag zur Ungleichbehandlung liefern die geschlechtsspezifische Bildungswahl und ihre Auswirkungen. Die Verteilung der bei PISA getesteten Jugendlichen zeigt entsprechend der österreichischen Schulrealität, dass die Mädchen in den BMHS und in der AHS-Oberstufe die Mehrheit darstellen. Diese Mehrheit resultiert vor allem aus ihrem Überhang in den kaufmännischen, wirtschaftsberuflichen und sozialberuflichen Schulen. In den technisch-gewerblichen sowie in den land- und forstwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen dominieren die Burschen (ebd., S. 27).

Bildungsabschluss der Eltern nach Schulsparten

Die Betrachtung des Merkmales „Höchster Bildungsabschluss der Eltern“ nach den unterschiedlichen Schulsparten zeigt, dass die Eltern mit einem Bildungsabschluss ohne Matura bei den Jugendlichen in berufsbildenden Ausbildungen überwiegen.

Von den Eltern der Berufsschüler/innen haben 2006 78 % maximal die Pflichtschule oder eine mittlere Ausbildung (Lehre, Berufsbildende Mittlere Schule), bei den Jugendlichen in den BMS sind dies 75 %, bei jenen in der Polytechnischen Schule sind es 80 %. Mehr als die Hälfte (58 %) der Jugendlichen an den BHS haben Eltern mit einem Bildungsabschluss unterhalb der Matura, bei den Eltern von AHS-Schülerinnen und -Schülern im Jahr 2006 sind dies weniger als halb so viele im Vergleich zu den Eltern der BHS-Schüler/innen (26 % mit einem Abschluss ohne Matura). Auch von Seiten der höheren Ausbildung betrachtet, sprechen die Zahlen für sich: Die Eltern mit einem Matura- oder Hochschulabschluss machen bei den Berufsschülerinnen und -schülern im Jahr 2006 21 % aus. Mit steigender Höhe der Ausbildung der Jugendlichen nimmt der Anteil an Eltern mit höheren Bildungsabschlüssen zu: In den Berufsbildenden Mittleren Schulen hat ein Viertel der Eltern Matura bzw. Hochschulabschluss und an den BHS 42 %. Der Vergleich von AHS-Schülerinnen und -Schülern mit ihren Alterskolleginnen und -kollegen in den Polytechnischen Schulen zeigt erneut die beiden Extreme: Während bei den AHS-Schülerinnen und -Schülern drei Viertel der Eltern einen Matura- oder Hochschulabschluss aufweist, ist dies bei den Schülerinnen und Schülern der Polytechnischen Schule bei nur 20 % der Fall.

Schüler/innen mit Migrationshintergrund in den Schulsparten

Neben einheimischen Jugendlichen können bei PISA Migrantinnen und Migranten der 1. Generation, die nach ihrer Geburt mit ihren Eltern nach Österreich gekommen sind, und Migrantinnen und Migranten der 2. Generation, die selbst in Österreich geboren wurden, deren Eltern jedoch zugezogen sind, unterschieden werden.

Im Jahr 2006 gibt es in Österreich unter allen bei PISA getesteten 15-/16-jährigen Schüler/innen 13 % mit Migrationshintergrund, darunter acht Prozent in der 1. Generation und fünf Prozent in der 2. Generation.

Bei der Auswertung für die berufsbildenden Schulen zeigt sich, dass die Berufsbildenden Mittleren Schulen sowie die Polytechnischen Schulen Migrantenanteile aufweisen, die über dem österreichischen Durchschnittswert liegen; Berufsschulen und Berufsbildende Höhere Schulen weisen im Vergleich zu den restlichen Schulsparten die geringsten Anteile an Schüler/innen mit Migrationshintergrund auf.

Sowohl in den Berufsschulen als auch in den BHS beträgt der Anteil von Migrantinnen und Migranten rund acht Prozent. Damit weisen diese beiden Schultypen Anteile auf, die unter jenem der AHS liegen (10 %).

Die BMS haben im Jahr 2006 einen Anteil von 22 % an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, der damit über jenem in den Polytechnischen Schulen (17 %) liegt. An den BMS sind mit jeweils ca. 11 % Migrantinnen und Migranten der ersten und zweiten Generation gleich stark vertreten. Interessant ist der Unterschied zur Berufsschule mit ihrem vergleichsweise geringen Anteil an Migrantinnen und Migranten. Der geringere Anteil in den Berufsschulen kann darauf zurückgeführt werden, dass bei der Vergabe der Lehrstellen Unternehmen einheimische Jugendliche bevorzugen und die Kompensation durch Angebote in Stiftungen oder Lehrgängen des AMS Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht im gleichen Ausmaß anspricht. Da Mädchen und insbesondere Mädchen mit Migrationshintergrund stärker vom Lehrstellenrückgang in den Unternehmen betroffen sind, scheint diese Gruppe zunehmend eine Ausbildungsalternative in den BMS zu suchen. Dafür spricht der hohe Anteil an Mädchen vor allem in den dominierenden wirtschaftlichen und kaufmännischen mittleren Schulen. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind in Berufsschulen, d. h. Lehre, und den BHS unterrepräsentiert, wenn man ihren Anteil an der gesamten Schülerpopulation betrachtet.

Zuhause gesprochene Sprache nach Schulsparten

Mittels des Merkmals der „zuhause gesprochenen Sprache“ können die Aussagen zum Migrationshintergrund, der oben nach der Kategorie „Jugendlicher bzw. Eltern im Ausland geboren“ dargestellt wurde, verfeinert werden. Einerseits fallen dadurch Jugendliche weg, die selbst oder deren Familien aus einem deutschsprachigen Land kommen, andererseits Jugendliche der 2. Generation, die zwar einen im Ausland geborenen Elternteil haben, aber zuhause Deutsch sprechen.

In allen Schulsparten reduziert sich der Anteil der Jugendlichen, die zuhause eine andere Sprache als die Testsprache (= Deutsch) sprechen, im Vergleich zu den Jugendlichen mit Migrationshintergrund nach dem Geburtsprinzip. Zwar ist wieder der größte Anteil an Schülern und Schülerinnen, der zuhause nicht deutsch spricht und bei dem eher Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen, zu erwarten sind, an den BMS zu finden; Mit 17 % hat sich diese Gruppe aber im Vergleich zu den 22 % mit Migrationshintergrund in einem ähnlichen Ausmaß reduziert wie in den anderen Schulsparten. Die Verminderung beträgt in allen Schularten etwa ein Viertel, einzig an den BHS ist eine deutlichere Reduzierung zu verzeichnen. In weiterer Folge scheinen die Polytechnischen Schulen mit 13 %, die AHS mit acht Prozent sowie die Berufsschulen und die BHS mit sechs bzw. fünf Prozent an Jugendlichen, die zuhause nicht Deutsch sprechen, auf. Bei den berufsbildenden Schulen tritt insgesamt ein uneinheitliches Bild auf. BHS und Berufsschule zeigen mehr Ähnlichkeit mit der AHS, die BMS befinden sich näher an der Polytechnischen Schule. Für die BMS heißt das Sechstel an Schülerinnen und Schülern, die zuhause nicht Deutsch sprechen, dass an diesen Bildungseinrichtungen Maßnahmen zur Stärkung der Sprachfähigkeiten nötig sind.

Sozioökonomischer Hintergrund der Jugendlichen in den berufsbildenden Schulen

Nach den Kriterien Geschlechterverteilung, Bildungsabschluss der Eltern und Migrationshintergrund, soll als nächstes der soziale Status der Familien, aus denen die Schüler/innen stammen, untersucht werden. Als Basis zur Berechnung des sozialen Status dienen die Angaben der Schüler/innen zum Beruf ihrer Eltern. Die Skala des bei den PISA-Erhebungen verwendeten sozioökonomischen Index (ISEI) entsteht auf Grund des durchschnittlichen Einkommens und des durchschnittlichen Bildungsniveaus einer Berufsgruppe und bildet den relativen Status der Berufe ab. Niedrige Werte stehen für eine niedrige sozioökonomische Stellung, hohe Werte für eine hohe sozioökonomische Stellung (vgl. Kapitel 6.1).

Bei der PISA-Erhebung 2006 liegen 90 % der Familien der in den berufsbildenden Schulen getesteten Jugendlichen zwischen dem niedrigsten ISEI-Wert von 23 bis zum höchsten Wert von 71. Der niedrige Wert von 23 wird in allen drei Formen der berufsbildenden Schulen erreicht, der höchste Wert von 71, über dem sich fünf Prozent der Familien befinden, wird an den BHS erreicht im Vergleich zu 69 bzw. 68 an den BMS bzw. an den Berufsschulen. Eine Aussage zur sozialen Verteilung lässt sich auch durch die Darstellung der Streuung, innerhalb derer die mittleren 50 % der Schüler/innen liegen, treffen. Die Differenz zwischen den beiden Grenzwerten macht bei allen drei Schulformen 21 Punkte aus, wobei sich die „mittleren“ Schüler/innen in den BHS in Familien zwischen dem Wert 38 und 59 befinden, in den BMS und in den Berufsschulen jeweils zwischen 30 und 51. Damit haben diese beiden Schulsparten ein sehr einheitliches Klientel hinsichtlich des sozioökonomischen Status. Die Schüler/innen in den BHS kommen im Vergleich dazu aus Familien mit einem leicht höheren sozialen Status, im Vergleich zur AHS jedoch, wo die mittlere Gruppe zwischen den Werten 51 und 70 liegt, bieten die höheren Schulen für Berufsbildung offensichtlich eher eine Chance für Kinder aus Familien mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status an.

Die folgenden Beispiele von Zuordnungen von Berufen zu den jeweiligen ISEI-Werten sollen zur Illustration der Werte dienen:

  • 20 – Hilfsarbeiter/in
  • 34 – Kfz-Mechaniker/in
  • 38 – Diplomkrankenschwester, Kindergartenpädagog/in
  • 51 – Leiter/in eines kleinen Unternehmens, Zahntech- niker/in
  • 60 –Masseur/in, Polizist/in
  • 69 – Lehrer/in, Architekt/in, Einkaufsleiter/in
  • 85 – Jurist/in, Arzt/Ärztin, Anwalt/Anwältin
  • 90 – Richter/in

Geschlecht und sozioökonomischer Status

Neben der Aussage, aus welchen – nach dem soziökonomischen Status beschriebenen – Familien die Schüler/innen insgesamt kommen, zeigt Abbildung 7.1.7 die geschlechterspezifische Differenz bei den Herkunftsfamilien. Zur Anschaulichkeit sind in dieser Abbildung die Werte zum sozioökonomischen Status in Gruppen zusammengefasst.

Auf den ersten Blick ist die Selektivität des österreichischen Schulsystems bezüglich des sozioökonomischen Hintergrunds der Schüler/innen und der besuchten Schulsparte deutlich erkennbar. Während die Schüler/innen der berufsbildenden Schulformen ohne Maturaabschluss (d. h. ohne BHS) zu jeweils rund 40 % aus Familien kommen, die hinsichtlich der hier verwendeten Klassifikation aus der unteren Gruppe (16–35 Punkte) kommen, ist dieser Anteil in den BHS bereits nur etwa halb so groß (20 %); in den AHS beträgt der Anteil dieser Schüler/innen aus weniger privilegierten Familien nur mehr 7 %.

Ein weiteres auffallendes Ergebnis ist, dass es in den höheren Schulen so gut wie keinen Unterschied bezüglich des Geschlechts gibt. Mädchen und Burschen in den höheren Schulen unterscheiden sich nicht systematisch hinsichtlich ihrer sozioökonomischen Herkunft.

Betrachtet man nur die berufsbildenden Schulsparten (ohne BHS), so zeigen sich hier deutliche Geschlechtsdifferenzen bezüglich des sozioökonomischen Hintergrunds der Schüler/innen. Mädchen, die diese Schulsparten besuchen, kommen deutlich häufiger als ihre männlichen Kollegen aus weniger privilegierten Familien. Umgekehrt formuliert: Burschen begnügen sich trotz höherem soziökonomischen Status der Eltern in höherem Ausmaß als Mädchen mit Schulformen, die nicht zur Matura führen.

Steiner & Wagner (2007, S. 6) beziffern die Dropout-Quote[2] im Jahr 2005 bei den 15–24-Jährigen mit neun Prozent, wobei bei den Männern ein leichter Überhang mit 9,6 % im Vergleich zu 8,4 % bei den Frauen besteht. Überproportional vom Bildungsabbruch betroffen sind Jugendliche mit niedrigerem sozialem Status, so beträgt die Dropout-Rate 2004/05 bei Jugendlichen der zweiten bzw. dritten Generation von Migrantinnen und Migranten über 15 %; bei Jugendlichen mit Nicht-EU-Staatsbürgerschaft 30 %; bei Jugendlichen mit arbeitslosen Eltern 21 % und bei Jugendlichen mit bildungsfernen Eltern fast 17 % (ebd., S. 8). Eine Erklärung für die Tatsache, dass mehr Mädchen aus solchen Familien in den berufsbildenden Schulen, vor allem in den mittleren Ausbildungen anzutreffen sind, kann damit zusammenhängen, dass die Burschen aus diesen Familien eher versuchen, nur mit einem Pflichtschulabschluss in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Der oben beschriebene Bildungsstand der 15–24-jährigen Wohnbevölkerung, wonach bei den Frauen 45 % und bei den Burschen mehr als die Hälfte keinen weiterführenden Bildungsabschluss aufweisen, spricht für diese Annahme.

Welche Berufe sich die Schüler/innen mit 30 Jahren erwarten

Die Jugendlichen haben im PISA-Fragebogen angegeben, welchen Beruf sie glauben, im Alter von 30 Jahren ausüben zu werden. Dieser erwartete Beruf wird in einen Wert für seinen sozioökonomischen Status umgewandelt. Abbildung 7.1.8 zeigt die Verteilung dieser erwarteten Berufe der Schüler/innen nach den besuchten Schulsparten.

Die Schüler/innen in den mittleren Berufsausbildungen erwarten sich im Durchschnitt Berufe, die einem Wert von rund 40 Punkten entsprechen und liegen damit ähnlich wie die Schüler/innen der Polytechnischen Schule. 40 Punkte entsprechen dabei beispielsweise einem/r Elektriker/in. Der durchschnittliche Berufswunsch eines BHS-Schülers/einer BHS-Schülerin weist einen Wert von 54 auf, die Berufswünsche der AHS-Schüler/innen liegen im Durchschnitt bei 68 Punkten.

Die Streuung zwischen dem 25. und dem 75. Perzentil kann als weiterer Faktor zur Charakterisierung der Berufwünsche herangezogen werden. Die geringste Bandbreite nehmen (abgesehen von den PTS) die Schüler/innen an den BMS mit 17 Punkten vor denjenigen an den Berufsschulen mit 19 Punkten ein. Die erwarteten Berufe der „mittleren“ 50 % dieser Jugendlichen liegen zwischen den Werten 31 und 51. Die entsprechenden BHS-Schüler/innen weisen mit 25 Punkten eine größere Bandbreite auf (45 bis 69 Punkte), liegen damit aber in ihren Erwartungen deutlich unter den AHS-Schülerinnen und -Schülern. Während nur ein Viertel aller AHS-Schüler/innen einen Beruf mit einem ISEI-Wert von 60 Punkten oder darunter anstrebt, trifft dies auf mehr als die Hälfte der BHS-Schüler/innen zu (58 %).

Da die BHS, ebenso wie die AHS die Matura und den Hochschulzugang vermittelt und zusätzlich eine Berufsausbildung bietet, sind die vergleichsweise niedrigen Berufsambitionen der BHS-Schüler/innen erstaunlich. Diese können allerdings zum Teil auf den geringeren sozioökonomischen Status der Herkunftsfamilien zurückgeführt werden, da die Bildungsambitionen der eigenen Kinder in einem engen Zusammenhang mit dem sozialen Status der Eltern stehen.

Schullaufbahn der Schüler/innen in den berufsbildenden Schulen

Durch das stark gegliederte und selektive Bildungssystem werden in Österreich 15-/16-jährige Schüler/innen bei PISA getestet, die sich im Verlauf ihres bisherigen neun- bis zehnjährigen Schullebens an zumindest zwei Schnittstellen für eine weiterführende Schule entscheiden mussten/konnten oder deren Weg von Zugangsbeschränkungen (Noten, mangelnde Schulplätze, regionale Gegebenheiten etc.) beeinflusst war.

Der Großteil der PISA-Schüler/innen befindet sich in Schulformen, die die Jugendlichen im ersten Jahr (BMHS bzw. Oberstufenrealgymnasium auf der neunten Schulstufe; Berufsschule auf der zehnten Schulstufe) oder im zweiten Jahr (BMHS bzw. Oberstufenrealgymnasium auf der zehnten Schulstufe) besuchen. In der Polytechnischen Schule als einjähriger Bildungseinrichtung sind Jugendliche in der Regel ebenfalls nach einem Wechsel der Schulsparte, durch den freiwilligen Besuch im 10. Schuljahr können Schüler/innen hier ein zweites Jahr verbringen, wenn die Pflichtschule nicht positiv absolviert wurde. Allein in der Oberstufe der AHS-Langform tritt der Fall ein, dass die Jugendlichen bereits die Sekundarstufe I in der aktuell besuchten Schulsparte absolviert haben.

Ein Vergleich der Verteilung der Schüler/innen auf die verschiedenen Schulstufen zeigt interessante Unterschiede; so sind in den Berufsbildenden Mittleren Schulen fast zwei Drittel der bei PISA getesteten Jugendlichen in der neunten Schulstufe, in den beiden höheren Schulformen sind die Schüler/innen fast zur gleichen Hälfte in der neunten bzw. zehnten Schulstufe zu finden. Dieser Unterschied erklärt sich zumindest zu einem Teil aus der Tatsache, dass viele Schüler/innen eine BMS zur Absolvierung ihrer Schulpflicht besuchen. In den BMS tragen insbesondere die Mädchen dazu bei, dass ein so großer Anteil die neunte Schulstufe besucht. In den Allgemein- und Berufsbildenden Höheren Schulen sind tendenziell mehr der Burschen in der neunten Schulstufe anzutreffen.

Besuchter Schultyp auf der Sekundarstufe I nach Schulsparten

Der Großteil der Schüler/innen in Österreich besucht auf der Sekundarstufe I die Hauptschule oder die AHS-Unterstufe (69 % Hauptschule zu 31 % AHS-Unterstufe, Statistik Austria 2008a, S. 23). Eine Darstellung der bei PISA getesteten Schüler/innen in den verschiedenen Schulsparten zeigt ein eindeutiges Bild über die Schullaufbahn in der Sekundarstufe I.

Von den derzeitigen 15-/16-jährigen AHS-Schülerinnen und -Schülern haben 86 % vorher die AHS-Unterstufe besucht und nur 14 % die Hauptschule. In der ebenfalls mit der Reifeprüfung und dem Hochschulzugang abschließenden BHS finden sich zwei Drittel an Jugendlichen, die aus der Hauptschule kommen – nur ein Drittel kommt hier aus der AHS-Unterstufe. Die mittleren Berufsausbildungen weisen einen äußerst geringen Anteil an Jugendlichen auf, die vorher eine AHS-Unterstufe besucht haben; in beiden Schulsparten sind dies jeweils nur drei Prozent der Schüler/innen. Der Besuch einer Hauptschule in der Sekundarstufe I legt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit fest, dass die Jugendlichen auf der Sekundarstufe II eine Berufsausbildung einschlagen werden.

Besuchte Schulsparten nach Schultyp auf Sekundarstufe I

Die Schullaufbahn kann zur weiteren Veranschaulichung aus einem anderen Blickwinkel beschrieben werden. Abbildung 7.1.11 zeigt, wie sich die ehemaligen Hauptschüler/innen und AHS-Unterstufen-Schüler/innen auf die Schulsparten der Sekundarstufe II verteilen.

Die größte Gruppe der 15–16-jährigen ehemaligen Hauptschüler/innen befindet sich mit fast einem Drittel in der BHS, gefolgt von einem Viertel in den Berufsschulen und einem knappen Viertel in den BMS. 15 % der ehemaligen Hauptschüler/innen besuchen die Polytechnische Schule und nur fünf Prozent die AHS-Oberstufe.

Von den Schülerinnen und Schülern, die die Unterstufe in einer AHS absolviert haben, besuchen fast zwei Drittel auch in der Sekundarstufe II diesen Schultyp. Exakt ein Drittel der AHS-Unterstufen-Schüler/innen besucht in der Sekundarstufe II eine BHS. Nur insgesamt rund 4 % der Schüler/innen aus der AHS-Unterstufe besuchen auf der Sekundarstufe II keine höhere Schule und befinden sich in einer BMS oder Berufsschule.

Ein etwas anderes Bild zeigt sich, wenn die unmittelbare Vorgängerschule der Berufsschüler/innen der ersten Klassen betrachtet wird. Im Schuljahr 06/07 (interne Statistik bm:ukk) kommt die größte Gruppe in den 1. Klassen der Berufsschulen aus der Polytechnischen Schule (44 %), 20 % direkt aus der Hauptschule, immerhin gut 15 % aus einer höheren Schule und 11 % aus den BMS. Diese hohen Werte aus den Schulformen der Sekundarstufe II sind darauf zurückzuführen, dass es sich hierbei nicht nur um Schulabbrecher/innen nach der neunten Schulstufe handelt. Viele Jugendliche steigen aus einer höheren Klasse in eine Lehre um, teilweise sogar mit dem Abschluss einer weiterführenden Schule, entweder weil verschiedene Lehrberufe speziell für Maturanten und Maturantinnen angeboten werden (z. B. Buchhändler/in) oder weil einschlägige Schulabschlüsse von den Unternehmen nicht anerkannt werden und die Jugendlichen trotz Schulabschluss einen Lehrvertrag bekommen. Diese Jugendlichen sind älter und fallen somit nicht in die bei PISA getestete Population, auch wenn sie sich in der ersten Klasse einer Berufsschule befinden. Da Polytechnische und Berufsbildende Mittlere Schulen ihre Schüler/innen vorrangig in den Hauptschulabgängerinnen und -abgängern finden, hat an der Berufsschule der Großteil in der Sekundarstufe I die Hauptschule besucht. Diese Verteilung zeigt wie beschrieben, dass über ein Viertel der Berufsschüler/innen ursprünglich eine weiterführende Schule auf der Sekundarstufe II begonnen hat und von dort in eine Lehre in einem Unternehmen oder in einem Ausbildungsbetrieb gewechselt ist.

Der hohe Anteil an ehemaligen Hauptschülerinnen und -schülern in den BHS und die Leistungswerte der BHS-Schüler/innen, die in den Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft näher an denen der Schüler/innen in der AHS-Oberstufe als an denen der Schüler/innen in mittleren berufsbildenden Ausbildungen sind, sind ein Beleg dafür, dass die Entscheidung für Hauptschule oder AHS-Unterstufe auf der Sekundarstufe I nicht allein eine nach der Leistungsfähigkeit ist.

Schlögl & Lachmayer (2004) haben eine Verteilung der Schüler/innen in der Primarstufe und Sekundarstufe I nach dem Haushaltseinkommen erstellt. Sind in der Volksschule die drei Einkommensgruppen relativ gleichmäßig vertreten, findet sich in der 1. Klasse der Sekundarstufe I bereits ein großer Unterschied. In der AHS stammt der größere Anteil der Kinder aus Familien in der höchsten Einkommensgruppe, in der Hauptschule aus Familien der niedrigsten Einkommensgruppe. Dieser Unterschied steigert sich bis zur 4. Klasse weiter.

Die Ergebnisse in den drei Kompetenzbereichen in den berufsbildenden Schulen

Zur Charakterisierung der Schüler/innen in den berufsbildenden Schulen folgt nach sozialen und sozioökonomischen Faktoren sowie Aussagen zur Schullaufbahn eine kurze Beschreibung der Leistungen in den drei Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft. Dabei gilt es zum einen zu beachten, dass die Leistungen der Schüler/innen der einzelnen Schulsparten als kumuliertes Lernergebnis ihrer bisherigen Schullaufbahn zu betrachten sind und die Leistungen daher nicht oder nur in einem geringen Ausmaß von der Schule bzw. Schulsparte beeinflusst sind, welche die Schüler/innen zum Zeitpunkt ihrer Teilnahme an PISA besuchen; die Leistungsverteilungen spiegeln daher primär die Selektivität des österreichischen Schulsystems wider. Zum anderen ist die Stichprobe bei PISA nicht groß genug, um auf der Ebene der Schulsparten exakte und verlässliche Aussagen über die Leistungen der Schüler/innen in den einzelnen Schulsparten zu machen – die hier dargestellten Leistungsergebnisse sind daher immer mit einem bestimmten (tw. hohen) Konfidenzintervall behaftet, auf dessen Darstellung hier aber zu Gunsten der Lesbarkeit verzichtet wird.

Leistungsverteilungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft

Abbildung 7.1.13 zeigt die Leistungsverteilungen in Form von Perzentilen für die einzelnen Schulsparten getrennt für die bei PISA getesteten Kompetenzbereiche. Über alle drei Kompetenzbereiche hinweg zeit sich insgesamt erwartungsgemäß ein sehr einheitliches Bild, was die Leistungsniveaus der Schulsparten betrifft. Schüler/innen der höheren Schulen weisen dabei einen jeweils deutlichen Leistungsvorsprung zu den Schülerinnen und Schülern der restlichen Schulsparten auf, wobei die AHS-Schüler/innen vor den BHS-Schülerinnen und -Schülern liegen. Am deutlichsten ist dieser Leistungsunterschied zwischen AHS und BHS bezüglich der Lese-Kompetenz der Schüler/innen. Bezüglich der Mathematik-Kompetenz unterscheiden sich Schüler/innen von AHS und BHS weniger deutlich.

Der Unterschied im Leistungsniveau zwischen mittleren und höheren berufsbildenden Schulen ist ebenfalls bei der Lese-Kompetenz an deutlichsten: Während das 50. Perzentil der BHS-Schüler/innen bei 545 Punkten liegt, also etwa die Hälfte der Schüler/innen einen Wert darüber erreichen, weisen nur etwas mehr als 10 % der BMS-Schüler/innen eine Lese-Kompetenz auf, die diesem Leistungsniveau entspricht.

Während die Schüler/innen der BMS in Mathematik und Naturwissenschaft die größte Heterogenität bezüglich ihrer Leistungen aufweisen, sind es bei der Lese-Kompetenz die Berufsschüler/innen. Insgesamt ist die Leistungsstreuung in den höheren Schulen deutlich geringer als in den restlichen Schulsparten.

Risiko- und Spitzengruppen an den berufsbildenden Schulen

Neben dem Vergleich der Leistungsniveaus und -verteilungen, die auch einen Vergleich der Schüler/innen der berufsbildenden Schulen mit jenen der AHS-Schüler/innen ermöglichen sollen, zeigt Abbildung 7.1.14 für die Lese-Kompetenz den Anteil an Spitzen- und Risikoschülerinnen und -schülern in den Schulsparten – jeweils auch getrennt nach Geschlecht. In Lesen gehören Schüler/innen auf der obersten Kompetenzstufe fünf zur Spitzengruppe, mit der Fähigkeit zur Lösung komplexer Fragestellungen. Die Risikogruppe bilden die Schüler/innen, die nur Kompetenzstufe 1 bzw. nicht einmal diese erreichen (unter Level 1), d. h. bei einfachsten Fragestellungen Lösungsschwierigkeiten haben.

In Kapitel 4 dieser Publikation wird bereits im Detail auf Spitzen- und Risikoschüler/innen eingegangen. Im internationalen Vergleich weist Österreich dabei mit jeweils ca. einem Fünftel der Schüler/innen (22 % Lesen, 20 % Mathematik) einen wesentlich höheren Anteil von Risikoschülerinnen und -schülern auf als ein bedeutender Anteil der restlichen Teilnehmerländer. Die dargestellten Ergebnisse zeigen für Österreich, dass die Risikogruppe in den Polytechnischen Schulen deutlich am größten ist (48 % in Lesen, 47 % in Mathematik). Aber auch in den BMS und den Berufsschulen liegt der Anteil der Schüler/innen, die nur eine minimale Lese- oder Mathematik-Kompetenz aufweisen bei um oder über 30 %. Erwartungsgemäß ist der Anteil von Risikoschülerinnen und -schülern in den höheren Schulen nur sehr gering (s. Abbildung 4.3.10).

Abbildung 7.1.14 zeigt die Verteilung der Schüler/innen in den österreichischen Schulsparten auf die Kompetenzstufen in Lesen, getrennt nach Geschlecht. Über die Schulsparten hinweg ist der Anteil an Risikoschülerinnen und -schülern bei den Burschen mit 27 % deutlich höher als bei den Mädchen (15 %). Besonders deutlich wird dieser Unterschied zwischen Mädchen und Burschen in den Polytechnischen Schulen und den Berufsschulen, wenn man nur den Anteil an Jugendlichen unter Kompetenzstufe 1 betrachtet: rund ein Viertel aller Burschen in den PTS weisen derart geringe Lese-Kompetenz auf; bei den Mädchen ist dieser Anteil nur etwa halb so groß. Noch größer ist der Unterschied bei den Schülerinnen und Schülern der Berufsschule: Während rund jeder fünfte männliche Berufsschüler bezüglich seiner Lese-Kompetenz unter Kompetenzstufe 1 einzustufen ist, trifft dies bei ihren weiblichen Kolleginnen auf nur 6 % zu. Ein etwas anderes Bild zeigt sich in den BMS: hier ist – entgegen dem Ergebnis in den anderen Schulsparten – der Anteil an Risikoschülerinnen bei den Mädchen höher. In den höheren Schulen wiederum bestätigt sich das österreichische Gesamtergebnis und der kleine Anteil von Risikoschülerinnen und Risikoschülern, der in den AHS und BHS zu finden ist, besteht dabei fast ausschließlich aus Burschen.

Im gesamtösterreichischen Durchschnitt werden 9 % der Schüler/innen in Lesen und 16 % in Mathematik zur Spitzengruppe gezählt. Ein Blick auf die Verteilung bzw. die Anteile der Spitzenschüler/innen in den österreichischen Schulsparten zeigt zwar erwartungsgemäß, dass die höheren Schulen jeweils die höchsten Anteile an Spitzenschülerinnen und Spitzenschülern haben, dabei gibt es allerdings interessante Unterschiede bezüglich der Kompetenzbereiche. Während in Mathematik der Unterschied zwischen AHS (31 % Spitzenschüler/innen) und BHS (24 %) nicht sonderlich groß ist, ergibt das Ergebnis für die Lese-Kompetenz ein anderes Bild: Von allen AHS-Schülerinnen und -Schülern zählt rund ein Viertel (23 %) zur Spitzengruppe in Lesen; bei den BHS-Schülerinnen und -Schülern ist dieser Anteil nur etwa halb so groß (11 %) (s. Abbildung 4.5.9).

Dieser große Unterschied in den beiden höheren Schulformen, die zur Matura und damit zum Hochschulzugang führen, sollte Anlass zu einer Diskussion der Lehrinhalte an den BHS geben.

Spitzenschüler/innen in Lesen sind – auch nach Geschlecht differenziert – in den mittleren berufsbildenden Schulsparten nur in einem sehr geringen Anteil vertreten (< 2 %). Dem nationalen Trend folgend haben die Mädchen auch in der Spitzengruppe Vorteile. In den BHS ist dieser Unterschied allerdings weniger deutlich als in den AHS.

Resümee

Österreich verfügt in seinem Erstausbildungssystem über ein differenziertes Angebot an unterschiedlichen Berufsausbildungen. Das bezieht sich sowohl auf die Höhe der Ausbildung (Berufsvorbereitung, Berufsberechtigung und/oder Matura) als auch auf die verschiedenen Inhalte (u. a. wirtschaftliche, technisch-gewerbliche, kaufmännische, land- und forstwirtschaftliche und soziale Schulen und Lehrberufe) sowie auf den Ort der Ausbildung (Schule, Betrieb, Ausbildungseinrichtung). Die Differenziertheit dieses Systems erschwert es, dass Ausbildungen allein auf Grund der Fähigkeiten und Begabungen der Jugendlichen eingeschlagen werden. Für alle diese Berufsausbildungen ist es notwendig, über eine gute Grundlage an Kompetenzen in Schlüsselbereichen zu verfügen, damit die spezifischen beruflichen Qualifikationen, die vermittelt werden sollen, darauf aufbauen können. Zur Bewertung dieser Frage geben uns die bei der PISA-Erhebung 2006 ermittelten Daten ein aussagekräftiges Material in die Hand.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die soziale Selektion und Determiniertheit im österreichischen Schulsystem bei allen drei Formen der berufsbildenden Schulen klar hervorkommt. Ein Großteil der Schüler/innen stammt aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status bzw. Bildungsabschluss der Eltern. Insbesondere die Berufsbildenden Höheren Schulen sind eine Ausbildungsform, die gute Chancen für eine höhere Qualifizierung mit Hochschulzugang für Kinder aus diesen Familien bietet. Gleichzeitig gibt es eine tiefe Kluft zwischen den Berufsbildenden Höheren Schulen und den beiden mittleren Ausbildungen. Berufsschulen und Berufsbildende Mittlere Schulen weisen vom sozioökonomischen Hintergrund bis zu den erreichten Kompetenzniveaus viele Ähnlichkeiten auf. Herausgestrichen werden soll, dass sich in den Berufsbildenden Mittleren Schulen eine Gruppe von Jugendlichen sammelt, denen erhöhtes Augenmerk zu schenken ist. Diese Schulen weisen beispielsweise einen höheren Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund auf als alle anderen bei PISA erfassten Schulen; in diesen Schulen sind zwei Drittel der getesteten Schüler/innen noch in der neunten Schulstufe und die Mädchen an diesen Schulen kommen wie an den Berufsschulen und der Polytechnischen Schule zu beinahe neunzig Prozent aus Familien mit einem niedrigen bzw. eher niedrigen sozialen Status. Auch bei den Leistungen in den drei Kompetenzbereichen zeigen sich bei den Mädchen große Unterschiede: Die Mädchen schneiden in Lesen und Mathematik nicht nur schlechter ab als die Burschen an diesen Schulen, sondern auch schlechter als die Mädchen an den Berufsschulen. In Naturwissenschaft gibt es die größte Geschlechterdifferenz.

Österreich braucht alle Potenziale, um ökonomisch und demokratisch im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Deswegen verdienen die Jugendlichen im österreichischen Berufsausbildungssystem mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung seitens der Bildungs- und Sozialpolitik.

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Abbildung 7.1.1: Die Verteilung der Schüler/innen auf die Schulsparten nach Geschlecht (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.2: Anteile von Mädchen und Burschen in den Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.3: Bildungsabschluss der Eltern nach Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.4: Schüler/innen mit Migrationshintergrund in den Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.5: Zuhause gesprochene Sprache nach Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.6: Streuung des sozioökonomischen Status in den berufsbildenden Schulen (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.7: Burschen und Mädchen nach sozioökonomischem Status in den Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.8: Erwarteter Beruf mit 30 Jahren nach Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.9: Besuchte Schulstufen nach Schulsparten und Geschlecht (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.10: Besuchter Schultyp auf Sekundarstufe I nach Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.11: Besuchte Schulsparte nach Schultyp Sekundarstufe I (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.12: Kinder nach Einkommen im Haushalt in der Primarstufe und Sekundarstufe I (Schlögl & Lachmayer 2004)

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Abbildung 7.1.13: Leistungsverteilungen in den drei Kompetenzbereichen nach Schulsparten (PISA 2006)

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Abbildung 7.1.14: Risiko- und Spitzenschüler/innen in Lesen in den Schulsparten nach Geschlecht (PISA 2006)


1) Bei PISA 2006 wurden 916 Schüler/innen in Berufsschulen, 750 Schüler/innen in Berufsbildenden Mittleren Schulen und 1478 Jugendliche in Berufsbildenden Höheren Schulen getestet. Die Berufsschüler/innen befinden sich zu fast drei Viertel in technisch-gewerblichen Schulen und zu einem Viertel in kaufmännischen Schulen. Die Schüler/innen an den BMS gehen zum Großteil in kaufmännische und wirtschaftliche Schulen (23% bzw. 28%), fast ein Drittel besucht land- und forstwirtschaftliche Schulen (darunter befinden sich ebenfalls Bildungseinrichtungen mit wirtschaftlicher Sparte), 17% besuchen eine technisch-gewerbliche BMS. In den BHS sind 37% der Schüler/innen in technisch-gewerblichen Anstalten, über die Hälfte in kaufmännischen, wirtschaftlichen sowie Anstalten für Lehrer- und Erzieherbildung und sieben Prozent in land- und forstwirtschaftlichen Schulen.

2) Jugendliche, die sich nicht mehr in Ausbildung befinden und keinen weiterführenden Bildungsabschluss aufweisen.

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