5. Schüler/innen mit Migrationshintergrund

Jugendliche mit Migrationshintergrund wachsen im Spannungsfeld zweier Welten auf. Wie gut gelingt es der Schule, auf die speziellen Bedürfnisse dieser Kinder und Jugendlichen einzugehen, sie ihren Neigungen und Begabungen gemäß zu fördern und sie mit den für eine erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft notwendigen Grundkompetenzen auszustatten? Dieses Kapitel beschreibt die Sozialisationsbedingungen von 15-/16-jährigen Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, zeigt, wie es um ihre Grundkompetenzen gegen Ende der Pflichtschulzeit bestellt ist, und diskutiert die Ergebnisse abschließend im Kontext gesellschaftlicher Strukturen.

Migrantinnen und Migranten wachsen oft unter anderen familiären und ökonomischen Bedingungen auf als einheimische Jugendliche. Viele dieser Schüler/innen wachsen zweisprachig auf und die von der Familie gesprochene Sprache weicht von der Sprache der Schule und der Peergroup ab. Migrantinnen und Migranten verfügen im Elternhaus oft über weniger Bildungsgüter und ihre Eltern haben manchmal nur sehr geringe Formalqualifikationen. Deshalb und teilweise auch bedingt durch die Nichtanerkennung ausländischer Zertifikate sowie durch Sprachbarrieren weisen Familien mit Migrationshintergrund in Österreich oft einen niedrigen Sozialstatus auf. Institutionelle Fördermaßnahmen in Kindergarten und Schule müssen auf diese Umstände Rücksicht nehmen, damit Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund Chancen auf erfolgreiche Bildungswege haben, welche eine grundlegende Voraussetzung für gelingende Integration darstellen.

Dieses Kapitel widmet sich deshalb zum einen den Sozialisationsbedingungen und zum anderen den Kompetenzen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Im ersten Beitrag charakterisiert Breit die Schüler/innen mit Migrationshintergrund in Österreich nach dem Alter der Immigration, der Staatsbürgerschaft sowie der zu Hause am häufigsten gesprochenen Sprache. Es folgt eine Darstellung der familiären und institutionellen Sozialisationsbedingungen sowie eine Detailanalyse nach den beiden größten Sprachgruppen (türkisch und bosnisch-kroatisch-serbisch). Im zweiten Beitrag von Breit werden die Kompetenzen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft international verglichen und im Anschluss für die Migrantinnen und Migranten in Österreich im Detail dargestellt. Nach Analysen unter Berücksichtigung des Sozialstatus der Familien folgen wiederum Auswertungen nach den beiden größten Sprachgruppen unter Österreichs Migrantinnen und Migranten.

Der abschließende Beitrag von Herzog-Punzenberger diskutiert die Ergebnisse zu den Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus PISA 2006 vor dem Hintergrund des Schulsystems, des Rechtssystems, des nationalen Selbstverständnisses sowie der Arbeitsmarktsituation.