7. PISA und Berufsbildung

Der größte Anteil an Jugendlichen in der Sekundarstufe II besucht in Österreich eine berufsbildende Schule. Bei der Wahl einer berufsbildenden Schule spielen soziodemografische und sozioökonomische Selektionskriterien eine wesentliche Rolle. Welche Merkmale die Schüler/innen charakterisieren, welche Voraussetzungen sie mitbringen und wie sehr es dem österreichischen Schulsystem gelingt, die Jugendlichen, die berufsbildende Schulen besuchen, für die Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft auszubilden, wird in diesem Kapitel beleuchtet.

Die Berufsbildenden Schulen – Berufsbildende Höhere Schulen (BHS), Berufsbildende Mittlere Schulen (BMS) und Berufsschulen (BS) – sind ein bedeutendes weiterführendes Ausbildungsangebot des österreichischen Schulsystems. Auf Grund der überwiegend soziodemografisch und sozioökonomisch selektierten Schülerschaft stehen vor allem Berufsbildende Mittlere Schulen und Berufsschulen vor besonderen Herausforderungen. Ein Großteil der Schüler/innen stammt aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status und einer geringen Bildung der Eltern. Diese Selektionskriterien führen u. a. zu einem deutlichen Leistungsnachteil von Schülerinnen und Schülern in den Berufsbildenden Mittleren und den Berufsschulen. Gering qualifizierte Jugendliche laufen Gefahr, arbeitslos und sozial ausgegrenzt zu werden. Ein gutes Berufsbildungssystem sollte daher in der Lage sein, Defizite auszugleichen und Perspektiven zu schaffen. Um diesen Anforderungen erfolgreich begegnen zu können, benötigen die berufsbildenden Schulen besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Die folgenden Ausführungen sollen einen Beitrag dazu leisten, sowohl die (gewachsenen) Strukturen als auch die Schülerschaft der berufsbildenden Schulen besser zu verstehen, um darauf gezielt Maßnahmen aufbauen zu können. Wesentliche Schülermerkmale, die in den Beiträgen beleuchtet werden, sind u. a. die Bildung der Eltern, der sozioökonomische Status der Familie, der Migrationshintergrund und die Leistungen der Schüler/innen.

Gleich zu Beginn charakterisieren Schöberl und Pointinger die Schülerschaft der berufsbildenden Schulen. Darüber hinaus gehen Schmid und Schwantner der Frage nach, wie sich die Motivation der Jugendlichen in Naturwissenschaft – der Hauptdomäne von PISA 2006 – darstellt und wie gut sich die Schüler/innen gerade in den berufsbildenden Schulen auf naturwissenschaftliche Berufe vorbereitet fühlen. Der Beitrag von Schmid, Breit und Schreiner widmet sich danach einem weiteren wichtigen Aspekt der Berufsbildung, nämlich der schulischen und beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten in Österreich. Neben allgemeinen Entwicklungen der Migration und der Berufsbildung wird unter Einbezug wesentlicher Kontextfaktoren ein Kompetenzprofil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den berufsbildenden Schulen erstellt. Ergänzend dazu beschreiben Schöberl und Neureiter die Entwicklungen der berufsbildenden Schulen allgemein. Der abschließende Beitrag widmet sich speziell der Gruppe der leistungsmäßig benachteiligten Schüler/innen in Berufsbildenden Mittleren und Berufsschulen. Neureiter betrachtet die Grundkompetenzen der Jugendlichen in Deutsch und Mathematik sowie wesentliche strukturelle Rahmenbedingungen wie Unterrichtszeit, Besuch von Nachhilfeunterricht und das Angebot an Sprachkursen für Schüler/innen nichtdeutscher Muttersprache.