6. Chancengerechtigkeit

Chancengerechtigkeit, eine hohe kompensatorische Wirkung und der Ausgleich sozioökonomischer Nachteile sind – neben dem Erreichen eines möglichst hohen Kompetenzniveaus – wesentliche Ziele des Schulsystems. Wie gut die verschiedenen Schulsysteme, insbesondere das österreichische, diese Ziele erfüllen, untersuchen die Beiträge dieses Kapitels. Dabei steht Chancengerechtigkeit für sozial und ökonomisch benachteiligte Gruppen im Mittelpunkt. Ergänzt wird der Blick auf Chancengerechtigkeit auf individueller, schulischer und systemischer Ebene durch Analysen zu geschlechtsspezifischen Disparitäten im österreichischen Schulsystem.

Wie sehr die Leistungen der Schüler/innen mit ihrer familiären Herkunft, aber auch vom Geschlecht abhängen, ist ein wichtiger Aspekt zur Beurteilung der Qualität eines Bildungssystems. Seit 2000 zeigen die PISA-Daten auf, dass Chancengerechtigkeit in verschiedenen Ländern in sehr unterschiedlichem Ausmaß realisiert wird. Die Analysen in diesem Kapitel – vor allem zu den Daten aus PISA 2006 – ergänzen dieses Bild durch einen Blick auf Bildungsaufsteiger/innen, Faktoren, die Bildungswegentscheidungen beeinflussen, Detailanalysen zu geschlechterbedingten Unterschieden in Naturwissenschaft und Wirkungsfaktoren auf Kompetenzniveau und Chancengerechtigkeit auf Systemebene.

Breit und Schreiner untersuchen – aufbauend auf den Analysen zur Abhängigkeit der Schülerleistungen vom Bildungsgrad der Eltern – wie weit in Österreich von Bildungsmobilität gesprochen werden kann und nehmen vor allem jene Schüler/innen genauer unter die Lupe, die als Bildungsaufsteiger/innen bezeichnet werden können. Eine Analyse erfolgreicher Hauptschulabsolventinnen und -absolventen runden diesen Abschnitt ab. Im zweiten Teil des Beitrags steht der Zusammenhang zwischen familiären Merkmalen und dem Kompetenzniveau der Kinder im Mittelpunkt des Interesses. Die Analysen umfassen sowohl einen internationalen Vergleich als auch detaillierte Darstellungen der Zusammenhänge innerhalb der Schulsparten und auf Schulebene in Österreich.

Thonhauser und Pointinger untersuchen die Abhängigkeit von Bildungswegen von individuellen, familiären und regionalen Faktoren. Dabei werden neben den Informationen zu Bildungskarrieren und Hintergrundmerkmalen aus PISA 2006 auch Daten aus der Volksschul-Lesestudie PIRLS 2006 einbezogen.

Stadler widmet ihren Beitrag geschlechtsspezifischen Disparitäten in Naturwissenschaft. Dabei werden die Ergebnisse von PISA 2006 im Kontext geschlechtsabhängigen Wahlverhaltens bei Bildungswegentscheidungen und Ergebnisse aus früheren Studien diskutiert. Einer Analyse einzelner Items – solchen mit großen Geschlechterdifferenzen und geschlechtsneutralen – folgt eine Interpretation der Ergebnisse, die neben dem Schulsystem als Ganzes, den Unterricht sowie individuelle Merkmale mit einbezieht. Die Autorin schließt mit einigen Vorschlägen für Interventionsmaßnahmen.

Der abschließende Beitrag von Bacher und Leitgöb untersucht das Thema Chancengerechtigkeit auf Systemebene. Analysiert werden die Wirkungen verschiedener Systemfaktoren wie Kindergartenbesuch, schulische Autonomie, Erstselektionsalter oder die Akademisierung der Lehrerausbildung auf Testleistungen und Chancengerechtigkeit.